Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 25 (23.6.1869)
- Date
- 1869-06-23
- Page
- Seite 314 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 2× ep/1006163
- Wrocław 1× ep/1002369
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314 Breslau. Unsere Stadt hat endlich nach langem Streite die Erläubniß erhalten, die beabsichtigten höheren Schulen ebne konfessionellen Charakter in'slLeben zurufen. Der Minister fcll durch, den Willen des Königs zur Ertheilung dieser Erläubniß bestimmt worden sein. An diesem neuen Schulen wird daher keine kirchliche Genossenschaft ein Anrecht haben und ebenso wird der. Eintritt in's Lehrerkollegium nicht von irgend welchem religiösen Bekenntnisse abhängig sein. Man erwartet, daß das Beispiel Breslaus nicht ohne Nachahmung in andern StLdten bleiben werde. Trier, 6. Mai. In der Woche vor dem Schebuothfeite verlor die hiesige Gemeinde einen Mann, der in allgemeinster Achtung hier stand, nämlich den Herrn Salomon Allmaver. Derselbe war zwar Privatmann, jedoch ein tüchtiger Talmudist und auch sonst von allgemeiner Bildung. Obgleich streng konservativ, war er doch für die zeitgemäße Perbesserung des Gottesdienstes und der übrigen Gemeinde- Institutionen. Biele , Jahre hindurch war er Mitglied des hiesigen Vorstandes und vorzüglich ein sehr thätiges und energisches Mitglied des Comites zum Baue der hiesigen neuen «Synagoge. Am Leichen- Begängnifse, am Freitag-NaePnittag, betheilsgte sich die ganze hiesige Gemeinde,, viele Mitglieder auswärtiger Gemeinden und die angesehensten christlichen Bürger. Herr Ober-Rab. Kahn hielt'die Leichenrede, in welcher er in großer innerer Erregtheit die vielen Verdienste des Verstorbenen schilderte und bedauerte, daß die Männer der jüdischen Gelehrsamkeit immer seltener werden. M. Trier, 3. Juni. Ich übersende Ihnen hierbei einen mir zugekommenen Bericht über die jüdischen Gemeinden und deren Verhältnisse in New-Orleans (Amerika). Derselbe ist verfaßt von Hrn. Marx Levy, der während fast 40 Jahren in Saarlcuis als Dcrbeter, Schächter, Mohel und Sofer sungirte und in diesen Fächern sehr vorzüglich und von ausgezeichnetem biedern und edlen Charakter und daher aydH> allgemein beliebt war. — Obgleich schon in vorder, rücktem Alter, wanderte. er mit seiner Familie im verstossenen Herbste aus, um in New-Orleans mit mehreren feiner dort in guten Verhältnissen stehenden vorzüglichen Söhnen zusammen leben zu können. Wie er mir in mehreren Briefen mittheilt, ist er in seiner neuen Heimath als Mohel besonders sehr geschätzt und beliebt und wird er sehr weit hin (oft mehrere 100 M.) berufen, um diese Funktion zu verrichten. Möge es diesem edlen Manne, den ich stets sehr achtete und liebte, immer Wohlergehen! Kahn ,Neu-Orkeans. Von hier habe ich Ihnen Folgendes zu berichten. Vor etwa 30 Jahren war diese Stadt noch von sehr wenigen Juden bewohnt und einer wußte vom andern nichts, bis endlich ein Mann, Namens Goldmann, aus Polen hierherkam. Dieser würdige Mann gab sich Mühe, eine kleine Gemeinde ins Leben zu rufen. Viel Gutes und Nützliches, was seither'für Juden hier geschehen ist, ist diesem Hrn. Goldmann zu verdanken, was auch heute noch anerkannt wird. Jetzt wohnen hier wenigstens 8000 jüdische Familien, welche in verschiedene Gemeinden getheilt sind: in zwei polnische, eine portugiesische und zwei deutsche. Alle diese Gemeinden gehen jedoch für das Gute Hand in Hand. So besteht bier ein Waisenhaus, ein herrliches, prachtvolles Gebäude, worin etwa 150 Waisenkinder untergebracht sind, welche eine gute Erziehung und Pflege genießen und durch gute Lebrer ausgebildct werden. .Dann besteht dahier ein Krankenhaus, worin alle armen Kranken, hiesige wie Fremde, unentgeltliche Ausnahnie finden. Erst vor einigen Wochen wurde eine Versammlung der Wittwen- und WaisenunterstützungSgesellschaften zur Erweiterung des Waisenhauses veranstaltet, wobei alsbald7800Dollars gezeichnet wurden; gewiß ein erhebendes Zeichen großartigen Wohlthätigkeitssinnes. In derselben Woche wurde für die nothleidenden prüder in Rußland collectirt, wobei ebenfalls große Summen gezeichnet wurden. Es bestehen hier viele Frauenvereine, die in bekannter, auch in Europa gebräuchlicher Weise — durch Bälle :c. — zur Wohlthätigkrit auffordern und solche üben." Ich glaube, daß hier unter Juden und Christen so viel Wchllhätigkeit geübt wird, als in.irgend einer Stadt in den vereinigten Staaten. In den zwei deutschen Synagogen ist herrlicher Gottesdienst mit Chor und Lrgelbegleitung; in der einen unter Leitung des würdigen Herrn Leucht, Contor und Prediger; hier ist der dreijährige Cyclus eingesührt. In der andern unter der Leitung des Herrn Mosche, Cantcr und Prediger, in welcher aber noch ganz nach dem alten Ritus gebetet wird. In den polnischen und der pcrtugiesischen Synagoge wird nach dem alten Ritus der betreffenden Gemeinden gebetet; eine der Lästeren ist streng orthodox. Jede Gemeinde hat ihren fedr anständigen Friedhof. Mehrere gute Religionsschuken sind eingerichtet, welche, von allen jüdischen Kindern besucht werden, während übrigens noch einige Privatlehrer Unterricht erlheilen. So sehen Sie, daß hier Alles wohlgeordnet, und trotz verschiedenen religiösen Ansichten, Einmüthigkeit in der Förderung und Unterstützung Alles Guten herrscht." Ottnrl, 2, Juni. Gestern ist Herr Prediger vr. R ülf von Kcwno hier wieder angrlangt. WaS er daselbst, sowie auf der Reise durch einen Theib der noihleidenden Gegenden gesehen, Lbertrifft bei Weitem Alles, was bisher darüber geschrieben wer-