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Der israelitische Lehrer · 1869-06-16 · 24 (16.6.1869) · p. Seite 307

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
24 (16.6.1869)
Date
1869-06-16
Page
Seite 307 (sequence 7)
Language
German
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307 bestehenden, au« der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte werden hierdurch ausgehoben. Insbesondere soll die Befähigung zur Tbeilnahine au der Gemeinde- und Landesvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bttenntniß unabhängig sein. t f Aeuillelon. Der Schmuggler. Erzählung von I. Klingenstein. Fortsetzung.) Das Tischgebet war beendigt. Eine Pause trat ein. Alle schwiegen. Golde's Lugen batten sich wiederholt dem Gaüe zugewender. Ta erhob sich Mosche, als wollte er er« seine Glieder' ausrecken, um alle die Bande, die ihn im Gemütbe fesselten, abzustreisen; dann setzte er sich neben Golde, ihrem Vaier gegenüber, und sprach: „Ich bin beute neugeboren; wahrlich, ich könnte Schehechejonu * *) beten. Was auch noch im-Dunkel der Zukunft für mich verborgen liegt, ich weiß es nicht; aberich will von meinein Gemüthe abschütteln die entsetzliche Vafl, die es bedrückt, und will's Euch erzählen- Ist auch mein! Lebensgeschichte eine Reibe von Leiden, Gott wird mir'S verzeihen und auch Ihr werdet mir verzeihen, daß ich seinen beiligdn Sabbalh entweihe durch traurige Erzählungen; er kann'S zum Guten wenden." Ein leiseS „Amen" erklang neben ihin und dankbar amblickenv, begann Mosche seine Lebensgeschichte.' 4. Da« Iugendlebeu des Schmugglers. Cbeit' in Franken, in einem Tone bei der schönen 2ladt B. bin ich geboren. Mein Vater, Friede sei ibin, war ein ariner Biehhändler. Winne halte er auch mich zu dieiein seinem Geschäfte erzogen. Allein Ihr wißt, daß da aus einmal ein Gesetz kam, daß in Bayern alle Juden ein ordentliches Gewerbe erlernen müßten. Es war anfänglich eine große Geserob * , dieses Gesetzinsbesondere zusanimen mit so manchen andern pbaraonischen Verordnungen in Bayern, wenn es auch einmal für unsere 'Rachkommen ein Segen werden wird. Es war ein hartes trauriges Gesetz, da« fast alle jüdischen Familien des Landes in ihren Grundvesien ersclmtterte, und zahlreiche Auswanderungen nach Amerika veranlaßte, so, daß vielleicht jetzt mebr Abkömmlinge bayrischer Iudenfamilien in jenem gesegneten Lande der Dreiheit sein mögen, als zurückblieben. Seufzend ergab sich auch mein Bater in sein cyeschick. Ich wurde *) Das Dankgcbet für neue Gaben - *) Unglücksverhängniß. , Sattler. Ich batte vielleicht Vergnügen an meinein Handwerke gefunden, obwohl ick es mir nickt selbst erwählt batte. Allein, wie ick mich auch anstelle» mochte, — Meister, «Gesellen und selbst mein einfältiger Mitlebrjunge mißhandelten in mir den Inden. Rie nanme mich mein lUieifter mit einein anderen '.»kamen als „Iudenmoscke" und was auch Verkehrtes im Geschäfte vorlaute — ick mußte es verschuldet haben. Verdarb ei» (Geselle etwas, so'trug ich Die Schuld, .und wenn ich gar nickt zugegen war oder in einem andern Raume arbeitete. Hatte der Meister Aerger, mußte ich es büßen: Bekamen die Gesellen unter sich oder mit dem Meister Streit — so bekam icb die Püffe. Ich war Aller Hundsjunge, mußte alles herbeitragen und bekam Schläge, Spott und Hohn zum Lobn. Rur in einer Weise waren sic gut gegen n,ick: Wenn ick für Frühstück oder Rachmillag ein trocken Stück Brod bei mir trug und sie nahmen es wahr, so durste ick sicher sein, daß sie es mit Schinken, Speck oderWurst zu würzen sich befleißig:» würden. So waren die Lelnjabre Jahre des Leidens für mich, Grund genug, m» mir tbeilweise auch'das Geschäft selbst zu verleiden. Kein Wunder, daß ich unseren älteren Glaubensgenossen sehnsüchtige Blicke nacksandte, wenn sie des Morgens mit ihren schweren Päcten zum Dorfe hinauswanderten, und wenn mein Vater' „uewick" mit großer Mühe eine Kuh allein.trieb, während ick an den Arbeitstisch gebannt, den Hobn der Gesellen Stillschweigend entgegensetzen mußte. Eines nur versüßte mir die Stunden bei ineiner Arbeit und ließ mich oft auch das schwerste Loos leickt ortragen. —Meinem Meister gegenüber wohnte eine arme aste jüdische Wittwe; die hatte eine einzige Tockter — Golde. Wir warKi von gleichem.Alter- Schon in der Sckule waren wir Gespielen, gingen wir zusammen , liehen uns gegenseitig Bücker und Grissel, und wurden deshalb schon von . andern Kindern geneckt. Ich konnte nun den ganzen Tag über von ineinem Fenster in der Werkstätte aus Golde handthiereu sehen. Oft hörte sie die Schmähworte meines Meisters und meiner Mitgesellen, bemerkte die Leiden, die ick zu er-tragen batte. Ach, wie war ich so glücklich, wen» nach all den Demüthigungen, die mir hier bereitet wurden, eip Strahl des Bkitgefühls aus ihren Auge» mich traf! War sie auch noch so sehr beschäftigt — sie erirährte fick und ihre Mutter durch schwere Arbeiten, die sie für Andere leistete; — so fanden sich doch Minuten, wo sie zu mir herüberschaucn konnte. Oft sab ich sie unter schwerer Last seufzen; wie gerne hätte ick ihr anfgebolfen! Rie kam eine Klage über ihre Lippen, so schwer auch die Arbeit ibr sein mußte. Immer war sie beiter, immer' glänzend ibr Blrck und frei ihr Gang; immer voller Hoffnung und Zuversicht;«go beiter und freudig und hosfiiungsvoll war ibr Auge, wie — ein seliger Freitagabend, wie — Ihr Auge, Go.lke, der Sie ja auch ibre Ramensschwester sind. (Fortsetzung folgt.' s

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