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Der israelitische Lehrer · 1869-09-01 · 35 (1.9.1869) · p. Seite 390

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
35 (1.9.1869)
Date
1869-09-01
Page
Seite 390 (sequence 2)
Language
German
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390 1 örterungen alsbald zur Debatte, ob die Einführung von Communalfchulen wünfchenSwerth erscheine. Lehmann befürchtet wohl, daß die Schulen klriner Gemeindm durch die Communalschulen keine Zukunft haben dürften — werden ja in Baden nach Rothschild'» (Mannheim) Angabe Schulen unter 2"> Kindern aufgelöst! — Allein dies trete auch ohne Communalschulen ein; da ja allgemein unter den Jsraeliten ein Zug nach Uebersiedlung in Städte sich bekunde, sei die Existenz kleiner Gemeinden ohnehin in Frage gestellt. Dagegen fallen für größere Gemeinden durch die Entstehung der Communalschulen alle Bedenken weg. Durch diese solle nicht tabula rasa gemacht werden, wie ja der Beschluß des Stadtraths zu Landau es bekunde, daß bei Anstellung der Lehren jeder Confession Rechnung zu tragen.sei, und dürfen wir unsere Sache'— zumal bei der großen Begeisterung des Volkes — den Communen hoffnungsvoll übergeben. Erstdann werde das Vorurtheil schwinden,—wenn Protest, und kath. Schüler auch von jüdischen Lehrern unterrichtet werden könnn. Wir müssen den Comtnunalschulen unbedingt das Wort reden: a) als Israeliten, bj als Männer des Fortschritts und e) als Männer eines deutschen Staates. Die Conferenz zog jetzt zwei Punkte in das Bereich der Debatte: l) Was kann und soll in der israel. ReligionS- Schule geleistet werden? 2y WaS kann. für den israel. ReligionSlebrer gethan werden? Der Bemerkung Minzesheimer's, daß die hier Versammelten, eine Minderzahl, keine Beschlüsse fassen könnten, wurde entgegengehalten: daß wir nur Ansichten äußern wollen, wozu wir auch competent, die Behörden unS sogar dankbar dafür seien. Dürch unsere Aeußerungen wirken wir, gleich der allgemeinen deutschen Lehrervcrsammlung, auf die Behörden. Di« Forderungen, welche daS Leben an die jungen Leute stelle, seien so hoch, daß man einem empfänglichen Publikum begegne-, wenn das bisher verlangte Maaß in den Gegenständen des Religions-Unterrichts und der hebr: Unterrichtsgegenstände reducirt werde. Recht lebendig -zeigte sich, wie Alle für ihren Beruf, wie für unsere heilige Religion erglüht sind, besonder« bei der Debatte „Pentateuch-Uebersetzen." Verlangten Viele, wie Rothschild (Mannheim) und Salomon (Rülzheim) bezüglich des Hebräischen überhaupt eine Erweiterung des aufgestellten Minimums, sd waren die Gegner nicht minder mit gewichtigm Gründen vom pädagogischen Standpunkte aus gewappnet. Mau einigte sich: 1) Systematischer Religions-Unterricht, so wenig als möglich; Auswendiglernen — nur Bibelverse. 2) Biblische u. nachbibl. Geschichte; letztere jedoch in gedrängter Kürze (z. B. wie in Stein'S Thora umizwah.) 3) Hebräifch-Lesen zur größtmöglichen Fertigkeit. 4) Uebersetzen : ynv n«np und r6’en oder das sogenannte yuv. Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: In Erwägung: 1) da die Sttömung der Gegenwart dahingeht, die confessionellen Schulen in Communalschulen umzuwandeln; 2) da durch die Abnahme der Seelenzahl der jüdischen Gemeinden auf dem Lande die ReligionSschul- Berhältnisse gefährdet und 3) da durch den Fortschritt in social-politischer Beziehung der heutigen industriell-strebsamen Zeit, insbesondere durch Freizügigkeit und Gewerbefreiheit dem jüdischen Jünglinge auf diesem Felde eine bessere Existenz-Garantie geboten wird, ist zu befürchten, daß daS Religionsschulwesen in nicht ferner Zeit seinem Verfalle entgegenzugehen drohe, wenn nicht vor Allem dem israel. Religionslehrer in erster Linie a) eine definitive Anstellung und ~b) ein besserer Gehalt zugesichert wird. In diesem Sinne sollen die Gemeinden zu thatkräftiger Wirksamkeit veranlaßt werden. Allgemein fühlte man jetzt das Bedürfnis, äuch dem Körper Erfrischung zu bieten, wozu durch die Freundlichkeit der Herren Adler und Joseph , Synagogen-Ausschußmitglieder zu Ludwigshafen, sowie durch die liebenswürdige Frau unseres Collegen Mai daselbst ein sehr hübsches Mahl sich vorfand, nach desien Beendigung die Zeit zur Trennung heranyerückt war. Zu erwähnen hätten wir noch, daß tue genannten Herren des Synagogen-Ausschuffes, sowie Hr. Jakob von da während der Conferenz, die durch keinen Mißton gestört unk als eine äußerst anregende bezeichnet werden darf, derselben anwohnten. So war wieder ein äckter Lehrertag vollbracht. Wohl mag der Feldherr, dessen Schwert und Scharfblick das Schicksal großer Völker entscheidet; wohl mag der Staatsmann, dessen Hand die großen Gesellschaften der Menschen leite:, den Pflanzer auf jugendlichem Boden belächeln, wenn er schweißtriefend Felsen nach einem winzigen Moose erklimmt: aber die erschlagenen Körper der Helden des Schlachtfeldes vergehen und nach vielen Jahren ist der Name des Helden ein leerer Klang: die kühnsten politischen Gebäude fallen zusammen, während der Jugenderzieher einen Stein nach dem andern zum großen Tempel der Menschenbildung legt, wo einer den andern trägt, ein nie aufhörender Bau, himmelan strebend, an dem jede Blüthe des Geistes sich zur neuen Frucht entwickelt. Auf ein recht baldige« Wiedersehen I Der Schriftführer: N. Salomon.

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