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Der israelitische Lehrer · 1869-06-30 · 26 (30.6.1869) · p. Seite 320

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
26 (30.6.1869)
Date
1869-06-30
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 dieser Feierlichkeit in dem Gxade überwältigt» daß das Wort des Fluches sich ihm in kräftigen SegenSspruck verwandelte. — Dürfen' wir uns wohl der Hoffnung hingeben, daß auch seine Gesinnungsgenoffen in unserem deutschen' Daterlande sich in ähnlicher Weise bekehren und diese erhebende Feier nicht nur nicht "-ebr verdammen, sondern sie ebenso acceptiren werden, wie sie die deutsche Predigt und den Choralgesanz acceptirt haben, die ja vor wenigen Jahrzehnten noch von ihnen ebenfalls als Anfang der „Schmad" bezeichnet und demgemäß verdammt wurden? Aus dem Münsterlaude, 10. Juni. Die beiden Seminarlehrer. Treu und vr. Steinberg sind vom Curatorium nach geschehener Kündigung wiedergewählt. Die unschuldige Anfrage mehrerer Lehrer auch in diesem Blatte scheint hierbei nicht ohne Einfluß geblieben zu sein, und ist die Antwort auf die Antwort deS Kuratoriums nur auf Wunsch des rechtskundigen Mitgliedes desselben, dem sie yorgelegt worden , bisher unterblieben, weil sie ein so großes Lob der Verwaltung enthielte, tin so großes Lob, daß eS von Uebelwollenden leicht als ein verblümter, scharfer Tadel, den doch die Verwaltung, welche immer nur daSWohlder Anstalt im Auge gehabt, nicht verdient hat, angeseben werden könnte. Wir sind damit einverstanden, da wir kein Freund von übertriebenem Lobe, mit einem Worte von der Beräucherung sind. Genug, das Curatorium hat vor der Fronte der vielen Lehrer „Halt" gemacht, und das ist auch gut, und dieses wollen wir eben konstatiren. Wie siebt es aber nun im ^eminade selbst auS? Die antwortende .Stimme auf diese Frage lautet: „Der Direktor geht über die Erwartungen hinaus, welche das Referat vom Seminarunterricht gab. „So z. B. hat die erste Klaffe der ^Seminaristen nur eine Stunde, wöchentlich, in welcher folgende Fächer: die Sprachlehre, Aufsatz, Schreiben, Lesen, Literatur zusammen gelehrt werden sollen. Dagegen müflen die Zöglinge dieser Klasse row, nvai’, Predigten von Joel wörtlich auswendig lernen rc. Es war von vorne herein ein grober Fehler, daß der ganze bisherige Plan umgestoßen worden; denn da es mitten im Semester ist, sind die, welche im letzten Jahrgang sind, dock der Gefahr des DurchfallenS ausgesetzt, da sie weder nach dem alten, noch nach dem neuen Plane ein abgerundetes Ganze sich aiteignen können. Die Seminaristen werden von ihm nach den Walb aum'schen Prinzipien behandelt, wobei Aeußerungen hyperorrhodexer.Münsteraner nöthige Anleitung geben, da der Herr Doktor auf deren Beistand zur Besteigung des Raobinerstuhles in' Münster, der Krone seines Strebens, rechnen und Rücksicht nehmen mag. In der Genesis aber heißt eS nach Vollendung eines jeden ScköpfungSwerkeS: Gott sah, was er gemacht . > i n und siehe, eS war gut<tr«d hier heißt eS: das Curatorium sieht alles, was es -gemacht, und siehe, eS ist sehr gut,' und was will man mehr, oder waS kann man auch nur mehr wollen?? . §. Lesefrüchte. Herr WolfSdorf sagt in seinem Berichte über die Notablen-Ver'ammlung in Cöln (Jahrgang 1866, Nr. 48 d. Bl.) wörtlich: .AuS seiner (Löbs) Rede .führen^ wir an, daß seine Vorfahren depr Seminare 0" Münster) testamentarisch nichts vestmacht, daß er (Löb) aber bereit sei, ihm eine jährliche Rente von 1000 Rthlr. — also ein Kapital vbn 25,000 Rthlr. — auf eines seiner Güter hypothekarisch eingetragen, zu schenken," u. s. w. Nun berichtet der selige vr. Friedländer in seiner historischen Denkschrift über den Verein für Westphalen und Rheinprovinz u. s. w. vom Jahre 1850 (derselbe war damals Haindorf's Freund und Lehrer am Seminar; es dürften ihm also wohl die Quellen zugänglich gewesen sein) Seite 38 wörtlich: „Der erste Grundstein zur Sicherung der Anstalt, die bis dahin immer nur auf's Ungewisse hinaus fortgeführt werden konnte, für die Zukunft ward gelegt durch die großartige Dotation des Schwiegervaters des Dirigenten (Haindorf), Rentners E- Marx in Hamm mit einem Kapitale l von 25,000 Rthlr. zu 4 Prozent. Diese, dem Vereine schon l835 zugedachte hochherzige Dotation würde, nach endlicher Beseitigung mehrfach entgegenstehender gesetzlicher Hindernisse durch die Kabinets- Ordre vom 31. Mai 1839 gesichert, welche der Anstalt die Rechte einer moralischen Person zugestand und sie weiterhin solche Schenkungen anzunehinen berechtigte." Soweit Friedländer, der hier gleich noch eine Reihe kleinerer Schenkungen anführt. Es fragt sich nun, welche Behauptung beruht auf Wahrheit? Ist cs die Behauptung Friedländer'S, der sich hierfür auf Aktenstücke beruft? dann kann Herr Löb als freiwilliger Selbstschenker der 25,000 Rthlr. nicht angesehen werden, da hierüber alSdann nicht nur mündliche Verabredungen mit seinen Vorfahren, sondern auch schriftliche Dokumente, wenn auch keine testamentarischen, existiren müssen, woraus Löb'S Pflicht, so zu handeln, wie er handelt, sich wahrscheinlich ergibt. Dieses verringert den hohen Werth der Schenkung in keiner Weise und sind wir nur begierig, hierüber belehrt zu werden, wie sich die Sache in der That verhalte. Wir richten daher an Herrn Löb die Bitte um. fachgemäße Auskunft. Bayern. Bei den Vorwahlen zur Kammer der Abgeordneten sowohl wie bei der Wahl der Abgeordneten selbst haben die bayer'schen Israeliten sich überall mit dem wärmsten Jntereffe und selbstverständlich in liberaler Richtung betheiligt. Nicht nur sind überall Juden zu Wahlmännern gewählt worden, sonderst es haben diese -überall für Männer der Fort-

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