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Der israelitische Lehrer · 1869-06-16 · 24 (16.6.1869) · p. Seite 305

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
24 (16.6.1869)
Date
1869-06-16
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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Der Lehrer hat dabei mitzubestimmen; dann werden wir freudig wirkende Lehrer haben. j Auch hieran knüpft sich eine Diskussion, bei der der bereits erwähnte Missionslehrer Hildebrand namentlich zwei Behauptungen aufstellt: 1)!das einzige wahre, rechte, deutsche Schullesebuch ist die Bibel. 2) Auch hierin habe die Behörde, und nur sie zu verfügen, zu regeln, resp. zu maßregeln. Welchen Ankläng diese Sätze in der Versammlung fanden, kann man fick denken. * Den ö^unb letzten der von der Versammlung ausgewählten angekündigten Vorträge hielt Tie dein ann aus Hamburg, Realschul-Direktor und Mitglied des SchulrathS daselbst, über das zeitgemäße Thema: „Arbeit und Kapital' oder die Wirthschaftslehre als Gegenstand des Schulunterrichts. Auch von diesem Vortrag, so geistreich und interessant er auch der Versammlung vorgeführt wurde, will ich nur die nachstehenden Thesen anführen: 1) Die Volkswirthschaft, Nationalökonomie, ist nur ein Zweig der allgemeinen menschlichen Wirthfchqft. Diese, nicht jene kann und soll ein Gegenstand des Schulunterrichts werden. 2) Sie beruht auf gewissen allgemeinen Gesetzen, seren Zahl nicht groß ist. Diese Gesetze sind in der Schule mitzutheilen, und lassen sich, wie alles Andere, methodisch behandeln, indem man sie aus der Erfahrung und aus concreten Beispielen entwickelt. 3) Besonders in diesem Unterrichte ist alle leere Theorie zu vermeide»; dagegen sind die Erscheinungen des täglichen Lebens — immer so weit sie für die Kinder passen — zu «berücksichtigen. 4) Die Lehre von Arbeit und Kapital ist am besten durch ^ie Geschichte zu veranschaulichen. Ich beschränke mich hierbei auf die Wiedergabe dieser Thesen, so verlockend es auch wäre, auf tjxn Inhalt dieses Vortrages, grade jüdischen Lehrern gegenüber, näher einzugehen. Wenn, nach der Meinung TiedemannS, die WirthschaftSlehre in gegenwärtiger Zeit in. jede Schule als UnterrichtSgegenüand eingeführt werden sollte, so dürfte das vielleicht noch in «besonderem Grade für eine jüdische Zckule gelten. Die Gründe, die mich zu diesem AuSsrrucke veranlassen, liegen mit Rücksicht auf den Berus, dem: die meisten jüdischen Knaben in der Regel 'ich widmen, zu nah,' alö daß ich hier darauf näher einzugehen hätte. In der Versammlung wurde die angeregte Frage in lebhafter Diskussion noch von mehreren anderen Rednern nach verschiedenen Seiten hin in eingehender Weise beleuchtet. Ein auf die Tagesordnung gesetzter, von Langenberg angekündigter Vortrag „aus Diesterwegs Nachlaß' mußte wegen vorgerückter Zeit auSfallen, da die zahlreichen Vertreter aitSwärtiger Vereine, Städte, sogar einiger Regierungen-der Versammlung von ihrem Schlüsse noch die besonderen Grüße ihrer Auftraggeber auszusprechen wünschten. Diese Begrüßungen erfolgten dann oft in zündenden charakteristischen Worten, welche im Gemüthe der theilnahmsvoll sie vernehmenden Versammlung einen lebendigen Wiederklang fandet. An Delegirten waren erschienen: Zwei ^Abgesandte! der französischen Regierung, zwei desgleichen des österreichischen ReichSkriegSministeriuS von der Militurgrenze, zwei der banrisch-schwäbischen KreiSregierang, mehrere aus Amerika, 'Grüße und Glückwünsqhe gingen der Versammlung zu von den Städten: «Nürnberg, Glauchau, Wunsiedel, Regensburg, Oldenburg, Wien, Olmütz, Insterburg, Löwenberg, Mannheim, Wiesbaden, Leer Lemgo, Laireuth, München, Augsburg uDf. w.; vom pfälzischen Lehrer- Verein, vom Münchner Lehrer-Verein, vom katholischen Lehrer-Verein in Breslau, von den Bezirks-Lehrer- Vereinen in München, Hamburg, Waldenburg, vom Main- und Unterfränkischen Lehrer-Vereine: und endlich liefen Telegramme ein vom demokratischen Verein zu Wien, vom Bezirks-Lehrer-Verein in München, voml Schriststellertag in Weimar u. s. w.! (Schluß folgt.)! - Wochenbericht. Odernheim. Herr W. Herold ans Frankfurt a. M. hat in der uns eben zugekommenen Nummer 2b der allg. deutschen- Lehrerzeitung auf unseren in Nr. «7 jener Zeitung und in Nr. l3 dss. Bl. abzedrüclten Artikel „Der jüdisch-christliche ReligivnSünterricht' in einem Artikel zur „Abwehr und Verständigung" geantwortet. Es sind die allgemein bekannten Behauptungen vom jüdiscken Nationalgott rc., die hier wiederholt werden. Wir werden, sobald cs uns.die Zeit > erlaubt, erwidern. Frankfurt a. d. O., 1. Juni. Einer der scheinbar gewichtigsten Einwürfe gegen die Emancipation der ^Juden, der in den Erörterungen der Presse uud Kammern unzählige Male gellend gemacht wurde, war der: daß dieselben noch in unseren Tagen eine besondere Nation mit eigenthümlichen Sitten und gemeinsamem Charakter bildeten und daher in die Gemeinschaft der ganz anders gearteten übrigen Einwohner der Staaten nickt als vollberechtigt^ ausgenommen werden könnten. Unwillkürlick mußten wohl Jeßem beim Lesen solcher Insinuationen die Worte Haman's (Esther 3, S): .,Es gibt sin Volk, zerstreut und versprengt unter den anderen Nakieuen, dessen Gesetze von denen jedes Volkes abweicken, und die des Königs Befehle nick: befolgen," einfallen, welche

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