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Der israelitische Lehrer · 1869-06-30 · 26 (30.6.1869) · p. Seite 321

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
26 (30.6.1869)
Date
1869-06-30
Page
Seite 321 (sequence 5)
Language
German
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321 schrittSober auch wie in Fürth für Kandidaten der BolkSpartei gestimmt. Nur in Fischbach, wo ein Sohn deS Würzburger Rabbiners als solcher fungirt, sollen die Jude» ultramontan gewählt haben. Art läßt nicht von Art. In der Person des k. Advokaten Herrn vr. Frankenburger in Nürnberg hat jetzt 'wieder ein Jude einen Sitz in der Kammer und zwar ist dies ein Mann, der nicht blos als Jurist, sondern namentlich als Redner einen großen verdienten Ruf genießt. Wäre ^S den Wahlinännern der Städte Fürth und Erlangen nachgegangen» so säße noch ein Jude, der k. A> okat Herr De. Kronacher von Fürth in der Kammed; ne wurden lejder von der ländlichen Be- ' völkeru,g überstimmt. Mit dem Bau der Synagoge in Nürnberg geht e§ rasch vorwärts und auch in der Rabbinersrage hat es» insoweit einen Fortgang, als sich bereits ein auswärtiger Rabbiner, ohne jedoch anzusprechen, hören ließ.' Auch in München ist der Bau einer zweiten größerni Synagoge vielfach ventilirt, waS jedoch eine gute Weile haben dürfte. Durch freiwilligen Rücktritt des bisherigen ReligionSlehrerS für Mädchen Herrn E i n ft e i n in Fünh ist die bezügliche Stelle erledigt, jedoch nicht wieder besetzt, sondern mit der für Knaben wegen geringer Lchülerzahl vereinigt worden. Man besucht hier vorherrschend die Institute und nur die unbe-. mittelte Klasse srequentirt die öffentliche Schale. Dit CultuSgemeinde Hai dadurch und durch den Tod deS TalmudlehrerS Heidegger eine erhebliche Abminderung ihres UnterrichtS-Etats erfahren. An der, in den ersten Tagen des Septembers statthabenden allg. bayer'schen Lehrerversammlung zu Würzburg werden sich voraussichtlich auch viele ior. Lehrer auö Interesse an der dort verhandelt werdenden Sache betheiligen. Sie dürfte aber auch eine erwünschte Gelegenheit bilden, nebenbei auch die Interessen des i s r. Lehrernamentlich deSReligionSlehrerstandes in eingehender Weise und in einer besonderen Versammlung, wozu sich leicht ein entsprechendes Lokal aufsinden dürste, zu besprechen und zu berathen. Wir laden daher die Cötlegen aller Kreise dringend dazu ein"). Die Religionslehrer insbesondere sollten des Worts eingedenk sein: ’J« dx. 'd ’D 'd Außerdem würden solche Tage immer gewiß Vielen erwünschte Gelegenheit zur gegenseitigen Aussprache und zum freundschaftlichen Verkehr bilden. *) Wir bitten den Herren Eorrespondenten oder besser noch etnm der Herren Lehrer aus Würzburg selbst, Tag und Ort, wo die jüdischen Lehrer sich treffen können, genauer zu destnNmen. Gewiß werden auch nichtbayerische Lehrer vie Gelegenheit gerne ergreifen, einmal die strebsamen Genoffen aus Bayern kennen Kcnen. I So wird >. O. der Schreiber dieses mit Gottes Hülfe erscheinen und für eine recht weite Verbreitung dieser Ginladungsnummer wird gesorgt. Red. Wir Lehrer kennen keine Parteien und sind uns ja Alle einander gut. Der versandte Rechenschaftsbericht der Achawa pro 1868 hat nach allen Seiten guten Eindruck gemacht, obzwar ihn die beiden Organe des JudenthumS in weder unpartheiischer noch frommer Weise besprochen, sondern ignoriren. Man solltedoch meinen: unsere Lehrer, namentlich die an den staatlichen Anstalten nicht partizipirenden Religionslehrer, würden solchen Thaten des Vereins gegenüber ihre ewigen Bedenklichkeiten und Befürchtungen oder gar religiösen Serupel im wohlverstandenen Interesse der Ihrigen fahren lasten, auf daß es ihnen nicht wie dem ältern Tarquinns mit den sibillynischen, Büchern ergehe und sie für weniger dasselbe oder auch noch mehr zahlen müssen. ES hat ■ der Frömmigkeit des streng orthodoxen Rabbiner» Gabriel Adler in Oberdorf seiner Zeit gar nichts geschadet, daß er der von den HH. 0r. Stein und Formstecher in Frankfurt a. M. gestiften Rabbinerkaste beigetreten ist. Wohl aber hat es seiner nach- J gelassenen Wittwe jährlich zu 300 fl. derholfen. Dessau, 10. Juni. Der' „Bank- und Handelszeitung" zufolge hat der Landtag beute die Beseitigung der hier zu Lande noch bestehenden besonderen Formen deS JudxneideS beschlossen. Von Berlin, 15. Juni enthält das „Franks. Journal" die sehr auffallende Notiz: Reiche jüdische Bankiers denken darin, in Berlin eine jüdischtheologische F a e u l t ä t zu gründen, wo künftige Rabbiner und jüdische Prediger ihre Vorbildung erhalten sollten. — Der Bundesrath deS norddeutschen Bundes trat in den letzten Tagen den vom Reichstag aus eigener Initiative beschlossenen Gesetzentwurf wegen vollständiger Gleichberechtigung der Eonfestionen in bürgerlicher Beziehung bei. Mecklenburg sträubte sich mit llller Kraft aber fruchtlos dagegen. Aus Böhmen wird berichtet, daß der neugegrünkete israelitische Lehrerverein daselbst bereits über >00 Mitglieder zählt. Gut Heil (ro ■:»”). Paris. Die „Presse iSr." vom 5. Juni berichtet von einem seandalösen 'Vorfälle bei Gelegenheit einer Trauung in der Synagoge. Die heilige Handlung sollte vor sich gehen, als ein Pole der am Altäre stehenden Braut, einer Witlwe, drohte, bei dem Grand- Rabbin Anzeige machen zu wollen, daß die „Chalizah" fehle, wenn nian ihm nicht 25 Fres. zahle. Die Braut kannte ihren Schwager nicht und wußte.kaum, daß sich einer solcher in Californien besinde. Sie wurde indeß genöthigt, in Synagoge zu verlassen und sich in weißer Braut Robe, trotz des herabströmenden Regen», zum Rabbiner zu begeben. Ihre Erklärungen und Bitten nützten indeß nicht. Er rief ihr -sein »non possumns« entgegen. ^Endlich, nach zweistündiger

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