Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 27 (7.7.1869)
- Date
- 1869-07-07
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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330 Bvchareft, 6. Juni. Der Minister deSJuucn, hat der Kammer vorgeschlagen, eine Commission sür die Regelung der Lage der Israeliten nack brfr Bedürfnissen des Lande« und im Geiste der Humanität zu ernennen. Wir patzt hierzu die gewaltsame Pertreibung der Juden aus den Dörfern des 'Landes, welche augenblicklich in der Ausführung begriffen ist? Der Antrag deS Ministers ist wohl nur der Echleier, welcher Hirse Maßregel ver den Augen deS civilisirten und wachsamen Auslandes veibülleu soll. Er ist aber doch durchsichtig genüge um den ganzest Vorgang in! seiner nackten Blöße erkennen zu lasten. PartO In der Presse, wie im Leben mehrest j sich auch hier die Gehässigkeiten, welche man mit der ■ Bezeichnung „Jude" christlicherseits zu verbinden i pflegt. Es ist dies für die Presse um so auffallender, als die intellectuellrn Leiter derselben zum großen i Theile Juden sind. Pom „Figaro" wissen msir dies mit ' Gewißheit, und gerade dieses Blatt wird unter den! Rischusblättern. besonders erwähnt. Wir machen die! jüdischen Publicisten verantwortlich hierfür. Der! Grund liegt hier, wie überall, in der politischen und | klerikalen Strömung. Cayete consules! Die «Presse isr." berichtet von einer günstigen Gelegenbest zur Gewinnung eines ausgezeichneten, reich verzierten Harmonium von .71/? Ortaven mit Percussion und Li Registern. Dasselbe soll am 8. August l. %, Mittags 1 Uhr, in der Straße Eherche midi 30, wo das Instrument zur Prüfling ausgestellt ist, verloost weiden. Die Lotterie besteht au»-ist» Billets, ä d FrcS,, womit die Summe von 2500 Frcs. erzielt wird, weichendem innern und äußern Wertste des Instruments, .-als einem wahren Kunstwerke entspricht. Die Redaktion der «Presse isr." übernimmt die Lusendung der etwa bestellten Billets. (Wi? unserseits machen ebenfalls die Gemeind en Deutschlands auf diese Gelegenheit aufmerksam, und sind zur Besorgung don etwa gewünschten Billets bereit. Red.) Derfeh iedenes. Von Moses . Mendelssohn ist alles interesiant. Wir theilen deßhalb' Folgendes aus „Hamagid" mit. Im Jahre 1772 erschien in Mecklenburg daö vernünftige Gesetz, welches den Juden die frühe Beerdigung ihrer Tobten verbot. Der Schrecken war groß in Israel, man glaubte das Judenthum in Gefahr und wandte sich in seiner Herzensangst an Mendelssohn und Jakob. Emden,.um durch deren Vermittlung das Gesetz rückgängig zu machen. Umsonst bemühten sich beide gelehrte und aufgeklärte Männer, zu beweisen, daß das Gesetz dcuchauS nicht gegen die religiösen; Grundsätze verstoße und auch geeignet sei, wohlthätig zu wirken. Die Juden konnten oder wollten die» nicht einsehen und waren ob dieses neuen Glaubensdrucks sehr beunruhigt. Da ließ sich endlich in feiner Milde dennoch Mendelssohn zur Nachgiebigkeit bewege» und seiner Intervention gelang eS, -das Gesetz rückgängig zu machenl Wodurch? Die Sache blieb lange ein Näthsel. Jetzt ist sie aufgeklärt. Während seines Aufenthalts in Berlin war der Erbgrcßherzog vou Mecklenburg ein Schüler Mendelssohn'» gewesen, der am Sabbatmorgen, wo M. nicht untenichtete, an der Hand seines Gouverneurs wenigstens bei seinem jüdischen Lehrer erschien, um sich das absolvirte Pensum der Woche überhören zu lassen. Da wurde er oft von den Freunden M.'s,. welche ihm de» Sabbatgruß brachten, gesehen. In Paris hat bekanntlich der unerwartete ToddeS jungen und angesehenen Denari Aufsehen erregt. Der berühmte Verstorbene war der Sohn des berühmten deutschen Professors, welcher in derZeit der politischen und reliqiösen Rraction in Preußen wider Willen sich zur Taufe gezwungen sab, um zu der erstrebren Anstellung zu gelanaen. Er kämpfte lange mit sich und selbst noch in späterer Jeit gestand er, daß ihm der Gang zur Taufe, wie der Gong zuin Galgen gewesen sei. So gedrückt fühlte sich sein Gewissen über den Jwang zu einer Lüge, dem er sich hingeben mußte. Sein Name war Löwem'ohn. welchen er bei der Taufe in Bcn-Ari übersttzle. — Wie die Zeiten sick ändern! Prinz Louie Bourbon, Onkel des Exkönigs von Neapel Franz II., hat bekanntlich die Tochter deS reichen ^uden Hamel. aus Havanna geheirathet. Trotz aller i Hindernisse, welche man dieser Verbindung in Europa, , wie Amerika in den Weg legte, verstand sich die Braut doch nicht zur Taufe. S>e wurden bekanntlich nach langer Irrfahrt und vielen Versuchen in N w-2)opk gerichtlich getraut. Ob in diesem Benehmen, der Braut eine Affirmirung des Judenthums ^oder eine Negirimg des ChristenthumS liegt, mag unentschieden bleiben Wir notiren auch Letzteres als einen Gewinn, zumal ei»e solche bei den Tausenden von (shristen, .welche jStzt ihre Kinder nicht mehr taufen lassen, täglich an Bedeutung gewinnt. — Die „Times" berichtet von einem griechischen Gebrauch in Corfu, welcher an jüdische Sitte erinvert. Der erste Mai ist ein Festtag mit obligaten Kanonenschüssen und Feuerwerk. Jede Familie schlachtet ,das Festlamm und bezeichnet die Pfosten und Obirsck welle der Hausthürc mit dem Blut durch ein Krepz. *