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Der israelitische Lehrer · 1869-09-22 · 38 (22.9.1869) · p. Seite 419

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
38 (22.9.1869)
Date
1869-09-22
Page
Seite 419 (sequence 7)
Language
German
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419 r— Stite ein Ausbruch des Fanatismus gegen den Uri Heber einer freieren vernünftigen Anschauung erfolgte, veröffentlichte Wessely seine „Quelle vcS Rechts" in welcher Zeugnisse der hervorragenden Rabbiner Italiens;u Gunsten des Autors enthalten sind. Damit war der letzte Schritt geschehen und beide Tbeile liegen die! Waffen ruhen. Wessely unk seine Doctrin hatte sich;u glänzend bewährt, um nun nach erlangtem Siege der Vergessenheit anheimznfallen. Von allen Seiten wurde Wessely bestürmt, seine Ansichten über Jugenderziehung ausführlich zu erörtern und oarzulegen. Gr that dies denp auch in erschöpfender Weise in oe», . pädagogischen Werkchen: „Freiheit." 1 Um diese Zeit that sich in Königsberg ein Verein aus, der unter dem Rainen: „Gesellschaft der Fre mde der hebräischen Sprache nur ver Beförderer des Guten t und Heilsamen", besonders durch Gründung einer Leitschrit: „Der Sammler", den edlen Zweck der Verbreitung der Wissenschaften des Jude,itbums verfolgen sollte. Wie natürlich mark auch Wesselv zur Berhei ligung aufgeforbcrt, die er dann auch in überreichem, Mage durch zahlreich: Beiträge berhätigte. Am 8. Januar 1786 erlitt da» Iuventhum einen unersetzlichen Verlust, nicht minder Wesselv. Sein innigster' Freund und Kampfgenosse Moses Mendelssohn war gestorben. Wie verschieden auch beide Männer in ihren Ansichten und Mitteln waren, io .vareu sie doch einem einzigen schönen Ziele mit allem Eifer zu'trebcnd : der sittlichen und geistigen Erhebung urtb Erleuchtung ihrer Stammgenossen, des jüdischen Volk». Verschieden in Ansichten uns Mitteln, war Wesselv bestrebt, das Iudenthum als solches durch sich selbst aber auch nur in der eigenen Grenze zu erhalten und zu befestigen, während es Menoelsohn's Aufgabe war, dafse.be herauszuführen au» dem gewohnten engen Wirkungskreise, es der modernen Bildung zu acccmodiren und cs fähig zu machen zu seinem bohen Berufe - einer Weltj religion. Dazu diente ihm die Philosophie, welche . ihm dann auch die wesentliche Grundlage ward, I auf die er das Gebäude feiner Doktrin errichtete, j Wessely war mehr Praktiker, Menbelsohn mehr Tbeore- ' riker; was beiden das Ludenthum zu verdanken bat, ' — die Nachwelt weiß es zu schätzen.' . j Der Tod des Freundes und Kampfgenosse« war | ein harter Schlag für Wesselv, um so härter, als! damit der Anfang zu mannichfacher Trübsal gemacht I zu sei« schien. So starb in Kurzem auch die treue, liebevolle Gattin, welche echte Weiblichkeit und Sanftmuth mit männlicher Duldungskraft in 'sich vereint batte und für Wesselv eine feste Stütze in Leid und Kummer war. Solche Schläge de« Schicksals mochten wohl den Körper untergraben, den klaren Geist eines Wessely vermochten sie nicht zu. umnachten; die fast . um dieselbe Zeit erschienene moralische Sitteulehre be wies cs. Mit Letzterer halte W.'sselv nicht nur einem so dringend gefühlten Bedürfnisse nach meinem geordneten Handbuch der Religionslehre abgeholfen, sondern auch der jüdischen Rellgionsphiloivphie eine neue Bahn " eröffnet, eine anfänglich schwer gangbare und dornenvolle Bahn, später aber und zu unseren Leiten geebnet und leicht zugänglich, gleich einer Kunststraße. In seinem 60. Jahre, in eine. Zeit. wo zumeist jedweder dichterischer Schwung," jedwedes Feuer der Lugend bereits unter der Last und Bürde zweier Menschenalter erdrückt ist. veröstcntlichre Hartwig gleich einem Schwanengcsang feinen „Mojer", ein Gedicht, würdig Nationalepus zu werden, wenn beim jüdischen Volke überhaupt von Ration die Rede sein könnte. Der Mose« ^übersetzt von Professor Hufnagel) concentrirt in sich gleichsam die ganze geistige Kraft"Wesiely'S; er ist ein Product der wissenschaftlichen Vielseitigkeit seines Autors. Di ist zuerst der Grammatiker, der das Verdienst der Genauigkeit uno Eleganz in Bildung der Wrrtform n, in Bezug aus Slvl und Metrik für sich in Anspruch iiiiiMit; da ist der Moralpbilofvph, der milde Reformator vertreten, an ibn schließt sich der Greg« und Archaeologe; der begeisterte Dichter krönt da» Gebäude. Wesselns ilermögensverbältnisie erlaubten eine unabhängige Herausgabe des Mose« nicht, mit Hülse edler Freunde erschienen die ersten fünf Gesänge im - | Drucke — der sech'te blieb Manuscripr und schlummert i noch schmäblick in Vergessenheit unter so manchem Werthoollen aus dem Richlasse. de» Dichter». Der Ruhm Wessem'S verbreitere sich nach allen Gegenden , Europa'», wo Lude» wohnten zj nickt allein seine Glaubensgenossen aber waren es, die ihn bochachtetcn und schätzten, auch die meiftrn christlichen Gelehrten unr hervorragende« Geister zollten idm ihre Verehrung und traten mit ihm in Briefwechsel. Dir Londoner portugiesische Genieinde beriet Wesselv als Oberrabbiner; dieser lehnte es ab in Anbetracht seines Alters und Wirkungskreise» in Deutschland. .Eine große Freude stand dem Greise noch bevor. AlS er nänztich im Jahre 1807« seine vortbin verheirathere Tochter nach Hamburg begleitete, wurde er von seinen Glaubensgenossen einem Könige gleich empfangen, Arm und Reich umdrängte ihn und suchte ihm seine Verehrung kundzuthun. Der tiefzerührte Greis beschloß in Ham bürg zu bleiben und daselbst Vorlesungen;n halten. Doch nur wenige Monate waren ihm dazu vergönnt, schon am 2. März 1805 berief ibn der Herr ver Heer sckaaren zu stch. f

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