Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 27 (7.7.1869)
- Date
- 1869-07-07
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4896751-5428712-5432030--2505-4898852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
331 AeuUKLo». D 4 r Schmuggler. Erzählung von I. Klingmst«»!. (Fortsetzung.) Dieser war ich frei. Ich suchte mein Handwerk ,» 6e> -jmnen. Ich 6o| mich um halben Lohn an; ich hoffte auf Kundschafte sie kam wicht, aber Hohn und Spott verfolgten mich, und dar Elend nahte mit Riesenschritten. Die Roth drohte bei unS einzukehren; ich konnte nicht länger mehr müsfig Zusehen; oa koinme was da wolle, dachte ich, und begann von Neuem den Biehhandel, zu wem mich jetzt nicht mehr di« Lust — zu dem mich die Roth t^ieb. D wenn die Reichen manchmal' wüßten, rvie gern der Arme arbeitet, wenn er nur Arbeit findet — es würde Mancher anders werden. Wollte ich ja selbst Taglöhner werden — abe, ken Lauer nahm mich aus. Ich bot mich einigen an; sie schauten mich verwundert an, lachten mich aus und würdigten mein Anerbieten kaum einer Antwort, „Das käme mir recht/ sagte ein reicher Hoibauw, »ein Jude, Tag- Mahner, lieber so! meine Frucht auf dene Felde verfaulen." Und aaS war vielt icht, sogar wahrscheinlich Emst. —! Die liberalen Idem haben die tiefe Spaftung nicht auszu gleichen vermocht, di« das Leben zwischen uns und dem Land manne gezogen hat. Sie hatten uns nicht für befähigt zu kräs tigcr, schaffend« r Arbeit, Jeder möchte uns wirkm sehm in rinem anderen Seruse, nur nicht in dem seinigm. Man möchte 5m Juden ab! ringe» vom Kleinhandel, und — nöthigt ihn noch dazu. Eines Abends zog ich mit einer Kuh durch den Wald, der nah an unser Dorf grenzte. Ich hibe mich später daran erinnert, saß cbm damals ein starkes Gemitter im Anzuge war; rch Hörle und merkte nicht sein Kommm Mch drückte nur der Gedanke an die Vergangenheit, m:ch dtücktc die Sorge, wie es sich noch mit nir und picinel Familie gestaltm sollte, mich drückte schwüle« als die Lust. die bange Ahnung eines nahm jm kürchterlichin Unglückes. Ich wußc, ich Halle nnnt gebornen und geschwornm Feind, nncn um so ruchlosere«-, als kein faßbarer Beweggrund vorlag, Bernhard, — imeincr ('lolof Bruder, Soll» deffelbm V ckerö, war — so Höne ich von einigen anderen Iffidm erzählm, erst nne Weile nach seinem Verschwinden, ohne Plan herumgezogen mit allerlei liederlichem Gesindel, war dann unter die Soldatm zegangm, halte sich schließlich taufm lassen, um Gensd'arm zu werden, ein? Stellung, die die meiste Gelegenheit bot, seinm Srammeszenoffen wehe zu thuiu Er halte sich endlich in unsere Legend versetzen lassen, in seinem unversöhnlichm blinden Hasse, um die i Grunde zu richten, die seinen losm Jugendstreiche» 'inigen, wenn ruch nur zu schwach n Widerstand geleistet hatim. Mit diesm Kedinkm beschöfligt, sah ich ihn plötzlich. Höhnisch blickte -r mich an. , Run, Jade, wieder auf dem Handel gewejm? Schade, daß ch Dich heute nicht absangm konnte! Aber wir treffm uns doch bald wieder, da gibt'« « n halbe» Jahr Znchthau».' Da lochte da« heiße Blut, der jäh« Zom in ,m'ir. Ich kannte mich nicht mehr, dachte an nicht« als an mein Rachegefühi. Mein ganzes Unglück stand verlörpert vor mir. Und eh« ich , selber wußte was ich that, hatte ich dm Peitschmstiel umzedreht in dm Händm und meinem Peiniger nur ein Mal über dm «ops geschlagm, daß da» Blut hoch aufschoß und er mit einem „Ach!" tobt — so glaubte ich — hinsank. Mein Jom machte einem namenlosm Schrecken, einer fürchterlichm Angst Platz; ohne mich nur umzuschaum, eilte ich von der Unglücksstttt« weg, kam in Angstschweiß gebadet zu Hause an. In fürchterf licher Hast erzählte ich, was geschehen war, ES war Rächt geworden Blitz und Donner unterbrachen meine Rede, aber ich hörte nichts davon. Erst viel« Wochen später erinnerte ich mich daran, trat die Angststund« mll all' ihren Schmerzm, m t all/n fürchterlichm Einzelhntm wieder vor meine ’ Seele Damals hörre ich nur das „Ach" des Gefallmen, glaubt« nur da« Urtheil des Richters zu v.-rnehmm. O, meine arme, arme Golde' Jene Stunde kostet« chr das Lebm! — »Du mußt fort, fliehen^ alSdald fiiehm. Gehe nach Amerika, ins Land der Freiheit! Dort wirst Du bald so viel erringen, daß wir Dir nach kommm können. Ich komm« Dir nach, eile nur. Daß Du sihon fort wärest!" Das war ihr erster Gedanke. „Wie kann ich fiiehm»- Dich veclasim und di« Hoffnung, die Du unterm Hcrzm trägst?" »Du mußt fort, noch in dieser Nacht fort," sagte mein« Mutier; und beide, Mutter und Golde, hingen an meinem Halse» so daß chr Thun, da« mich zu haltm schim, ihre Worte Lügen strafte. „Sollten wir Dich als Mörder eingezogen sehm?" Ach. kein Scheltewort kam über rte Lippm der Treuen ob meine« Jähzorns, Und ich soll Euch allein lassen, o Gott, Dich »heuere Unglück ich« Golde, allein! .Ich bin bei ihr," srgte meine Mutter. —-Es mußte geschehen,- Ruhig und gefaßt, oder mit dem Tode im Herzm, trat Golde die Wanderung durch dir Hütte an, um mich zum Abschied auszurüsten, zur großm Reise, Was nur werthvoll war im Hause, ich mu-cke es mitnehmen. _ Wenige Stunden waren seit der Schreckensthat vergangm. Die Glocke aus dem nahm Kirchthurme schlug ein Uhr. Das ganze Dorf lag im tiesstm-Frieden, Ich verabschiedete mich ruhig von meiner Mutter, die mir >hre Hände segnend aus'» L>aupt l>g»e. Selbst meme längst vor Aliersschwäche kindisch gewordme Schwiegermutter hatte ein Berständn ß von der Sachlage und verband ihre Segmsworte mit dm,en gen meiner Mutter. „Schreib uns bald und wir kommm zu Dir." Die Mutter tehrle von der Thüre zurück. Nur Golde d ieb aus der Schwelle stehen. Sie warf sich »och einmal an meinm Dal«. „Schre» uns bald'" sagte sie, „und wenn >oir uns-nimmer wieder zchm sollen, so — denke Deines Kindes." Ich riß mich mit blutmdem Herzm «»» ihr — des Wächter«»,