Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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503 rinbegeben sollten, vorgebrachen Aussprüche, erregten! lheils die Heiterkeit der Versammlung, zutn Theil! riefen sie aber auch einen!! solchen Sturm des Ün-! willens hervov, daß nur die angestrengte Bemübung i und der wirksame Schutz des Vorsitzenden dem Redner . die Möglichkeit gewährte, seinen Vortrag zu Ende zu führen. Für Ansichten der Leute seines Schlages fehlte es offenbar in der Versammlung an jedem empfänglichen Boden. Das bewies namentlich sogleich nach diesem ersten Vortrag die daran sich anschließende fernere Discussion, die im einzelnen hier vorzuführen der für diesen Bericht zulässige Raum dieses Blattes nicht gestattet, die aber im Ganzen die grundsätzliche Ilebereinstimmung der Versammlung mit den ausgesprochenen Ansichten des Vortragenden konstatirte. Der zweite von der Versammlung ansgewählte Vortrag wurde von Theodor Hoffman» aus Hamburg, dem auch diesmal wieder, wie bisher fast beständig in allen früheren Versammlungen erwählten Vorsitzenden der allgemeinen deutschen Lehrcrversammlung, gehalten und behandelte den Satz' der deutschen Grundrechte: „Die Wissenschaft und ihre Lebre ist frei" in Beziehung auf die Volksschule. Der geistvolle, in' Form und Inhalt gleich ausgezeichnet^ Vortrag fand in der Versammlung den ungetbeiltesten und zustimmendsten Beifall, und ich muß bedauern, seinen Ausführungen hier nicht specstU folgen, sondern nur die Thesen verführen z'.l können, in denen der Vortrag gipfelte, und welche den Gedankengang desselben im j allgemeinen zu veranschaulichen geeignet sind. Diese 1 Thesen lauten: 1) Die bisher geübte, willkürliche Beschränkung der Lehrerbildung ist verwerflich. °2) Die Wahl der Methode und »der Lehrmittel ist den Lehrern zü überlassen.' 3) Das Schulgesetz muß ein Minimum der Volks' schulbildnng ausstellen, darf, aber keine Scbnle verhindern, über dasselbe hinauszuaehen. 4) Die Verwaltung der Schule darf nur unter Mitwirkung von Schulmännern vor sich gehen. 5) Die Schule ist nicht Sache einer Partei, sondern des ganzen Volkes. »>) Das beste Corrrctio in Schulsachen ist die unbedingte Oefsentlichkeit. Den dritten der von der Dersammluirg ansgewählten Vorträge hieltWichard Lange aus Hamburg, der streb- und regsamste unter den Schülern Diesterwegs, der eifrigste und rührigste unter den deutschen Pädagogen, die des verstorbenen Meisters Grundsätze und Bcstrebnngcn weiter zu verbreiten und forrzusühren suchen, der Forlsetzcr der Dstslerweg'schen „Rheinischen Blätter." Das von ihm vorgeführte Thema lautet: „Die Schule im Lichte des erziehlichen Prinzips." Den Gedankengang des Vortragenden bei Durchführung dieses Themas will ich Ihren Lesern hier zum Theil in der gedrängten Weise vorführen, wie sie in den aintlichen. täglichen Mittheilnngen der Versammlung ansgeführt worden: Der erste ErziehnngSfaktor, führt der Redner . ans, ist die Familie; sic reichte aber, nachdem die . Menschen sich geistig zu vervollkommnen begannen,! nicht mehr ans. ES mußte eine Thcilung. der Arbeit i eintrelen. Es bildere sich ein Erzieherstand und eine 1 Schule. Sämmtliche Schulen zerfallen in zwei Ka-; legorien, in Berufsschulen und in.Volkschulen, zu welcher letzteren Kategorie alle Schulen gehöre», die > eS überhaupt mit allgemeiner Menschenbilknng zu thun haben, mag diese nun eine niedere oder eine'! höhere sein. Die Volksschule müßte eigentlich aus! zwei Stockwerken bestehen, der Elementarschule und | der höheren Volksschule. Die wissenschaftlichen An-! stallen gehören nicht zu den letzteren, sondern zu! den Berufsschulen. Den» die Beschäftigung mit der! 'Wissenschaft ist ein besonderer Beruf. Die tvisscnschaftlichen Anstalten zerfallen in Gvmnaiien nnd Realschulen; beide sind bis heule noch nicht gleichberechtigt. Man scheint von den Raturwissenschaften zn fürchten, daß sie dem nackten Utilitätsprinziv Vorschub leisten wurden. Predigt aber nickst die Ralur selbst an allen Ecken nnd Enden den Schöpfer? Heißt cs maicrialisrische Gesinnung för-' dcrn, wenn man die bewundernswürdigen, ewigen Weltgesctze erkennen lehrt? Man hat viel gefragt: Wer soll die Schule regieren? Der Gei st, s'age ick, d e r G e i st der deutschen Pädagogik, der Geist, der jede Sckstile zu einer Bilenngsnnd Erziehnngsfchnle machen muß. In allen ^Schulen müßte die erziehliche Seite der Lehrerthärigkeit noch mehr bervorgehöben werden, als es bis jetzt geschehen. Es gibt einen Molcck', den: ein Phcil unserer Völksjngend zum Dpfer fällt, das ist! die moderne. Industrie, welche einen Theil der Metrischen physisch nnd moralisch ruinjrr. So lange dieser Moloch erislirt, dürfen wir auf unsere Hobe Enltur nickt allzu stolz sein. Gegenwärtig tritt ein Mensch unreif aus der Volkschule in's Lebeii,; darum bedarf cv für die Jugend, die ans der Volksschule hervcrgeht, besonderer Veranstaltungen , welche sie für das Leben reif Machen. Zum Theil hat der Handwerkerstand schon ans eige; nein Antriebe und mir eigenen Misteln solcke Bildungsanstaltcn geschaffen. 'Wir bedürfen.solcher Fortbildungsschulen überall in S:at>t und Land, weßhald