Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 29 (21.7.1869)
- Date
- 1869-07-21
- Page
- Seite 346 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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346 Mädchen, das leibhaftige Ebenbild meiner Golde, aher ich fand keine Thräne. Ich sing zurück, kam Nichts auf der Grenze an, aber mein Fuß 4vej>ltr:.e sich / über die Grenze zu schreiten. Hier, wo meine Liebe» kograb n sind, will ich auch begraben 'werden. Ich kam in ein Wirthshans und setzte mich in eine Ecke. Es war dck allerlei Gesindel re: sammelt; ich achtet: nicht ihrer Sräfc, ihrer Schmähungen. Ta öffnet sich die,Thüre; rin Grei zaun'eher tritt ein — cs ist der Lr gadier Bernhard,- mein Erzfeind; ich erkannte ihm, e. mch ni et. Ich warf ihm Blicke dcstHasics zu,, er chcachtcle sie i.icht. Ich merkte, daß ihm das'andere G sindel, das sich hier vc:fammelt hatte,"größeres .Interesse tot. S,ic wa fen ihm drohende Blicke zu: doch entfernte er sich ruhig. Als er fort war, trat mir Einer der Sippscha't nahm und berührte meine Schulte:. 24 blickte auf. Komm, folge mir. sagte'er. 'Ich iodgle ihm.-Ich ward Schmuggler; ich hoffte mit me.nem Feinde zusqininenzutrcsfen. Ich hatte nur noch ta-} eine tzumpse t'uefiihl,. das der Rache. Ein Leben, für T rei! — Ich lhat alle-,, was man mir sagte, ohne zu lwsi.ir, was ich lhat, obne nachzudenkcn. Nur di.s eine Gefühl-ehe: richte mich , ein schreckliches, das den Menschen feine Ruhe , seines Besinnung 'raubt — Sie Rache. Leben um Leben!. Tu ball-mir meine Lsibcn geraubt, mein Weib, meine Mutter gerodtett warum sollst Tu nicht fallen durch mene Hand'' ' . Wochen vergingen. ' Gestern Nacht stand ich am Ziele. Das geworden wäre, wenn Sie, Salme, nicht dazusich-n gekommen wägen, ich mag es ii cht gasdenlcii. Auf den Knieen sollte ich Ihnen därk.'n, daß Sie mich gereuet, mich empotgezogen. Ta habt Ihr meine Geschichte." Icborrchidsio. Ter Sabbat war entflohen. In denselben Räumen, die i gestern Abend durch Lichterglanz cr.'cuchtct waren, b.anntcn jetzt nach und nach cin^ln« Lich:cr aus, die bal. wieder verlöschten. Tieiclben Sumntcn,. die gestern inuntere Sabballieder sangen, murmelten auch heute Etwas, das Gesang bedeuten sollte, das a5er mehr wehmüthlgem Abschiedsgruß ähnlich war, der nicht laut werden kann, weil'der.Schmerz und die Sorge die Stimme preßt. ' Es. war eben Salbatausganz und die letzten fußen Woblg'eriuhe des frcudebringenden Gastes waren vom Hausvateg gespcnd-t; d!r Wein verschüttet, das Licht der Habcala gelaicht und ^>re .W o ch e! uahic wieder. Was kennte die irische Woche nicht bringen, was lag an Mühe und Pein zwischen diescnr Abend und der Wiederkehr des Freundes, des heiligen Sabbats? Ta wandelt das Gespenst der Sorge don Haus zu Haus, das einen ganzen Tag verscheucht zu se.n schieir . . Als Salme -vom' Gottesdienste bei Sabbatschluß zurück-; kehrte, trat auch Mosche'aus seinem Verstecke mit ihm ins j Zimmer. Mil stillem „Gute Woche" nahte er sich dem Tische, | sagte leise das: „Gott Abraham. Isaak und Jakob" das: Hine el ' jeschuoji mch, tauchte seine Finger nach alter Weise in den j *) Siehe, Gott ist in Hülfe. - . : i erschüttctcn We'n, lobte sich am Gerüche der Gewürznelke und kette mit Salme'bis zum Schlüsse. Tann sagte er: „Es ist cntichiedeii! ich mag »ud kann nicht mehr als Flüchtling in s müden Landen uniheiirren, ich kann die Stätten nicht verlassen, i do meine Lieben ruhen, ich g>he über die Gr.uze zuriick nach üaycrn. In W. habe ich einen alten Bekannten, der, so viel ich weiß, Bcanisir ist. Ich hotte cinincl Gelegenheit ihm ein» k einem Ticnft zu thun. Ich werde mich ihm vertrauen. Er rnrd mir.helfen, die Gnade des sctzig-.n Rönigs, der, wie ich höre, in Manchem anders denke» u»d Händeln soll, als sein L aier,-zu erringen. Wenn ich frei, ganz frei sein werde, weide k| m.in Leben von Neuem beginnen.Ich gehe sitzt also wieder fort. Salme und Malta und dis Mädchen -neigten stille zu gl sicher. Zeit ihre Häupsir als Zeichen ihrer Zustimmung Es wer ein ganz . besonderer Sabbat heute im Hanse Salmes gewesen, viel feierlicher als sonst. Tie Vorsehung hatte o ren Flüchtling unter ihr Tach geführt, dessen Schicksal, ihnen tu hging. Molche's Lcb-n war unter ihnen bciprcchn worden, als w ire es doS-ihres eigenen Bruders und Rindes. Nur Golde bene geschwiegen, si' sprach nichts, nur manchniol neigte sie. Haupt, als wenn das rijse Ciuiun sie besik w rtc und ein ih Schein flog rann über ihr Angcsickt, daß cs auf Minuten wie sisilig durchleuchtet nar. Tanü war cs wieder ein tsifl'chmerzlicher Zug, der sich um ihren feinen Mund legte oder sie verfiel wieder in ihr Sinnen zurück, das nur vom schallhoftcn Reizcheu bemerkt wurde, die ihr zuweilen ein Lächeln zuwarf, das sie crröthen machte — Sie hatten aber alle den rechten Scheuß nicht finden können. Run Moiche selbst seine Ansicht ausgeiprochcn, war es, a s hätten Alle dasselbe geahnt uns errpünicht — Tie dunkle Nacht ward h ff erleuchtet. '„Noch in der Nackt wollt Ihr gehen:" sagte Malko, nur um das Schw.igcn zu brechen. — ‘ .Ist, sitzt gleich! lstvtt Tank, edler Mann, daß Sie mich gerettet l haben vom Fürchterlichsten. Gottes Tank, Ihr guten Menschen, daß Ihr mich äufgenomnun habt so sreundlich, lebt wohl! In Freuden sehen wir unS lrsicdcr .... Golde .... Alxr die war zur Thüre hinausgegangen. Traüßen stand sie unler der Pfoste des Hauses, bei der Mufusa*) Moiche wandte sich zu ihr: „Golde," sprach er, „Golde," als ich einst in einer schrecklichen Nacht des Unglücks von meinem Hause schied, da . war es eine Golde, «nein geliebtes Weib, die mein Gehen mit ihrem Segen begleitete, die mir Jeborcchecho nachsagte. Ich gehe auch jetzt auf schwerem Wege; ab rmals bin ich ein Flüchtling, gehe meiner dunllen Zukunft entgegen. O Golde, begleiten Sie mein Weggehen mit „Jebo-- rechecho" und ich will ausharren und auf Gottes Segen vertrauen, der Ihr Gebet erhört ... es wird helle werden. Und als der Flüchtling weit fort war vom Hause, da sah er zurückschauend eine Gestalt auf der Schwelle stehen, den Arm nach ihm ausgcstrcckt, wie einst seine Golde gethan, und am stlop'cn seines Herzens fühlte er, daß dasselbe wieder eine *) Pfosteaschrist.