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Der israelitische Lehrer · 1869-06-30 · 26 (30.6.1869) · p. Seite 319

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
26 (30.6.1869)
Date
1869-06-30
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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319 schwächeren Gründen geführt worden, als der ist, den hier MoseS aufiührt? Das entsittlichte Volk Palastina's würde Israel zum Fallstricke gewesen sein, eS würde Israel von seinem Gotte abtrünnig gemacht baden, eo zu Unsittlichkeiten, worin der ganze Gottesdienst jener Völker bestand, verleitet haben. Darum sollten sie vertilgt werden. Der Befehl MoseS wurde nicht strenge befolgt — die Folgen davon sind in der ganzen Geschichte Israel« bis zur Eroberung Jerusalems, bis zur Vernichtung der Amalekiten sichtbar. Dieses so sehr oft schon als Beweismittel gegen den geistigen, sittlichen Gebalt des MosaiSmuS verwendete Gebot war und ist ein heilsames, nothwendiges ErziehungSgefetz gewesen, dessen N i ch tbefolgung sich schwer rächte. Herr Herold führt auch den Satz an: „Du sollst an Deinem Bruder nicht wuchern, an dem Fremden sollst Du wuchern." Abermals ein eben so gerechtes als nothwendiges Gebot! Israel war ein ackerbautreibendes Volk. Die mosaische Gesetzgebung, deren volkewirthschastlicher Theil eine fast kommunistisch strenge Tendenz hatte, welche z. B. aus den Jubeljahrgesetzen erkennbar ist, wollte wieder aus erzieh lichen Grundsätzen den Verkehr mit anderen Völkern erschweren und im Innern kein Proletariat auskommea lassen. Es verbot also den Geldhandel, den Wucher, für den auch nach der ursprünglichen Einrichtung kein Bedürfnis vorlag. Wenn aber Fremde in'S Land kommen, um die Produkte des Landes auszuführen, warum sollten die Israeliten mit denselben nicht auf demselben Fuße verkehren, wie diese wohl mit jenen verkehrt haben würden, wenn sie zu ihnen gekommen wären? Wir werden später erweisen, daß übrigens härtere Stellen im neuen Testamente wiederkehren, wollen uns heute überhaupt nur auf diese Blumenlese auS der „Abwehr zur Verständigung" beschränken. In der Hauptsache werde ich später und an einem anderen Orte antworten - ausführlich und endgültig. Wochenbericht. Dom Ikhei«, im Juni. In der von dem Hyperorthodoxen S. Bloch zu Paris herausgegebenen Zeitschrift lesen wir in dem Hefte vom 1. d. MtS. Folgendes: „Wir kommen zu einer andern Ausstellung *), zu der von 108 Knaben und 114 Mädchen, die in dem Eonsistorialtempel zur Feier ihrer religiösen Mündigkeit vereinigt waren. Welch' eine reizende, strahlende Versammlung von Kindern Israels! Welche lieblichen, beseligende» Hoffnungen für die Zukunft und daS Glück unserer Gemeinde! „Wie lieblich sind deine *) vorher wird nSmlich eine glänzend« Ausstellung von Lotteriegegenständm zu Sanften der Armen besprochen. Wohnungen., Jacob!" wenn sie, hon einer so herrlichen israelitischen Jugend geschmückt, erglänzen! Hatte der Heidenprophet, als er jenen begeisterten^ Spruch Ma tobu ausrief, einer Religionsweihe **) in der Wüste beigewohnt?" „Die Ceremonie, zu welcher eine beträchtliche Anzahl von Menschen sich drängte, war sehr sl-ön. Ter von seiner Reise zurückgekehrte Großrabbiner deS CrntralconsistoriumS und der Consistorial-Rabbiner von Paris haben nacheinander das Wort ergriffen und warme, ergreifende Ermahnungen an die sichtbar gerührten Kinder gerichtet Man weiß, daß cs nichts Leichtes ist, zu Kindern in einfacher, verständlicher und ihrer Fassungskraft angemessener Sprache reden, ohne dabei in das Gemeine und Platte zu verfallen. Die göttliche Sjiumie hat bereits, nach einer traditionellen Erklärung, uüfern geistlichen Rednern in dieser Rücksicht eine kostbare Andeutung gegeben, in dem sie sagte: spy N'2d -cw. ns „So sollst du reden zu dem Hause Jacobs"; nsn pzcs irp newi onen isx „das ist das schwächere Geschlecht, an welches du sanfte Worte richten sollst." Unsere ehrwürdigen Seelenhirten sind nun Meister in dieser so schwierigen Kunst, und avir haben während ihrer.rührenden, herzergreifenden, väterlichen Ansprache mehr als Ein Kind Thränen ergießen sehen." Man kennt seit lange unsere Meinung über diese neue Ceremonie in unserem ^Gottesdienste. Wenn sie den Abschluß und die Weihe der religiösen Erziehung bildet, so verdient sie alle Lobpreisungen. Wenn sie aber, wie dies leider zu oft geschieht, nichts als ein für sieb bestehender Akt ist,'ohne.entsprechende» Gestern und Morgen, das heißt, ohne einen wahrhaft religiösen Unterricht vorher und ohne religiöses Leben nachher, so ist sie eben nichts als ein bloses Schauspiel. Doch kann sie immerhin eine zehr heilsame Wirkung haben; und wenn wir auch nicht überein-, stimmen mit dem Herrn Kahn, der zu seiner jungen Zuhörerschaft sagte: „Das ist einer der wichtigsten Akte eueres Lebens," weil die Erfüllung irgend eine» göttlichen Gebotes sicherlich größere Wichtigkeit hat; so müssen wir doch anerkennen, daß diese Feierlichkeit sich alSunauSlöschlicheSreligiöses Andenken den empfänglichen Herzen dieserjungen Knaben und Mädchen einprägt, ein Andenken, daS für viele unter ihnen leider vielleicht das einzige bleiben wird in ihrem ganzen Leben." Der Verfasser vorstehender Zeilen, — wie bereits bemerkt — einer der strengsten Orthodoxen, der wie Bileam, den er bedeutungsvoll selber oben anführt, vielleicht gekommen war, um der ConfirmationSfeier zu fluchen, wurde von dem Eindrücke —) Der AuSdnick „tonfirmation" ist vcnnieden. An«, d«« UrberletzerS.

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