Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 25 (23.6.1869)
- Date
- 1869-06-23
- Page
- Seite 313 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 313 — oen Cultus so zu gestalten, daß vom Prediger auch die Liturgie übernommen werden kann. Das. Cantorat darf nicht in den Vordergrund treten. Daß - dies in der Sikuzeit geschieht, ist zum Schaden des IudenthumS. Der Synagogengesang soll darum nicht vernachlässigt werden, sondern wir wollen ihn in de» Cbor verlegt haben. In Amerika ist die Bewegung \, hierfür auch wachgerufen. Die Zeitungen »ru und contra find voll davon. Die Lehrer werden mehr tbeologische -unbj homiletische, die Rabbiner mehr pädagogische und liturgische Kenntnisse ünb Fähigkeiten anzustreben haben. Ich komme nochmals auf Philif pson und seine oder vielmehr des Instituts (zur Förderung der jüd. Literatur) Fehde gegen Grätz zurück, Zch bin weit entfernt, die neue Richtung des vr. Grgtz in Schutz zu nehmen; — aber die Wissenschaft ist frei. Das Institut hat nur daS Recht, die wissenschaftliche Tüchtigkeit, aber nicht die Richtung der Werke zu prüfen. Sonst hätte auch der Staat Recht, nur Lebrer der von ihnen gentotlten und begünstigten Richtung anzustellen, und zu berufen. Ich weiß fseit lange, daß PH. im Jnstillst wie in seiner Zeitung eine derartige Censur und Mgcht übt. Sie haben hie Zurückweisung cer Wiener'schen Abhandlung über Opferunb Akeda- Gebete schon erwähnt. Und tdie Zurückweisung ist geschehen, obgleich da« Blatt stch „unparteiisches Organ" nennt. Das Instiulr^äst^zur Förderung der Literatur ins Leben gerufen, nicht um dein Publikum für wenig Geld viele Bücher in's Haus zu werfen. PH. klagt über Mangel an Thcilnahme für das Institut. Vielleicht liegt hierin, wenn auch nicht ter alleinige, doch ein Hauptgrund dafür. Zch^habe auf meiner Reise kürzlich Gelegenheit gehabt, vielfach ben Unwillen des Publikums über dieses Benehmen Ph.'s zu gewahren. Man sagte: PH. hat kein Recht, unS dieses Buch des I)r. G. vcrzuenthalten; die Besitzer seines Werkes haben A isprueb auf Vervollständigung desselben. Und glaubt PH.,' fnbr man fort, daß nunmehr das Buch nicht gelesen werde? Run ist das Publikum erst Recht begierig darauf und kann die Zeit seines Erscheinens kaum erwarten. Xitimur in rotitnm. Aus Nuterfranken» dt. Juni. Die Aufsicht über die Religionöfcknlen in Bauern ist bekanntlich gesetzlich, iheilS den Lokal- und DiflriktS-Schulinspektionen, tbeils oen Rabbinen übertragen. Dieser Dualismus, der oft Dissercnzen hervorruft, hat auch seine Licktieiieir, wenn auch gar nicht geleugnet werden soll, daß es sclön uns gewiß auch recht ersprießlich wäre, wenn das ausschließliche Anfsichrsrecht unseren jüdischen Geistlichen zustände, und diese dieselben Rechte üben könilren, als die katholischen und protestantischen Geistilchen. Wir wollen auch unsere . Rabbinen nicht alS die PariaS gestellt wisse», kämpfen wir dock auch, wenn auch zur Zeit mit geringem Erfolg, gegen unsere exceptionelle Stellung. Allein daS müßten wir dann auch verlangen, daß auch unsere Rabbinen auf der Höhe der Zeit st.-henpädagogische Bildung besitzen,' Wissen und Können als gleichberechtigte Faktoren der Schule zu würdigen und zu beurtheil«» verstehen. So lange dieses nicht der Fall ist, und wir erst ein anderes (Geschlecht hierzu uöthig baben, hat der Dua-. liSmus fein Gutes. Uebergriffe in das konfessionelle Gebiet stnd noch nie vorgekommen, nur würden solche. bei unserer gegenwärtigen Regierung gebührend geahndet werden, i UM die Schlichtung dieser Differenzen ist es oft eine eigene Sache, und ist kürzlich ein solcher casus belli zur Entscheidung gekommen. Die Rabbinen Unlerfrankens sehen die Pädagogik in ihrem religiösen Eifer lediglich als ein Ding an, wonach man so viele ReligioitSlehrftunden zu halten hat als eben nur möglich ist n'ff 122 nra; 02" ia nur» -oxjr -ona ■p’xi. Je mehr Stunden Religionsunterricht, desto frömmer; hierin liegt nach ihrer Ansicht das Heil unserer Jugend. Ein Lehrer, welcher 10 Lehrstunden für den Religionsunterricht in der Woche für vollkommen genügend hielt, und sich gegen das Ansinnen des Rabbiners, die Schüler 3 mal des Tages in die Schule zu kommandiren, nämlich Vormittags, Rachniittags und Abends, energisch verwahrte, wurde von der Regierung in Schutz genommen, und „das Ver- „langen des Distrikts-Rabbiners auf Mehrung der „llnterrichtsstunden wurde aus sanitälischen Rücksichten „zurückgewicsen." Selbstverständlich schloß sich die Distrikts-Inspektion dem Vorschläge des Lehres an. — ES werden überhaupt nur wenige Schulen keine solche oder ähnliche Fälle vorzuführcn haben. Sie > sehen, cs fehlt uns Bayern nicht an Belegen, um i^den Dualismus in der Beaufsichtigung der Relizionsi ichulcn als wohlthäkiz zur Zeit noch anzuerkennen. In Würzburg wurde ein Rcligonslehrer an den kgl. Slndienanstaltep, wie in mehreren andern Städten, angestellt, der sein Gehalt aus Staatsmitteln; bezieht; also auch'ein erfreulicher Schritt vorwärts,! wenn wir auch h i e-r fromme Wünsche noch beizu-, fügen hätten. — i Breslau. Wie „Hamaggid" berichtet, rüsten [ sich auch in diesem Jahre wieder die Anhänger der ■ Breslauer Schule unter der Acgioe ihres Führers, , deS,l)r. Grätz, zu einer Separatisten-Veriaminlunz, ■ zu einer Rabbiner-Versammlung im K.eturu. Täuschen wir utlS aber nicht selbst! Es ist die kleine, aber! mächtige Partei, die nach und nach die Wachtposten.; der deutschen Israel besetzt. Aach jetzt.wieder ist ein Schößling der Breslauer Pflanzstätte von Osten nach Westen versetzt worden. vr. Horswitz von M.-Fcievl.ind ist nab Crefeld bernün., I