Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 34 (25.8.1869)
- Date
- 1869-08-25
- Page
- Seite 385 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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385 vcii «cugt die Mitthcilung des Figaro, dag sich viele HauSeigenthümer in Paris weigern, an Juden zu vermiethcn. -Parts. Ein indischer Gelehrter, Saiyd Ahmad Khan, Oberrichter (Sadr-amin) in Gazipur bat einen Bibelcoinmentar geschrieben, — ein Beweis der wissenschaftlichen Cultur auch in jenen fernen Mäudern. Das Werk trägt zum Molto das Worr des Korans: „Wir glauben an Gott und feine Offenbarungen. Wir glauben an Moses, Jesus und alle Propheten obne Unterschied." I. O. Paris. Unter den Rinnen des wiederaufgearabenen 'Babylon ist ein Pa fast, reich an Alterthüinern, aufgefunden worden. Er ist aus Ziegelsteinen von großer Feinheit aufgebaut, welche durch ihre Inschriften den Wertb einer ganzen Bibliothek ersetzen. Sie sind sämmtlick gut erbalten, in Keilschrift geschrieben und aus die (beschichte der Juden, Meder, Babylonier und Assyrer bezüglich, bestimmt, manche Lücken in der biblischen Wissenschaft auszufüllen. E. d'Or. Paris. Herr Söe ist Mitglied der Academie für innere Pathologie an Stelle des verstorbenen t'rifelle geworden. Pr. i. Cirinnati. Die bürgerliche Stellung der Israeliten Cicinnati'S ist sehr befriedigend. Im Stadtratbe finden wir zwei jüdische Mitglieder, Daniel Wolf und Earl Kahn, wovon Letzterer Vorsitzender und Ersterer Mitglied des Finanztomites ist. In der Commission für ösientliche, Verbesserung sind wir durch Hrn. D. Wolf vertreten. Im Schuldirektorium sink die Herren vr. Lilienthal und Heinrich Mack bervorragend. In der jüngst ernannten Eisenbahncom- «dmission, die über 10 Millionen Dollars verfügt, ist Herr Ph. Heidelbach eins der fünf Miigliedcr. Das sind bedeutende Ehrenposten, welche die bürgerliche . Stellung der Israeliten Cincinnati's bezeichnen. t Dcborah.) Literarisches. GelegenheitS-Predigten jüdischer Kanzelredner. Erster Band. Trauungsreden für alle Wochenabschnitte deS Jahres von Elias KarpeleS, Rabbiner in Loschitz in Mähren. BreSlau. Schletler'sche Buchhandlung. (H. Skutsch». l87<>. Gelegenheits-Predigten sind die schwierigsten, aber der Redner hätte es leichter gehabt, die gefährliche Klippe zu umschiffen, wenn er statt loser Anklänge in dem Wochenabschnitte, solche in den Berhältnissen deS Lebens gesucht hätte. Er hat dies nicht gethan. Dadurch ist Ton und Gedankengang fast durchgängig ein gleicher und schleppender geworden. Rur die Form wechselt, der Inhalt nicht; Kleid und Hülle , deS Gedankens nur sind in den verschiedenen Reden verschiede». Das Charakteristische solcher TrauungS- Reden, welche zum Herzen und Gemüthe reden, sollen, j fehlt darum hier auch zu sehr. Der Redestrom stießt! wie ein ruhiges Gewässer ohne innere Erregung. ] Dennoch ist an dem Redner die Kunst zu reoen nicht zu verkennen. Er weiß, Gedanken und Worte der Bibel zu verwenden., die ihm oft zu dem mannigfaltigsten Bilderschmuck Peranlassung geben. Seine Worte steigern sich sogar oft zur Wohlredenheit. Zu bedayern ist die oft zu große Weitschweifigkeit in Anlage und Ausführung; Trauuugsrrden müssen mehr Anreden, als Predigten sein. Anstatt in der Entwickelung des Gedankens sich einer wohlthuenden Kürze zu befleißigen, legt es der Redner oft absichtlich auf eine schwülstige Amplifikation an. Die Sprache ist korrekt. Jndeß läßt sich beispielsweise S. 3 nicht sagen, daß „frohes und freudiges Bangen unv Verlangen verwirklicht" werden möge. Denn „Verlangen" drückt de» Wunsch nach etwas Gutem, „Bangen" die Angst vor etwas Bösem aus. Letzteres kann weder ein „froheS und freudiges" fein, noch soll eS „verwirklicht" werden. Es ist dies ein Anakolutb, welches der Zunge des .Redners entfahren kann, aber nicht der Feder desselben entschlüpfen darf. Wir machen diese Bemerkungen nicht, um den Redner von der Fortsetzung seines willkommenen Unternehmens abzfischrecken, sondern ihm dafür einen wohlgemeinten Wink zu geben. Liturgie. Frankfurt a. M.-St, Potersburjf. sForttei^ung.) In dem weiteren Verfolg seiner Auseinandersetzungen recurrirt der-russische Kritiker auf die christliche Beihülfe deü Franzosen Ernst Lafarante, welcher vor einigen Jahren bei seiner Behandlung der brennenden orientalischen Frage diese ernftlsch dadurck» lösen wollte, daß er den rechtmäßigen Anspruch auf den Besitz deS heiligen Landes den Juden vindicine. Der christliche Franzose beleuchtet die Sache nazürtick nur mit dem Lichte politischer Opportunität, wobei es noch nicht einmal außer Zweifel steht, ob nicht gleichzeitig auch ein gewisser Grad goi'fchen RischuS dieses Mittelchen ersonnen hat, um auf bequeme Weise fick der jüdischen Land- und Völkerplage zu entledigen; der jüdische Kritiker aber erfaßte den Vorschlag mit Sem Feuer religiöser Begeisterung und siebt denselben in seiner Phantasie zu ZSrael's und der Völker Heil bereits zur Ausführung gebracht. Israels Mission ist ihm eben mit dem christl. Franzosen, sich mitten in den tausendjährigen Pölkerströmen und trotz derselben national zu erhalten und politisch zu reitauriren, und sein messianischer Beruf, die'Bildung, welche es sich