Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 35 (1.9.1869)
- Date
- 1869-09-01
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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392 wollen wir ihnen auch einstimmig mit aller Gewissenhaftigkeit bezeugen. ES resulnrt faktisch, daß alle Intentionen der Rabbiner UntersrankenS, all ihr Thun und Lassen dahin gipfeln, jeden Fortschritt zum Bessern in den Verhältnissen der Religionsschulen ge- — waltsam zu hemmen und allenthalben zu verhindern; allein gelingen dürste eS ihnen dennoch nicht. Die Lehrer haben mehr theoretische und praktische Schulbildung und mehr klare Einsicht in die Anforderungen der Gegenwart, daß sie ihre Aufgabe, die Entwicklung zum Bessern zu unterstützen, verkennen würden, oder gar diesem Ziele, untreu werden könnten. Die Lehrer, vorzüglich jene der Landgemeinden, haben zwar eine äußerst schwere ^Stellung, da sie buchstäblich geistig geknebelt sind und die geistlichen Herren stets mit der Landbevölkerung, kokettiriren.; allein die aller Orten — nur z. Z. noch nicht in Bayern — sich bildenden Lehrervereine und ihre energischen Bestrebungen, ihre gerechten Klagen und Petitionen u. s. w. gehen nicht so ganz spurlos vor den Lehrern UntersrankenS vorüber, darum nipp e"! Zur Nachschrift diene, 'daß ähnliche Regierungs- Entschließungen zur weiteren Bekanntgabe noch zur Verfügung stehen. Buttenhaufen 20. Äug. *) Am 10. d. M. fand zu Stuttgart die erste Versammlung der voriges Jahr conftituirten Konferenz württemb. israel. Lehrer statt, zu der sich etwa 20 Lehrer einfanden. Nachdem der Vorstand, Herr Liebmann aus Eßlingen, die Versammlung begrüßt batte, erstattete er zuerst Bericht über die voriges Jahr gefaßten Beschlüsse. Die Petition um Belohnung der Lehrer für den Dorbeteidiensi fand bei der israelitischen Oberkirchenbehörde noch nicht die rechte ^Unterstützung, unh soll deßhalb die Sache durch den Ausschuß weiter verfolgt werden. Zur Bestreitung der Ausgaben wird für die Folge jedes Mitglied seinen Beitrag um 12 Kreuzer erhöhen. Einer Bitte an die K. Israel. Oberkirchenbehörde, um Bewilligung mäßiger Reisediälen für die jährlichen Konferenzen der israel. Lehrer wurde von dieser Behörde deshalb nicht entsprochen, weil: „so wenig der Nutzen von Versammlungenin welchen Fachzenosien ihre Kenntnisse und Erfahrungen einander mittheilen, im Allgemeinen geleugnet werden könne, dieser Nutzen . nach Ansicht der kirchlichen Aufsichtsbehörde im vorliegenden Falle doch nur dann erzielt werden könne, wenn eine mäßige Anzahl' von Berussgenosieu unter der Leitung eines tüchtigen, über (I!) der Versammlung stehenden Sach» erständigen(sio!),der die Themata, welche die Mitglieder zu Hause zu bearbeiten *) Obwohl wir bereit» zwei Bericht« über di« Bersammlung gebracht, wollenwir auch dt« obige Mitcheilunz, die einige Detail» mehr dringt, nicht ungenützt kaffen. Redaktion. hätten, im Voraus bestimme, die eingesendten Arbeiten vorher lese und sie bei der Zusammenkunft zum Gegenstände der Besprechung machen würde, zusammentreten." „Bei einer Einrichtung der Sache, wie der im Vorwurf gebrachte, würde unvermeidlich das Ganze auf eine Unterredung über Gegenstände des Religionslehrer- und Vorsänger-Berufs hinauslaufen, deren Nutzen, wie hoch man ihn auch anschlage, doch in keinem Verhält niß zu dem sehr bedeutendenKostenauswand stünde, welcher dadurch verursacht würde." Die Versammlung, auf welche die Moüve viescs abschlägigen Bescheids nicht den besten Eindruck machten, beschloß die Sache nicht weiter zu verfolgen und lieber ihre freien, unter der Leitung eines selbftgewählten StandeSgenossen veranstalteten Zusammenkünfte beizubehalten, weil in diesen die Meinungen sich freier äußern können und eine ungezwungenere und fruchtbarere Behandlung der Themata erzielt werden könne. Den Hauptgegenstand der Berathung bildete der „vorläufige Entwurf eines Kirchenverfassungsstatuts für die israelitische Kirche Württembergs," soweit er die Stellung der Lehrer zu den Gemeinden und den Behörden berührt. Durch dieses Statut, das Mitte Oktober einer Versammlung von durch die Vorstände der Gemeinden gewählten Delegirten zur Beralhung ■ vorgelegr werden soll, werden besonders die Vorsänger, d. h. Religicnslchrer und Vorbeler, die nach dem bi« jetzt geltenden Gesetze in ihren Gemeinden gleiche Rechte wie die Rabbinen in dem Rabdinatösitze genossen; in dieser Stellung verletzt und benachtheiligt. Nachdem von der Versammlung diese Zurücksetzungen ' hervorgehoben und ausführlich besprochen wurden, wurde beschlossen, darüber eine Denkschrift ausarbeiten und sie der Regierung und Ständekammer vorlegen * zu lassen. Als nächster Versammlungsort wurde Heilbronn und zum Gegenstand theorettscher Besprechung der „Unterricht in der hebräischen Sprache" gewählt. Der UnterstützungSverein besitzt jetzt ein Vermögen von 1700 fl. und unterstützt vier Wittwen und einen bedürftigen Lehrer. Unterm 21. Juli d. I wurde Lehrer Bikart in Rexingen mit der gesetzlichen Pension in den Ruhestand versetzt Vor seinem Abgang wurde chm von seinen Freunden als Anerkennung für seine 42jährige Wirksamkeit in dieser Gemeinde ein prachtvoll gearbeiteter silberner Pokal überreicht. Die Wahlen zur Berathung des neuen KirchenstatutS sind nun in allen Rabbinaten vollendet; es wurdpn gewählt die Rabbinen Or. Wassermann; vr. Silberstein, Herz, Berlinger und Weimann, Seminarlehrer Stern in Würzburg, resp. Lehrer Levi in Stuttgart, die Rechtsanwälte Heß, Kallmann, Nördlinger, Heumann und Kaufmann Selz in Niedersteltten. Eine Bitte der israel. Lehrer, einen Vertrauensmann