Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 37 (15.9.1869)
- Date
- 1869-09-15
- Page
- Seite 411 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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411 und Bequemlichkeit nicht das mindeste zu wünschen übrig lassen. Ihr Vorsteher und Vorsteherchen, die Ihr glaubt, schon genug gethan zu haben, wenn Ihr den Lehrer ,der Gegenwart, der Euch an Charakter und Wissen mindestens nicht nachsteht, nur selten, eben weil er Jude ist, eines freundschaftlichen Blickes würdigt, vielmehr seine ohnehin prekäre Stellung durch anmaßendes, diktatorarisches Auftreten verbittert, während Ihr dem ihm an Bildung kaum gleichstehenden Christen den Hof macht, kommt her und lernet am Beispiel eines würdigen Mannes, welche Rücksicht einem Vorstand dem Lehrer gegenüber zu nehmen geziemt! Daß unter solchen Umständen zwischen Vorstand, Rabbiner und Lebrer, das innigste Verhältniß obwaltet, aus dem Segen Gottes für die Gemeinde ersprießt, braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden, da es selbstständlich ist. — Ich schließe mit dem aufrichtigen Wunsche; Gebe Gott, es wäre in allen Gemeinden Israels also! Feuilleton. Kartrvig Wessels. Biographische Skizze von H. Jacobson. (Fortsetzung.) Wessely stand nun in der Blüthe der Jahre, im schönsten Mannesalter, vollkräftig an Geist und Körper. Mit unsäglicher Liebe und Verehrung am Judenthum hängend, stellte er sich die Aufgabe, dasselbe von den ihm leider so zahlreich anhaftenden Flecken zu befreien, durch eine vernünftige zeitgemäße Reform. Wie anders und mit welch' größeren Vortheilrn, hätte er diese Reform anbahnen können, als auf dem ihm stets offen stehenden literarische): Wege? Durch Wort und Schrift auf seine Glaubensgenossen in dem bewußten Sinne einzuwirken, das war von nun an Weffely's höchstes Streben, dem er um so sicherer sich hingeben konnte, als er nicht nur jedwede Befähigung dazu besaß, sondern auch ganz besonders durch das Bewußtsein des inneren Berufes und der Möglichkeit der Erfüllung seiner hohen Aufgabe angespornt wurde. In den Jahren 1765 und 1766 gab Wessely — der erste Schritt auf dem neuen Wege — den Libanon (der verschlossene Garten), eine hebräische Synonymik, von großem Werthe für die Entwickelung und Geschichte der hebräischen Sprache sowohl, als für die jüdische Archäologie überhaupt, heraus. Durch und durch Originalwerk ist diese Arbeit die Frucht obengenannter eingehender Studien der hebräischen Sprache und ihres Geistes. Räch jahrelanger, für dieses Haus segensreicher Dienstzeit bei Benjamin Fistel in Amsterdam, machte sich Hartwig daran, selbstständig zu werden und errichtete ein eigenes Geschäft, zumal ihm beträchtliche Mittel in Folge seiner Ersparnisse und d«S euSgebreiteten CreditS, den er genoß, zu Gebote standen. Die Herausgabe des Libanon griff indeß seine Kaffe in dem Maße an, daß er sich genöthigt sah, für den H. Band dieses Werkes einen Verleger zu suchen, der denn auch bald hinlänglichen Absatz zur Deckung der Kosten fand. Der Libanon hatte Wessely hohe Achtung in der jüdischen Gelehrtenwelt verschafft; sein edler Charakter sowohl als sein liebenswürdiges äußeres Auftreten gewannen ihm die Herzen Aller. Gedrängt von den Bitten seiner Verwandten, siedelte Wessely von Amsterdam nach Gopenhagen über und vermählte sich mit Sara Emanuel, einem ebenso schönen, als sittsamen Mädchen, i Trotz der Umsicht und geschäftlichen Tüchtigkeit Weffely's sah er sich dennoch in der Folge durch den Sturz mehrerer Häuser, bei denen er stark betheiligt war, in seiner Existenz bedroht. Wie eine Errettung aus tiefster Roth kam ihm daher das Anerbieten seines ehemaligen Amsterdamer Chef's B. FistelS, als Leiter des Berliner. Zweiggeschäftes bei hohem Gehalte nach dieser Stadt abzugehen. Mit Freuden nahm Wessely diesen Vorschlag an und begab sich mit Frau und Kind 1774 nach Preußens Hauptstadt. Hier war es, wo Wessely mit eineck ähnlichen Geiste Zusammentreffen sollte, mit Moses Mendelsohn, dem großen Reformator und Erleuchter hes Judenthums. Wie konnten auch zwei — wenn auch in der Art der Mittel in sich verschieden, doch in dem Zielpunkte einige, auf das Höchste gerichtete Bestrebungen spurlos an einander vorübergehen, ohne sich in dem Punkte der Harmonie zu berühren? Mit dem größten Beifall und begleitet von der Theilnahme der vorzüglichsten jüdischen Gelehrten veröffentlichte Wessely seinen: „Wein des Libanon", eine Art Exegese und Commentar zu den Sprüchen der Väter. Ihm folgte 1778 die „Weisheit Salamoni'S", ein Werk, das für den Ruhm Weffely's bahnbrechend war. Vergleiche man dasselbe mit dem früher unter gleichem Titel erschienenen Jugendprodukti Weffely's, so wird man nicht umhin können, über die riesenhaften geistigen Fortschritte Weffely's z^ staunen. Allbeliebt und geehrt von Nah und Fern, umgeben von den geliebten Seinen, befreundet aufs Innigste mit den berühmtesten jüdisches: Gelehrten seiner Zeit, schien Hartwig ungetrübtes irdisches Glück erreicht zu haben. Doch nur zu bald sollte Sorge und Noth auch att seine Thüre klopfen. Durch die Aufgabe der Berliner Filiale ward Hartwig stelle- und brodlos. Äußerste Gewissenhaftigkeit und Ehrlichkeit hatte Hartwig nicht Nebengeschäfte auf eigene