Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1869-06-23 · 25 (23.6.1869) · p. Seite 311

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
25 (23.6.1869)
Date
1869-06-23
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428712-5432026--2483-4898832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

311 srlben übertragen werden und gleich faktische Anwen-! düng finden. Der sachliche Ertrag erscheint zunächst! allerdings nur gering; Manche werden sagen gleich ' Null. Aber darum ist der Werth und der Nutzen solcher Versammlungen dennoch nicht zu unterschätzen. Neben dem .ideellen Ertrag," den wir, oie wir ja mit zu den Arbeitern für die „Idee" gehören, nicht gering anschlagen dürfen, ist der Einflug, den ein solcher „Lehrertag" ans die''daran Betheiligten übt, gewiß fördernd, wehlthätig und heilsam. Ter bescheidene, in einem beschränkten und isolirten Gebiete wirksame Lehrer, lernt sich da als Glied eines großen, umfassenden, manigsach gegliederten Ganzen kennen, tritt so'aus seiner Beschränkung, seinem eng begrenzten Gesichtskreise heraus; er nimmt eine Fülle von Anregung, Erfrischung und Erleuchtung in sich auf, die ihm für seine Person Und sein Wirken zu Gute kommen, und was sicher nicht gering anzuschlagrn ist: er findet so Gelegenheit mif geriirgem Kostenaufwand aus den gewohnten engen Verhältnissen, aus der Umgrenzung des gewohnten Daseins im Vereine mit gleich- und weiterstrebenden Genossen, wenn auch nur für eine kurze Zeit, herauSzutrrten, neue Eindrücke in sich aufzunehmen und fick noch lang andauernder Arbeit physisch und psychisch zu erfrischen. DaS sind die Gesichtspunkte, die mich hier in einem jüdischen Sckulblatte an meine Collegen und Glaubensgenossen die Aufforderung ouSsprechen lassen sich von solchen allgemeinen Lehrerversammlungen nicht fern zu halten, sondern, wenn ihnen dies irgend möglich, schon bei der nächsten 10. allgemeinen deutschen Lehrerversammlung, die auf sreundlicke Einladung der Wiener Stadtbehörden im Jahre 1870 in der sckönen Kaiscrstadt tagen wird, sich zahlreich zu betheiligen. Wie viele jüdische Lehrer an der dikSjährigen 18. theilgenommen, war in der so ungemein zahlreichen Versammlung nickt zu constatiren. Ein Versuch Seitens der hiesigen jüdischen Lehrer, ihr Berufs- und Glaubrntrollegen während der Versammlungstage einmal in einer besonder» Zusammenkunft zu vereinigen, scheiterte bei der ungemeine» Fülle dessen, das sich i« sv knapp zugemesscner Zeit und in einem Orte wie Berlin den fremden College» in und außerhalb der Versammlung ausdräugte. Nach ungefährer Schätzung mag die Anzahl der jüdischen Collegen doch mehr als 106 betragen haben. Außer mehr als 30 hiesigen jüdische» Lehrern sind mir, als mir näher getreten, von Auswärtigen bekannt geworden: Deutsch. Inspektor der Kleinkinder-Bewahranstalt in Wien, vr. Frey, Direk tor einer jüdischen Realschule in Prag. vr.Arnheim, Direk-. tor der Jacobsvhn-Cchule iu Seesen, Spir, Lehrer der Ehreubergschen Erziehungs-Anstalt (Samsvnsschule) in Wolfenbüttel, eine Anzahl Collegen auSWrstphaleo, eine noch größere aus der Provinz Posen und c uS anderen preußischen Provinzen, und so dürfte die Zahl 100 für die jüdischen Collegen in der Versammlung sicher eher zu niedrig, als zu hoch genommen smn. Mit meinem besten collegialischen Gruße an alle diejenigen Collegen, die mir während der hiesigen Persammlungslage näher getreten sind, urd mit dem Wunsche eines fröhlichen Wiedersehens dieser und einer zu ermöglichenden recht ansgedehn en Bekanntschaft mit vielen anderen lieben Collegen ans allen Gauen Deutschlands in der schönen Kaiserstadt Wien int nächsten Iahte will ich den Bericht über die diesjährige allgemeine deutsche Lehrer-Versammlung schließen. Wochenbericht, Main;» 11. Juni. Wir lesen scnst nickt die nationalliberale .Mainzer Leitung/' Ein Zufall brachte unS soeben die, gestrige Nummer in die Hand und da lesen wir zu unserer höchlichsten Verwunderung folgenden Artikel aus „Berlin vom 8. Juni": „Wenn die Regierung der Donaufürstenthümer gegenwärtig ihre Präfecten angewiesen hat, die Inden nach Möglichkest aus den Pachtungen der Branntweinsckenken auf dem Lande fern zu halten, so hat diese Maßregel in der französischen und englischen Presse viel Klagen über Härte gegen daS auserwählte Volk hervorgerufen. Jndeß stecken hinter diesen Stoßseufzern die reichen Juden von Paris und London, welcke. sich ihrer Stammesgenossen an der unteren Donau gern um einige Summen annehmen. Man erinnere sich, welches Unheil jene jüdische Schenkenpächtrr schon in Rußland, Polen, der Moldau und Walachei unter der ländlichen Bevölkerung angerichtet haben, indem sie dieselben zum übermäßigen Trinken und zum Cchuldenmachen verleiten, utn sie dann als ihre Schuldner um Hab und Gut zu bringen, und man wird das Verfahren der rumänischen Regierung völlig gerechtfertigt finden. Einem neuesten Telegramm aus Bucharest zufolge hat der Minister des Innern bei der Deputirtenkammer die Einsetzung einer Commission beantragt, welche die Regierung bei der Regulirung der bürgerliche» Verhältnisse der im Lande ansässigen Juden überhaupt unterstützen^ soll, und man kann diesen Bemühungen nur den besten Erfolg wünschen." Wir gestehen, ein solches hatten wir van dem „liberalen" Blatte, dem Organe unseres Zöllparlamentsabgeordneten Bamberger, der selbst ein Jude ist, nicht erwartet. Das ist also die s. g. Liberalität unserer Nationalen. Sie lassen Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und „Liberalität" im Stich, wenn es sich um das „Nationale" handelt. Anders können wir uns diesen Passus nicht erklären. Die Rumänen «

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.