Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 37 (15.9.1869)
- Date
- 1869-09-15
- Page
- Seite 410 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4896751-5428712-5432050--2594-4898931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
410 ]m mindeste«- 5 Sgr. zu zahle» habe, nicht gut in Einwmgzu bringen, da nach meiner Meinung ein Bethau- -für alle Völker auch allen Völkern unentgÄtlich geöffnet werden muß *). Ist aber der Vorstand anderer Meinung, so sollte er, «m Täuschungen zu vermeiden, den Bibelspruch nach Innen und seine Bekanntmachung an der Außenseite anbringen lasten. Die Synagoge, die in der Nähe befindliche Lehrer- Wohnung, Schule und das Kastellan-Gebäude sind durch ein Eisengitter von der Straße abgeschlosten. Als ich daselbst dem Morgengottesdienste beiwohnte, fand ich, war ich in vielen größeren und kleineren Gemeinden oft vergeblich gesucht: Würde-und Andacht unter zahlreich versammelten Betern. Wenn auch die geschmackvolle innere Einrichtung dieses geräumigen Gotteshauses, besonders die effectreiche Malerei im Rondell der Ostseite, von welcher ein gedämpfte- Licht durch ein buntes Fenster, die Tafeln Mose» mit Inschrift vorstellend, einfällt, wenn ferner die im Halbdunkel so prächtig erscheinende heil. Lade mit ihren Kandelabern und brennenden ■von *u, die unsere Grundlehren und Hauptpflichten enthaltenden Zuschriften an' den Seitrnwänden des Hauses und endliche die volltönige Orgel den Besucher in gehobene Stimmung versetzen, so kann nach meinem Dafürhalten doch nur durch die Art und Weise des Gottesdienstes sübst, besonders wenn sie, wie hier, das Resultat einer von bewährten Seelsorgern gepflegten religiösen Bildung der Gemeinde ist, die wahre Andacht hervorgerufen werden. ES verdient der besondern Hervorhebung, daß an diesem Gottesdienste selbst jeder vernünftige Orthodoxe sich ohne Bedenken,betheiligen kann, da den Anhängern der ältern wie den der neuern Richtung in geeigneter Weise Rechnung getragen wird. Don-Adon Olam bis zum AuSheben der Thora wird nach altem Gebrauche gebxtet, jedoch ohne Wiederholung der y"e. Die Vorlesung der Thora und deren Ein- und AuSheben bildet den anregendsten Theil deS Gottesdienste- und wird eingeleitet durch ein vom Herrn Rabb. vr. Wolfsohn vorgrtragenes kernhafteS Gebet, das in dem Spruche yo» gipfelt und schließt, worauf durch einen gutgeschulten Chor ein vierstimmiger Choral folgt. An die nach hem dreijährigen CycluS stattfindende Vorlesung schließt sich die Haph- Hora, deutsch und hebräisch, Kaddisch für Verstorbene auf deutsch in zweckmäßiger Umarbeitung deS alten Gebets, wobei die Namen der Abgeschiedenen, für die selbigen Tag- Jahrzeit stattfindet, genannt werden und dann Gebet für König rc. Nach dein Einheben, das von überaus lieblichen *) Zur Letz eit. Damit ist jedoch nicht gerade gesagt, daß der Eastellan für Jedermann jederzeit öffnen und die Gemeinde ihn dafür lohnen «miß. Die Redaktion. Melodien der übllchen Psalmen begleitet wird, folgt einmaliges y"v-»j0io, wovon dev mittlere Theil als stille Andacht gebetet wird. Nun erst jfolgt die Predigt.! Für eine solche scheint mir die Zeit ungeeignet, indem > ' der Gottesdienst schon ls/4 Stunden gedauert und daher selbst bei den Andächtigsten eine gewiste Erschlaffung leicht eintreten kann, die der Empfänglichkeit für eine noch so gute Predigt hinderlich ist. Herr De. Wolfsohn sprach unter Zugrundelegung der Worte des Wochenabschnitts ypjn «Si pD’Din *6 in meisterhafter Weise über die Wichtigkeit der. Tradition, wobei er die Bedeutung der damals in Leipzig tagenden Synode, sowie auch des Gemeindetages daselbst, gebührend hervorhob. Die Predigt war kurz, doch hat sie augenscheinlich eine gewalttge Wirkung auf die Herzen der Zuhörer hervorgerufen, worüber nicht zu verwundern, da Hrn. De. Wolfsohn alle Qualificationeu eines guten Redners, besonders eine recht kraftvolle und doch der Modulation fähige Sttmme, zu Gebote stehen. Auch der Vortrag de« würdigen Lehrer« und Contors, Herrn Bromberg, muß anerkennend erwähnt werden, besonders feine Deutlichkeit im Ausdrucke der Worte, ohne daß die Melodie dadurch beeinträchtigt wird. Daß es eine nicht zu unterschätzende Befähigung deS CantorS ist. wenn er Text und Melodie ohne gegenseitige Schädigung in Ausdruck zu bringen weiß, habe ich um so mehr empfunden, als ich 14 Tage früher beim Besuche des Gottesdienstes in der neuen Synagoge zu Berlin, vom dortigen Cantor, .der über bedeutende Stimmmittel verfügen kann, nur volltönige Melodien, in welchen aber die Worte ganz undeutlich verschwommen, habe vernehmen können, obschon ich in seiner Nähe placirt war. WaS auch der Stimme des Herrn B. an Kraft abgeht, das wird vollkommen durch deren ergreifende Lieblichkeit und enormen Umfang ersetzt. Als dem Gottesdienste nicht entsprechend, sogar die Andacht ableitend, erschien mir die Uniform, der Dreimaster und der Degen des sich sehr oft hin- und herbewegenden Castellans; ich glaube, daß ein schwarzer Frack, oder eine andere minder auffallende Kleidung für solche Bedienstete zweckmäßiger sei. Schließlich will ich nicht die zarte Rücksichtönahme verschweigen, welche der Präses deS Vorstandes, Herr Levi, deffen vorzügliche amtliche Wirksamkeit schon vielseisig anerkennende öffentliche Würdigung gefunden, dadurch an den Tag gelegt hat, daß derselbe, als es sich um Einrichtung der kürzlich neuerbauten Schule und Lehrerwohnung handelte, den Lehrer Bromberg brieflich aufforderte, seine hierauf bezüglichen Wünsche vorzutragen, welch« dann möglichste Berücksichtigung finden sollten. Beides geschah. Und so ist Schuö und Lehrrrwohnung entstanden, die an Zwecknäßigkeit