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Der israelitische Lehrer · 1869-09-01 · 35 (1.9.1869) · p. Seite 393

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
35 (1.9.1869)
Date
1869-09-01
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
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393 in die Versammlung schicken zu dürfen', fand von Teilen der Oberkirchenbehörde keine Berücksichtigung; doch hoffen wir, daß die bisherigen Kollegen Stern und Levi, der auch an der Versammlung der iSrael. Lehrer theilnahm, unsere Standesinteressen genügend vertreten werden. K. Galizien. Der galizische Schulrath hat im Frühling an sämmtliche Volksschul-Direktoren ein Rundschreiben erlassen, damit selbe die Ursache angeben, warum so wenig jüdische Kinder die christliche Volksschule besuchen. So löblich es einerseits ist, daß der besagte Schulrath sich diese so »jchtige Sache angelegen sein läßt, um vielleicht durch jkennkniß der Ursachen diesem Uebelstande zu steuern, so ist andererseits das Vorgehen des SckulratheS in dieser Beziehung unpraktisch und mangelhaftdenn außer den Direktoren der jüdischen Schulen (au welche diese Frage vielleicht gar nicht gerichtet war) wird schwerlich irgend ein Direktor der christlichen Schulen ohne Beihilfe sachverständiger Männer aus dem Judenthume diese Frage gehörig beantworten können, einerseits, weil selbe die Verhältnisse der.Juden in dieser Beziehung nicht kennen, andererseits es in ihrem Interesse liegt, daß wenige Schüler die Volksschule besuchen, und zwar auö dem Grunde, da die Klassen ohnehin von zwar sehr wenig jüdischen, aber desto mehr von christlichen Schülern derart überhäuft sind, daß die Lcshrrr sich kaum Rath schaffen können. Vor allem liegt das Nebel in den drei sich schroff gegenüberstehenden Parteien, in die sich die Juden Galiziens theilen. Die erste und kleinste ist die Fortschrittspartei. Diese läßt fast dttrchgehendS ihre Kinder öffentlich stuviren, indem diese Partei kein großes Gewicht auf die Beobachtung der religiösen Satzungen legt, wozu die Kinder mit Recht angehalten werden sollen, wobei noch zu bemerken ist, daß diese Gebildeten, welche viel zum Wohle de- Judenthums überhaupt und ihrer Gemeinden insbesondere leisten könnten, sich durchaus gleichgiltig dazu verhalten. Die zweite oder die Mittelpartei sind die OrAddoxen; diese find ziemlich zahlreich, für die Bildung ihrer Kinder zwar eingenommen, lassen sie aber meistens privat in den für den Handel nöthigen Gegenständen durch eine Stunde täglich unterrichten, wäbrend diese Kinder die übrige Zeit des Tages in den Winkelschulen (Chadorim) zubringen, wo sie im Lesen der hebräischen Sprache, jedoch ohne alle grammatikalischen Kenntnisse (weil ihre Lehrer selbst solche nicht besitzen), ferner in der hebräischen Bibel mit Uebersetzung des gewöhnlich jüdischen Jargons, und wenn sie das sechste oder siebente Jahr erreichen, auch im Talmud, der ihnen nur „eingebüffelt" wird, unterrichtet werden. Wie aber dieser Unterricht beschaffen ist und welche Folgen er hat, läßt sich leicht begreifen, wenn man bedenkt, daß fast alle jüdischen Winkpllehrer bar aller pädagogischen Kenntniffe, Meistens dem Chassidismus (Sekten-Lehre, welche ungefähr »er Pietisterei oder dem Muckerthum unter den Christen entspricht) huldigen, ihre Zöglinge nur verdummen und dem Chassidismus zuzuführen bestrebt sind, und die Erfahrung lehrt, daß unter 101 solcher Lehrlinge kaum einer sich im Talmud bervorthut, leider von sonstigen Wissenschaften gar keinen Begriff bat, ja selbst in der hebräischen Sprache so vernachlässigt in. daß er nicht einiyal einen Aufsatz obne orthographische und grammatikalische Fehler zusunmensloppeln kann. Rur ein kleiner Bruchtheil dieser Partei, nämiich die arme Klaiffe, sckickt zum. Tb'eil ihre.Kinder nur deshalb in -die öffentliche Schule, wei' fle außer Stande ist, bei« Winkellehrern den Lebrerlobn mit 30 bis 40, aiuch bis 50 fl. jährlich zu zahlen. Daß also die Orhbodoreu ihre Kinder nichr öffentlich stutiren lassen, igeschiebr einerseits, weil ihnen nocb zu sehr der Talmud am Herzen liegt, indem sie von dem Wahne befangen sind, daß der Talmud alle nur möglichen Wissenschaften in sick enthält, und wer nicht in den tiefen Labyrinthen - Schacht des TalinudS gedrungen, umdie Goldbarren der Pilpulistik („Knifftologie" übersetzt es uns ein gelehrter Fnde, also die Kunst. >ich ernsthair um des Kaisers Ban zu streiten) und der sophistischen Spitzsindigkcir auszuheben, aus dem kann nichts Großes werden, und eben deshalb ist ihnen auch der in den öffentlichen Schulen ertheiite Religionsunterricht viel zu unbedeuiend; andererseits, weil die Schulkinder die bei ihnen so wihtigcn Ceremonial- Gesetze nickt auSüben. an Sabba: und FeieNagen die Schule besucken müssen, wodurch sie weder die Svnagogc besuchen, noch die damit verbundenen Pflichten erfüllen können — Die dritte und zahlreichste Partei ist die der Chassidim. Dieie lassen ihre Kinder in den nach ihrer Anschauung proianen Wissenschaften gar ni '• t unterrichten; einerseits, weil ne jeden Fortschritt, jede allgemeine Bildung verpönen, andererseits» wcil nach ihrer Behauptung die Schulkinder der jüdischen Religion ganz entzogen werden. (N. fr.Pr.) Liturgie. Fraitkllirl it. M.—St, Pnturaburi;, (Fortsetzung.) Es ist kaum noch der Mühe werth, unserin Kritiker zu folgen; so wenig Interessantes wird uns. aus dem Wege geboten, welchen er uns führt. Er ruft jetzt auch M. Heß und sein barockes Buch „Rom und Jerusalem" zu Hülse, welches ebenfalls jtzr die Rückkehr der Juden nach Palästina plaidirt uud für die Verwirklichung dieser Idee auch die Beihülife der Christen in sichere Aussicht stellt, indem die Freii

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