Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- Seite 306 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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306 - furz nach dem babylonischen Exil noch eine gewisse Berechtigung haben mochten und nur um des teuflisch daran geknüpftes Vorschlags (das. P. 9), deßhalb daS ganze Volk mit einem Schlage zu vertilgen, so verwerflich erscheinen müssen; wie aber nach dem Eintritt unterer Relizicnsgcnossenschaft itt das Culturleben der gesitteten Völker, nach deren lebendiger Betheiliguug au qllen wissenschaftlichen, industriellen, socialen und politischen Bewegungen der Neuzeit und der willigen vollen Ucberuahme aller dem Bürger in Staat und Gemeinde obliegenden Pflichten noch von einer solche:: Seibslabsonderung derselben serner die Rede sein könne, ist wahrlich schwer zu begreisen, und kl:.::: dcstbalb nur in angeerblen Porurtheilen, die gegen die tbatiää'licke Lage der Dinge blind machen, ihre Erklärung staden.- Die augensälligste Widerlegung jener AndicbtUng liegt aber darin, daß der Israelit da, wo. er durch Fahrbnntcrte langen Aufenthalt heimisch geworden, die wesentlichen Eharakierzüge der Ration, in deren Mille er lebt, naturgetreu abspiegeli, in Spanien «in stolzer, mit majestätischer Grandezza einberschreitenter und sich über Andere seines ^Standes erhaben tünkender Spanier, in England ein pblegmaiischer und doch in bobem Grade speculativer, Indnürie und Handels nach Millionen betreibender Engläirder, .in Deutschland ein tiefer Denker und Forscher, nebst allxn damit verbundenen Licht- und 'Schattenseitenwird-, in Frankreich dagegen an der Flüchligteit, Leichtlebigkeit, Ruhmredigkeit :c., seiner Laildeogenosicn redlich pariicipirl ilnd nur etwa ini Familienleben i als ('rtc von den Patern) ein der guten Sitte..mebr einirrecheiides Bild tat bietet, als es bei jene): gemeinhin der Fall. In letzterer Beziehung Itefeit nun das in Oh. -U d. Bl. aus Paris Gemeldete einen zwar durchaus nicht überraschenden, aber augenscheinlich?» Beleg. 'Wobl in inzwischen hnack Oir. der Otllg. I. d. I.) auch ans Frankreich eine Beitrittserklärung zur bevorstehenden Synode erfolgt, jedoch nur.von — dein Eoniinorinm zu Lyon, und die an das dortige Perhaile» in diesem Punkte wie an die beiden anderst zugleich erwähzitpu Facta geknnpite Bemerkung des Eorrrspondenten über das siete Hinaukblicken der französischen ^aden zu den Höben der Eonnstciitn mit des Enitjal-Ecnststcrii erhält dadurch nur ci;.e erneute Bekr^'ligung, so daß wir es daher als nnteflreilbare Tb.nie.che constatiren dürfen, das: sie ihren chrinl-chcn Oliikbürgern gleich, im Gegensatz zu.dein in England, Nord-Amerika und/ Deutschland herrschenden freien Pereinigungs- (DeccntlaliiatioNs-.j 'Svsieme nach allen Richtungen (hin, der Ecnrralisäricns Mariine principiell oder 'gewohNs heirsmäpig huldigen und nck dadurch'des mächtigsten Hebels iär den Fcri'chrir: ans religiösem Gebiete ebenso rcraubtii, als es ibre Lantsleuie im Staats¬ und kirchlichen Leben zum größestcn Nüchtbeile des- Gemeinwesens thun und von jeher thaten. Indem ich mir Vorbehalte, dies für jeden denkenden Beobachter interessante- Thema in Zukunst einmal ausführlicher zu behandeln / will ich heute an daS Gesagte nur die Nutzanwendung knüpfen, daß im Angesichte solch' unleugbarer Wahrnehmungen, wie unsere NeligionSgenvssen in gutem sowohl als auch übleni Sinne den Eharakter der Nationen, zu denen sie zählen, ebenso wie deren günstige und ungünstige Erlebnisse, leichtere oder schwerere Obliegenheiten sür Staa!t und Gemeinde vollkommen theileu, (Ps. 3l, 19.) Jbie lügenhaften Lippen verstummen sollten," welche, .um ihrer eingefleischten Sucht nach Absonderung und Ausschließung der Schwächere», im Geiste vergangener barbarischer Zeitläufte den Schein tiejer begründeten historische:! und natürlichen Rechts zu geben, die leere Fiction einer unauSfüllbaren Kluft, zwischen christlichem und unschnstlichem Wesen (von „menfchlichem Wesen" ist bei solcher Betrachtungsweise natürlich keine Rede mehr,) mit immer neuer Selbstgefälligkeit rccapituliren. Der Jude, und hier gleichviel ob orthodox oder reformistisch gesinnt, will nur — und das kann er selbstverständlich, ohne sein eigenstes Selbst zu verleugnen, nicht ausgeben — nur und allein in Bcirris seiner Religionsübung etwas Particulares haben', in allem dagegen, was den Staat, seine Gesetze und Institutionen manichsachster Art betrifft, sowie in SsH», Dpracbe, Eharakter .w., -schließt er sich, soweit ibm nicht von außen Hindernisse entgegengethürml werden, bereitwillig und geschmeidig dem an, was in seinem Heimalhlanke Gang »nd Gäbe ist, unv verwächst demnach ganz mit kessen Grund und Boden. Wer ihm demnach seine Zugehörigkeit zu diesem, feinen Painctismus, seine Integrität als Glied in der Kette der Staatsangehörigen durch Scheingründe wie die oben belegten, streitig zu machen sucht, begeht — absichtlich oder unabsichtlich (meist wrhl das Erste) — eine grobe Pcrläumdung, die um so verhängniizvollcr und sträflicher erscheinen muß, als sie »icbt gegen Einzelne im Volke, sondern wider eine sehr ansehnliche Mincrität in der menschlichen Gesellschaft gerichtet ist, welcbe durch die vielseitigsten in ihrer Mine wirksamen Kräfte und Bestrebungen der Majorität darin die wesent lichften Dienste^ zu leisten im Stande ist, und sofern sie nicht dariil^gchemmt war, ihr auch in manigsacher' Beziehung schon geleistet bat. * Dr. M. St. ^Berlin, 2. Juni. Im Reichstag wurde heute folgender Gesesetzentwurf, Antrag des Abg. 'Wiggers und «Nncsten in erster und zweiter Lesung fast ohne Debatte Eingenommen. Betreffend die Gleichberechtigung der Eonfessionen in bürgerlicher ufiit staatsbürgerlicher Beziehung. Einziger Artikel: Alle »och