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Der israelitische Lehrer · 1869-06-30 · 26 (30.6.1869) · p. Seite 318

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
26 (30.6.1869)
Date
1869-06-30
Page
Seite 318 (sequence 2)
Language
German
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318 schaft u. dgl. m. Und dennoch können sie diese ihnen unbequemen Geister nicht bannen, nicht loS werden. Sie fühlen wohl, dag eine kirchliche Genossenschaft ihrer Art das officielle Bekenntniß als da» allgemeine anerkennen nmß, und doch sind sie diesem officiellen Bekenntnis rntwacksrn. Sie suhlen", daß der Glau benszwang, eie Sakramente und so manches Andere, was aus dem KatholicismuE stammt, ihnen unentbehrlich ist — und doch wieder wollen sie diese Dinge nicht anerkennen. Sie stellen daher eine geträumte, selbstgeschaffene, protestantische „Idee" auf, die jedoch nirgends realen Ausdruck in einer Kirche gefunden hat; sie nennen daS^: w a h r e S Christenthum, w a h r e n Protestantismus, wahre Religion, und verzesien, daß Andere, vielleicht mit weit größerem Rechte, sich allein als die eckten Protestanten, eckt evangelischen Christen betrachten, und da sie inBesitzederKirchen sind., ihre Glaubensansichten perhvrresciren und nie als den richkigen, ungefälschten Ausdruck de» kirchlichen Bekenntnisses anerkennen werden, ja sie als Abtrünnige betrachten. Diese Freisinnigen schieben nun Alles, was ihnen in den eigenen Kirchen Störendes auffällt. dem Judenthum in die Schuhe — eine alte; wohlgeübte und wohlbekannte Taktik, die auch in anderen Dingen angewendet worden ist. Daber die Ausfälle gegen das Christcnthum vom Heirelberger Paulus bis auf David Strauß, und in neuester Zeit von I)r. Karl Schmidt, Virchow, Marr, Herold u. A. in . Wenn ich einen pädagogischen Artikel für eine all g e me ine Lehrerzeitung schreibe, so habe ich nicht das Reckt, zu sagen: nur mein Bekenntniß ist daS Wahre, all Euer Thun ist Götzendienst. Thu ich das, dann hat der Andersgläubige das Recht, den Dorwurf wiederzugeben. Gegen diesen einfache» Satz helfen alle Sophismen nichts. Soll ich nun hier meine Beweisführung wiederhole«, daß das, was diese Herren vom Judenthum behaupten, „ureigenes, selbstgeschifieneS Hirngespinnst ist? Es würde mich wenig nützen! Die Herren haben zwischen ihren' eigenen Ueberzeugungen und dem kirchlichen Bekenntnisse, dem sie vielleicht dienen müssen, einen tiefen Zwiespalt, eine Kluft entdeckt, die sie nicht auszufüllen vermögen, einen ungeheueren Riß, den sie zu verkleistern zu schwach sind, und da wird nun all das dem Judenihüm aufgeladen. Sie vergessen. daß ihnen dann kein Christenthuin mehr übrig bleibt. Mit welchen Waffen kämpfen nun unsere Gegner? Wir wollen hier nur auf einige aufmerksam machen, die Herr Herold in seinem Artikel „Zur Abwehr und Verständigung" anwendete. Er bringt selbst den Beweis gegen die von ihm dem Judenthum angedichtete Idee des fortgesetzten Opferdienstes aus Hosra 6. 6, auS Psalm 51, 19 und 20, aus dem Worte de» Rabbi Simloah, einem Geistesverwandten des wackeren Hillel, daß einst die ganze Thora fallen werde und daß die 613 Gebote auf Sinai von Habakuk (2, 4) auf eines reducirt seien. (Glauben, d. i. Gottvertranen.) (Mendelssohn'- Jerusalem.) — Das ist ihm jedoch Alles nichts: Erjagt: Erleuchter Seelen Erken ntn iß kann niemals Maß st ab für Beurtheilung einer Volksreligion sein. Ein schrecklicher Satz, der mit einem Schlage alle edlen Gedanken, jede Wahrheit, die ganze großartige Entwicklung der religiösen Idee, wie sie in der Bibel, wie sie in allen Religionsschriften, wie sie in der Literatur aller Zeiten niedergelegt ist, vernichtet und als alleinigen Maßstab für die Beurtheilzing der Volksreligion der Gegenwart mich mit Nichten auf die (jüdischen) Schriften von Stein, Holdheim, Geiger, u. A., auf die christlichen Schriften von Bunsen, Schenkel, Strauß, Duller, Rau u. A., sondern auf meizie Waschfrau und meinen Taglöhner verweist. Armselige Geschichtsauffassung, die das Schrifthum prüft und daraus den Geist d)r Zeit erkennen will! Daraus ist nichts zu lernen, sagt — Hr. Herold. Aber woraus sollen wir denn eigentlich den Geist des Judenthums erkennen, wenn nicht aus aus dem Gefammtinhalte seines SchriftthumS, aus Moses und den Propheten. Was sie erkannten, mit lichtem Sehrrauge, mit prophetischem Blicke, das haben sie dem Volke mitgetheilt, in ihren Schriften niedergelegt als heiliges 'Denkmal für spätere Geschlechter, und — das sollte nicht daS Jndenthum sein? Wo sollte ich dann den Maßstab dafür holen, wo für das Christenthum der älteren Zeit? In einer anderen Anmerkung wird der egoistische Charakter deS nationalen Typus des Mosaismus durch die Stelle 5. B. M. 7, 16 bewiesen: Du (Israel) wirst alle Völker fressen: Herr Herold bleibt uns den Rest des Verses schuldig. Wir setzen diesen Vers ganz ihn hierher: Aufzebren aber sollst Du alle Völker, welche der Ewige Dein Gott Dir gibt, Dein Auge blicke nicht schonend auf sie, und ihren Göttern diene nicht, denn daS würde Dir zum Fallstrick gereichen. Wir gestehen: der Ausspruch ist sehr hart und paßt nicht zu den humanen Idem der Gegenwart. Wie verhält sich jedoch unsere politische Praxis dazu? Und unsere Staaten sind doch christliche! Drehte sich nicht die Politik der Großmächte viele Jahre hindurch einzig um die .Vertreibung der Türken aus Europa?" Sind die Jndianerausrotter, die Sklavenbesitzer in Amerika nicht Bekenner deS N. Testaments gewesen? WaS sind alle Nationalitäten-Kämpfe der Gegenwart? Sind verheermde Kriege bis in die neueste Zeit von christlichen Völkern nicht auS weit

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