Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 30 (28.7.1869)
- Date
- 1869-07-28
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428712-5432036--2529-4898873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 352 — » gelangten wissenschaftlichen Betrachtungsweise vors beugen^ - 6) Die Versammlung erkennt das Bedürfnis eigenes Bildungsanstalten für jüdische Lehrer, zumal Religionslehrer an.-..Sie würdigtdie bestehenden, verdienstvollen Anstalten zu diesem Zwecke; sie wünscht lebbaft deren Vermehrung. Sie verkennt aber auch nicht die große Schwierigkeit, mit welcher die' Herstellung einer genügenden Auzabl solcher Seminarien verknüpft ist. Sie hält es daher für dringende Pflicht^ dahin" zu wirken , daß an den allgemeinen öffentlichen Seminarien, insofern dieselben nickt durch ibren specjstsch konfessionellen Charakter der jüdisch-religiösen Gesinnung der Zöglinge nachtheilig sind, tüchtige, jüdiicke Männer'angestellt werden, welcke es verstehen, die anzebenden jüdischen elleligionslehrer zu ibrem ,racke beranzubileen. Als wünscheNswerth erachtet die Versammlung ferner, daß bei dem Unterrichte der jüdischen Seminaristen ibrev musikalischen Ausbildung als Cantorcn eine besondere Pflege gewidmet werde. 7s Die Versammlung betrachtet endlich als höchste Ausgabe im Interesse der wissenschaftlichen Erkenntnis; des Judenthums die Gründung einer oder inehrer höherer Lehranstalten, fün die Wissenschaft des Judenlhums! theologische Fakultät) und stellt ne sich selbst als einen ihrer wefenklichvn Zwecke, die allgemeine Behelligung an der. Herstellung und Erbaltung derselben zu erwecken. - Sie erklärt, eas; deren Bedentung vorzugsweise darin besteht, eine Pflegestätte der freien wissenschaitliche» Erkenntnis; zu sein, berufen,- das Jndcnkbum in seiner geistigen Macht zu ergründen und ibm seinen berechtigten Einslus; auf. die gesammte geistige Entwickelug zu gewinnen. Sie ernennt demnach eiiie Commission, welcke fick mit den bereits hervortretenden Bestrebungen verbindet, um die Herstellung solcher böberer Lehranstalten zu verwirklichen. Herr Or. Enget ans W i e n batte folgenden Antrag eingebracht: Die Svnode wolle nachstehende fragen einer Commission zur. eingehenden Erörterung und Beantwortung überweisen: ul Ist einvoneiner jüdischen Mutter geborner, aus immer für einem Grunde nnbeschnitten gebliebener Knabe im Sinne der für Israeliten bestehenden und als bindend' anerkannte» Normen-alS Jude anzusehen und wie wird b) —. falls die erste Jrage bejahend beanwortet wird ein solches Individuum späterhin, wieder auf Grund der erwähnten Normen, bei rituellen Anlässen, sowohl subjektiv als objektiv zu behandeln sein? Ein ähnlicher Antrag deS Professors Or. Julius spürst schloß lick diesem an. Die Versammlung fühlte die ganze Schwere und Bedeutung des vorliegenden Gegenstandes Eine sehr eingehende, die Bedeutung der Frage schon gleichsam bloSlegende Debatte ergab sich auS der Vorfrage: ob eine Commission für diesen Gegenstand noch in diesem Jahre oder erst im nächsten berichten sollte. Die meisten der anwesenden Rabbin en erklärten sich für eine Commission zur nächsten Synode und nachdem Herr vr. Engel fehlst, der über den speciellcn Fall aus Wien, der zu dieser Frage die unmittelbare Veranlassung bot, berichtet, sich für Commission zum nächsten Jahre aussprach, entschied die Versammlung in diesem Sinne. Die Wahl dieser Commission, sowie aller Anderen für'die nächste Svnode zu wählenden, wurde ver trauenSvoll iu die Hände des Präsidiums gelegt « Schluß folgt ) Wochenbericht. Bayern im Juli. Die Münchener Gemeinde bat sich an den dortigen Magistrat um unentgelbliche Ucberlassung eines gewissen Platzes zum Bau einer zweiten Snnagoge bittlich gewendet und dieser hat solchen unter der Bedingung der Vorlage eines bestimmten Bauplans zugesagt. Nur eine kleine Minorität war dagegen. Die dortige Presse ist aber der Zacke entgegen und zwar nicht ans religiösen Motiven, sonder» weil die Stadt diesen schönen, mit Bäumen beflanzlen Play nicht wohl entbehren kann und man der protestantischen Gemeinde einen solchen versag: hatte. Sie proponiren, der 'isr. Gemeinde wie der protestantischen eine gewisse Summe zur Verfügung zu stellen. — In Nürnberg schreitet der großartige Svnagogenbau rasch vor und und die Gemeinde gehr unabhängig von ihrem Interims-Nabbiner I>r. Löwi in Fürth rasch vor. So gab sie sich eine neue Leichenorknung, in welcher derselbe die Bestimmung, daß auch Nicht-Nabbiner am Grabe sprechen dürfen, beanstandete. Der Magistrat hat sie jedoch ohne jedwede Einrede bestätigt. Herr Nabbiner Löwi,' den man so gern als den Repräsentanten zeitgemäßer Reformen in Bayern ansieht, - was cr jedoch schon lange zur Befriedigung der dortigen Hypcr-Orlhodorie nicht mehr ist — er war auch der entschiedenste Gegner der Beschickung, der 'Leipziger Synode abseilen Fürths nnd mit Erfolg hat sich so sein eignes System zurecht gelegt. . Er plaidirt -für Gewissens- und religiöse Freiheit, die so weit gehen soll, das; er einmal entgegen d.er mitstlfränkischen Synagogen - Ordnung, — weßhalb ein als wrthodox geltender Rabbiner sich dagegen gutachtlich erklärt hatte, — für das Minjan-Machcn und gegen den Synagogen - Vorstand einer Gemeinde sein Gutachten abzab, so daß die reformfreundliche Majorität deip. Kürzeren, zog und reformfreundliche Bestre-