Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 34 (25.8.1869)
- Date
- 1869-08-25
- Page
- Seite 386 (sequence 6)
- Language
- German
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386 m Europa alle Iabrhunperke hindurch gesammelt, zu den orientalischen Völkern beS noch verwilderten Asien'S und barbarischen Afrika's zu tragen. Israel mußte also erst bei dev? christlichen Europa in die Schule gehen, um „Erkenntttiß* zu lernen und davon dann seinen orientalischen Völkerbrüdern mstzutheilen. £ welche Verblendung! möchten wir ausrufen, nicht so sehr über' den hirnverbrannten Christen, als Juden. Ein Jude nimm? derartige christlichen Expectorationen für Wahrheit und verweist auf sie im Gegensatz zu ^Rabbiner Geiger und Genossen," die viel weniger gläubig und judeiisreundlich seien, als der Christ! Er glaubt es im Ernste, daß'Gott die Juden unter die! Völker „der Welt" zerstreut habe, um bei den heidnischen und barbarischen Germanew Bildung und bei den ianatischen Christen N ä ch st e n l i e b e zu lernen und harrt-nun der messianischen Zeit entgegen, wo die Juden, dizrch derartige heidnische und fanatische Bildungsmittel an Kenntnissen und Erfahrungen reicher geworden, ibr völkerbeglückendes Missionswerk aus dem heiligen Boden Palästina's wieder von Neuem beginnen -können. Wir baben genug der Einfalt! Der fromme Jude gibt zu, daß das Christenthum böber steht, als das. Judenthum, und Inden bei ihm in die t'ehre gehen kennten^ er weiß nickt, daß die Wahrheiten deZ' Christeuthums jüdische, die civilisatorischen, weltbildenden mud Völker beglückenden Ideen des modernen Staats und der modernen Gesellschaft weder vom Chri'tentbum gekannte, vcch verwirklichte, aber wohl mit den i'ehren des Judenthums übereinstimmende und. .Nock einmal: Wir haben genug! Zieuilteton. Der L ch in n q g l e r. Fortsetzung und Schluß., - Iem ist sie int Assifieniaale. Mittlerweile waren vie Verhandlungen dort weit fortgeschritten. Ter Saal war zum Erdrücken voll;ta waren nur wenige, die für die warmen Worte des Lertheidigers Mitgefühl zeigten. Wohl war auch der Gemordete. nicht wohl gelitten gewesen im Städtchen; aber der Mörder — war ein Jude! das war etwas ganz Besonderes; etwas Pikantes. Alle Mühe des Lertheidigers war vergeblich-, zwei gefangene Schmuggler hatten gezeugt — sie waren doch Christen. Und dann waren die Gründe, die *ür Mosche vorgebracht wurden, gerade nur Mildcrungsgründe iur sreundlichgestnnte Richter, aber nur zu klare Beweise. NledergeschlaqenJaßen nur Salnie und der Mail) von der Linde da. Mosche selbst hob gleichsam stolz 'eine Blicke cmvor; er j war ja unichuldig. Und sollte er sterben — so trug er es mit i Ergebung als Sühne für die döse Absich: Tie andern Richter,! die Zuhörer verblieben — gleich-.: -, : ihr eist höhnend > Ter Präsident erhob sich zuur Refume. Er wollte «in/ Bravourrede halten, sein ganzer Judenhaß sollte da einmal sich wohlig aussprechen; »Reine Herren Richter, meine Herren Geschwornen;" so begann er , „dieser Jude." Da entstand eine Bewegung im Zuhörerraume. Durch die dicht gedrängte Rasse schiebt sich ein ganz durchnäßtes Mädchen mit mehr als Menschenkrast, steht jetzt vor der Barriere. „Hast," ruft sie, „halt!' Sie schaut um sich, nur ei» mitfühlendes Gesicht sieht sie — Herr von der Linde. .Hier, Herr, lesen Sie, nehmen Sie, ums Himmelswillen .' „Golde," rufen zwei Stimmen zugleich und zu ihrein Vater stürzt sie hin, der die ohnmächtig gewordene mit seinen Annen ersaßt. Ein« feierliche Stille tritt ein. Dann übergibt. Herr von der Linde, nachdem er gelesen,- das Bittet und die anderen Gegenstände dem Präsidenten mit leuchtendem Blicke. „Lesen Sie", rust er laut, „die Sachlage hat sich geändert." Mit finstern Blicken liest der Präsident. Der Brief lautete: „Peter, komm gleich zur Söhlerhütte. Ich hab's gewußt, der Jud hat den gefangenen Brigadier lausen lasten. Bei ineiner Rückkehr fand ich ihn auf dem Wege. Ich Hab' ihn wieder mst zurückgenommen. Schnell, er muß bäum, ln, ich halt ihn fest, bis Du kommst. Ich will's nicht allein thun. Du sollst Tein ehrlich Thcil haben. Der schuftige Jude ist pletr. Studenten! annes." Nachschrift. Ich schick Dir das Blatt durch dm stummen Fritz, zerreiß es gleich und komm. Bring' auch meine Flaiche mit. Ein Gemurmel des Erstaunens, des Abscheues vor den beidm Berbrcchern, des Mitteids kür Molche, für das herzhaste Mädchm durchlief jetzt die Reihen. Ein sonderbares Tinq, das Mcnschmherz. Wer kann das l Unheil der Mmge vorher verkündm? Das waren dieselben i Zuhörer, die noch bis vor einigen Minuten mit Hohn und | Schadenfreude dem verurtheilenden Spruche der Richter ent- : gegmiabm; die den Judm „baumeln" sehen wolltm. „Sagte ich s nickt," sagte der Prozcßhannes? »Ich wußte cs, ein Jud« kann einen betrügen — aber er mordet nicht. Und i der da — dem sieht man's an, daß cs ein braver Kerl ist, ein! wackerer Bursch. Wmn er Sattler wird — ich laß Alles bei i ihm arbeiten." I „Und zahlst nicht, bis Tu verklagt wirst," sagte sein! Wirthshausgegner von. Morgen her. »Wackeres Mädchm,' sagte ein Anderer, „Vas ist brav und — nun, der Mosche ist ein schöner Mann." „Ack, was hat mein Herz geklopft," sagte eine empfindsame Tame »ich fühlte mit dein Armen, ul, bin erlöst." — Sie hatte aus den verdammenden Urlheiisspruch gewartet, um zu „gruieln." — Aeußerlich theilnahmlos schauten Mosche, Golde und Salme dieiem Sturme zu. Golde hatte sich wieder erholt und jetzt zwischen Beide gestellt. Einm ganzm Himmel im Auge schaute sie zu Mo'che au' Nur einige Worte wurden gewechselt. »Ich bin