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Der israelitische Lehrer · 1869-09-01 · 35 (1.9.1869) · p. Seite 391

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
35 (1.9.1869)
Date
1869-09-01
Page
Seite 391 (sequence 3)
Language
German
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Wochenbericht. D atnz. Aus dem „Mainzer Anzeiger" vom 21. August entnehmen wir: „Heute feierte der Rabbiner der israelitischen Gemeinde, Herr I)r. Cahn, das Fest seiner silbernen Hochzeit. Zahlreiche Beweise der Liebe und Verehrung wurden dem Jubelpaare zn Theil. Am Vorabende dieses schönen Festes wnrden von Seiten des israelitischen Choralvereins, welchem sich in anertennenswerther Bereitwilligkeit der Gesangverein „Männerquartett," sowie mehrere Mitglieder der „Liedertafel" augeschlvssen hatten, ein Ständchen gebracht. Verschiedene Deputationen rr. beglückwünschten heute Vormittag das Jubelpaar. - Durch ächte Herzensgute und Humanität hat sich Herr vr. Cahn in seltenem 'Grade die Liebe und Hochachtung seiner jüdischen und christlichen Mitbürger erworben. Möge dem Manne eine freudige Zukunft sein!" Odernhcim. Wir sind .veranlagt, unser» Synodal Bericht in Nr. 32 dahin zu berichtigen, daß Herr- Dr.. Rothschild seinen auf Halle! bezüglichen Antrag nicht auf Kürzung und eventuell Uebersetzung stellte, sondern auf Auswahl der Hallel- Psalme, speciell der Ps. 117 und 118, worin er auch von l)r. H o ch st ä d t e r unterstützt wurde. Ferner hat I)r. Rothschild den Antrag auf Beseitigung des zweiten Seph-r gestellt, welcher schon bei der Vorlesung eine vielseitige Zustimmung erhielt. Die Grgenpartei suchte denselben sofort durch formale Gründe zu bekämpfen und sowohl Begründung, wie Abstimmung zn we. hindern. — Wir erhalten ferner noch folgende freundliche Berichtigung: Die in Nr. 27. d. Z. mitgetheilte, den in Paris verstorbenen B e n a r i betreffende biographische Notiz, ist nicht richtig. Dessen Großvater war Rabbiner — wenn ich nicht irre — in Kassel und führte schon jenen Namen, den seine Söhne, also nicht erst bei der Dause annahmen. Letztere schriebe» sich B en ary (ein anderer Zweig der Familie Benlöw) und zwei derselben wurden in der Samsonsschule zu Wolfenbüttel erzogen, besuchten dann die Gymnasien in Göllingcn und Erfurt (wo ein anoerer Bruder die bekannte großartige Handelsgärtnerei betrieb), studirlen in Göttingen, Bonn unv Halle, der eine — Simon Ferdinand — orientalische, der andere — Albert Agatdon — occidentalische Philologie. Beide ließen sich im Jahre 1828 taufen und wurden Professoren in Berlin, jener an der Universität, dieser am Kölnische» Realgymnasium. Der letztgenannte, Vater deS jüngflverstoibene» reichbeaabten jungen ManneS, starb schon in seinem 53. Lebensjahre; er war ein freisinniger Patriot und ein feiner, geistvoller Sprachforscher. i'tt© Unterfranken, 22. Aug. Dem heutigen Berichte muß ich vorausschicken, dajß eS nur durch den Aufwand der ganzen WillenSkrdft: mir möglich ward, damit daö, worüber ich in meinem letzten Berichte referirte, einen maßvollen Ton Nicht überschritt. Eine längere Unterbrechung ist seitdem eingetreten, die theilweise darin ihren Erklächingsgrund, finden mag, daß die Lehrerversammlung in'Wörzburg Gelegenheit bieten würde, einen mündlichen Ideenaustausch möglich zu machen. Einsender bedauert es von ganzem Herzen, durch eingetretene Hindcrniffe nicht anwesend sein zu können, and darum kann dieser Bericht nicht weiter verschoben werden. Was in dieser Beziehung auS Unterfranken kommt, trägt stets einen ganz eigenthümlichen Stempel retrograden SlrebenS von gewisser Seite, um jede Entwicklung im ^^ebiete der Schule aufzuhalten oder um zukehren, und was ich gegenwärtig den Lesern Ihres Blattes mittheile, ist ebensowohl ein nen r Beleg rabbinischer Logik, ' wie eine Art pädagogische cause .-eIHbre. Le sin Sie nun diese Regierungs-Entschließung: „Da die Israeliten weder Bekenntnißschriften haben, welche ihr dogmatisches Lehrgebäude in einer allgemein verbindlichen Form den einzelnen ReligionSangehörigen vorstellte, noch auch eine sonstige dogmatische Autorität aufgestellt ist, welche die Befugniß hätte, die Lehren der heil. Schrift in einer obligirenden Weise auszuleg-n, so ist auch die unterfertigte kgt. Regierung nicht veranlaßt, eine Norm oder einen Commentar zur Interpretation der heil Schrift vorzuschreiben und auf diese Weise der individuellen Ueberzeugung und dem Gewissen der einzelnen ReligionSlehrer nahe zu treten rc." Der Rabbiner, indem er diese.,Verfügung zur Kenntniß miltheiit, be-> merkt hierzu wörtlick: die „Erklärung d<r Bibel soll nach ■'lX’U die Fürth er Ausgabe, oder ’isn geschehen rc." Die Eingabe asr die Negierung wird zwar nie in die Ocffentlichfeit kommen, aber derartige dienstliche Verfügungen bajrf man nicht todtschweigen. Es verstehet sich wohl vofi selbst, und es bedarf gar keiner besonderen Erklärung, ddß hier weder subjektive Sympathien, nach Antipathien irgend welcher Art im Spiele seien; ebensowenig liegt eS in unserer Absicht, eine Polemik dagegen hervorzurufen. Unwillkürlich erinnert man sich an den in diesen Blättern von T. K. erschien, nen Aufsatz „Ueber Leitung eines jüdischen LehrersenlinarS" Seite 284. Uns ist es lediglich um "das wirkliche Wohl und Gedeihen der Rel'gionSjchule zu thun, und das ist gleichbedeutend mit dem unserer Heranwachsenden Jugend. Etwas anvrd-. nen zu wollen, was nicht ausgefühit werden kann,, daS heißt nicht nur sich lächerlich in den Augen aller Denkenden machen, sondern die Unfähigkeit selbst eingeslehen, eine Schulaufsicht zu führen. Und daS

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