Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 33 (18.8.1869)
- Date
- 1869-08-18
- Page
- Seite 378 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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578 266 Thlr. 22 Sgr^ 6 Pf., in. Summa 6719 Thaler 24 Sgr. 6 Pf. Hiervon verausgabte der Verein im Lause des Jabres -1665! an unterstützuogSbedürstige Lehrer, Lehrerinen und Lehrer-Wittwen: I ) 16 laufende Unterstützungen in Höbe von resp. 67',-.,, 5« t, 60 und 100 Thlr., 2) '» einmalige Unterstützungen » 9, 19 und dreimal 20 .Thlr. Die Unkosten des Vereinbetrugen 60 Thlr.. 26 Sgr. 6 Pf. Ter Verein zählt gegenwärtig 291 Mitglieder und- -war in Berti»'244, auswärts 47. Der Minimalbeilrag eines Mitgliedes pro Jabr beträgt einen Thaler. Die achtbarsten und renomwirtesten Häuser der Berliner Kaufmannswelt gehören dem Verein als Mitglieder an; nur ein.sehr geringer Theil der Mitglieder zählt zum Lehrerstande, l Wegweiser. *) jO#f}rrrekt>. „Ein -Inbänger der Gleichbeberechtigung" schreibt der M. Fr. Pr.", daß unter den neu ernannten Mitgliedern des Landes-Schulraths in' rinzelnen-Provin^en fick mehrere katbolifcke und evangelische Geistliche bestnden, dagegen kein einziger Geiftticker jüdischer Konfession. Es sei wahr, daß in den meisten Ländern die Zahl der Juden zu gering sei. als daß diese aus die Berufung eines Geistlichen ihrer Konfession in den Landes-Schulrath Anspruch zu machen bercchtigt wären; jedoch die augenfällige Außerachtlassung derselben bei Ernennung der Mitglieder des Landes-Schulrathes für-Böhmen gestaltet es nicht, dieser Hoffnung Raum zu geben. Ln diesem Laude wurden nämlich zwei katholische, ein evangelischer, aber kein einziger jüdischer Geistlicher in den Landes-Schultath berufen, und doch ist die Zabl der Juden Böhmens (80,000) eine respektable, beinahe so groß wie der Protestanten und Reformirten daselbst! Es muß sich daher jedem, der da» Schulgesetz vom 29. Mai 1668 mit zu den schönsten Errungenschaften der Neuzeit zählt, die Frage auf» drängen: war denn von den fünfzig Rabbinern BöhrnenS, unter denen es nirhrere namhafte Gelehrte gibt, kein einziger fähig oder würdig, in den Landes-Schulrath berufen zu werden, daß die hohe Regierung, um dem bezogenen Paragraph des neuen Schulgesetzes doch theilweise gerecht zu werden, anstatt zu den jüdiichen Geistlichen Böhmens, zu den dortigen Advokaten dieser Konsessivtl zu greifen sich gemüßigt sah? **) *) Wir staunen, fast nie in jüdischen Blättern von diesem Berkine zu Horen, sollte nicht eine Bereinigung mit der „Achawa" zu ermöglichen sein- Red. **) Als Israeliten jcheuU uns das durchaus nicht so gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung, und wir sind erstaunt, diese Korrespondenz der „5t. Fr. P." in dem so ausgezrnhneien „Wegweiser"' von E..Sack wiederzufinden, der doch sonst durchaus nicht so sehr für di« Geistlichen eingenommen ist. Rabbiner oder Advokaten, Geistliche ober irgend welcher andere Stand: der Schule gegenüber find sie uns vollkommen gleich Uns grl: hier nur die pädagogisch« Befähigung, da» all gemein« Wissen, dre Würdigung des Kehiberuls, der Sinn iü: Liturgie Frauklurt a. M.—S(, P«-l ei>biir^. Der russische Kritiker Hai es nicht mehr ausschließlich mit Or. Geiger ans Frankfurt zu thnn. Inzwischen hat auch die Leipziger Snnode einen gleichen Beschluß gefaßt, die auf Wiederherstellung der nationalen Selbstständigkeit nnd de» jerusalemischen OpfercultuS bezüglichen Ausdrücke in, Gebete zu modificiren. Dem Kritiker geht der Verstand aus; sein Herz ergießt sich in Klagen. Er begreift, daß andere Reformen, auf Geb« und Thoia-Vorleiuiig bestiglich, vom neuen Zeitgeiste gefordert und von den veränderten Zeitverhältnisfen nothwendig gemaack werden können fsehr viel!); er begreift aber nicht, wie die nationalen Hoffnungen und Beslrcbungen Israel'- den Anforderungen des Zeitgeistes und reformatorifcher Veränderungen unterliegen und untenvorfen werden sollen. Denn dieselben stehen den - civilisatonscken Tendenzen derzeit und ihrer sonstigen fortschrittlichen Entwickelung nicht im Wege, wie sie auch den Patriotismus nickt bindern, welchen der Israelit für fein gegenwärtige» Vaterland zu empfinden und zu bethätigen hat. Alle Propheten weisen auf die nationale Wiederherstellung Israel'« hin, und diese Idee ist von Israel feftaebalten worden durch alle Zeiten; sie bildet die Grundlage des Messianismus. Alle Völker des Altrrthums find untkrgegangen, nur JSracl besteht noch und bat sich erhalten. Diese Erscheinung ist nur begreifbar, dieses Rätbsel kann nur gelöst werden, wenn die nationale Wiederherstellung Israel'« Zweck feines Fortbestandes und seiner (Hhaltung ist. Man stellt die Verbreitung der civilifatorischen Ideen deS Judenthums als Zweck seiner Erhaltung hin; abpr E.ivilisation und Fortschritt, Freiheit und Gleichberechtigung der Menschen sind nicht durch religiöse Cultusreformen bewirkt worden, sondern sind eine Wirkung deS Zeitgeistes, eine Wrknng der Jahre 1848 und 1866 (!). Auch weist nickt blo» der Glaube, sondern auch der Zeitgeist setbst auf die nationale Wiederftellung Israel'- hin. Denn der Zeitgeist huldigt dem NationalitätSprinzipe, dem Grundsätze der Selbstständigkeit einer jeden Ration. Darum sttebt Polen nach seiner nationalen Wiederherstellung und fremde Potentaten treten dafür ein. In gleicher Weise ist die nationale Selbstständigkeit Italien'«, Deutschlanks, Rumäniens n. f. w. wiederhergestellt nnd erhalten worden. Warum sollte die Schule, der Gleichberechtigung — die doch nur eine ,consesfionelle" gemeintlein kann, ist durch Berufung von Juden, seien diese nun Rabbiner oder Advokaten, vollkommen Genüge geschehen. Wir sehen in der Berufung von Geistlichen irgend welcher Lonsesfion, wenn sie als s»lche und nicht als Schulmänner berufen worden, eine ungerechtfertigte Bevorzugung, diese Berufung, nicht die Richtberusung der Rabbiner >» der Gleichberechtigung entgegen. Red.