Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- Seite 302 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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302 ) Einrichtung und Ausschmückung versehen war, waren weil über 4000 Lehrer und Lehrerinnen ans allen Theilen Deutschlands, den österreichischen Gebieten und auch ans außerdeutschen Ländern, selbst aus Amerika versammelt zu gemeinsamer gegenseitiger Anregung und zur Erörterung von Fragen und Anbabuuirg eines fördernden Fortschreitend und Bessergestaltens in. dem wichtigsten und heiligsten Gebiete menschlicher Thätigkeit, in dem der Erziehung und Bildung des Heranwachsenden Menschzeschlechts. Dieser - wichtigen Ausgabe entsprechend, waren von der Eröffnungssitzung ad durch 6 Lage die Verhandlungen und Debatten in den Haupt- und Nebenversammlungen. Für diese waren von namhaften Pädagogen eine sehr große Anzahl,, theils allgemein wichtige pädagogische Fragen behandelnde^ theils die einzelnen DiSciplinen betreffende Äcrträge angemeldet worden, deren Discuision und eingehende B?bandkung sicher von hohem Interesse gewesen wäre. > Aber eine Jnbelrachtnähme all dieser Anmeldungen oder auch nuv. eines größern Theils derselben war bei der Kürze der zugemessenen Zeit von 3 Tagen, und bei dem vielerlei ankern die Aufmerksamkeit, das Interesse und die Zeit der auswärtigen Lebrer in Anspruch Nehmenden, das die Großstadt Berlin den Fremden nach allen Richtungen bietet, ganz unmöglich, und sogelangten denn auS der großen Menge der angemeldeten Themata nur die bbchst geringe Anzahl von 5 in den. Hauptversammlungen zur wirklichen Verhandlung. Der erste Vortrag behandelte nach Absolvirung der mancherlei Einleitungsuitd zum Theil höchst interessanten Begrüßungsreden mit Rücksicht auf den Ort der diesjährigen Versammlung daS Thema: „Preußen und die deutsche Pädagogik." Referent: Sey-sfärth aus Luckenwalde. Der Vortragende hob zunächst den erfreulichen Umstand hervor, daß. die Versammlung, die von Preußen ans so oft verdächtigt und von seiner Regierung verfehmt worden war, nunmehr hier selber eine so willige und freundliche Stätte gesunden babe, stellte das oft verkannte Streben der Versammlung in das rechte Licht und diese als eine solche dar. die d e u t sch e Pädagogik treiben wolle und als Ziel dieser: „Den Menschen zu bilden nach allen ihm von Gott.verliehenen Kräfte» zu tzer'ihm von Gott gesetzten Bestimmung." „Wir sind hier Lehrer von verschiedenen Confessionen, sind aber in unjerer Aufgabe, in unserem Wirken nach den bezeickneren Zielen einig." Die Leitung der Schule müsse nur nach pädagogischen Prinzipien erfolgen und nicht nach theologischen- oder politischen Zwecken; diese Leitung müsse häupt'ächlich bestehen in der Anerkennung der Arbeit, in der Änfeurung des rechten Eifers und das kann nur der, der selbst mitten in der Sache steht. Der Bortrage?tde ging sodann über auf die Entwickelung dieser deutschen Pädagogik in Preußen, wies hin auf deren Grundlegung schon unter Friedrich dem Großen durch Rochow, Basedow u. s. w.; auf die weitere Entwickelung und Förderung derselben unter König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, durch den Minister von Altenftein und die durch ihn nach Preußen berufenen Jünger Pestalozzis Kawerau, Türk, Harnisch u. s. w.. sodann aus Diesterweg und sein Wirken und sprach schließlich, ohne auf die neuere dieser Pädagogik feindliche Strömung der preußischen Regierung weiter eiuzugehen, die Hoffnung auS, daß Preußen, das auch auf diesem Gebiete durch längere Zeit Großes gethan, daS aber vorerst nur Hindernisse beseitigt und Fonnen geschaffen, auch den entsprechenden Inhalt entwickeln und auch hierin die Fahne des Fortschritts ergreifen, und andern Staaten - und Völkern vorführen werde. Der Vortrag, wiewohl seiner nächsten Aufgabe und dem Orte, wo er gehalten wurde, entsprechend, zunächst von Preußen ausgehend und diese» vorzugsweise berücksichtigend, hatte jedoch stets im Auge die „deutsche Pädagogik", wie sie sich namentlich seit Pestalozzi entwickelt, mit ihren natur- und zeitgemäßen Ansprüchen, wie sie die tüchtigsten und strebsamsten neueren Pädagogen äufstellen und war geeignet, sich den Beifall der zum überwiegend größten Theil aus gleichgesinnten Lehrern bestehenden Versammlung zu erwerben. Und doch erhob sich von zwei entgegengesetzten Seiten, gegen die darin ausgesprochenen Ansichten Widerspruch. Zunächst von der über das jetzt als wünschenswerth und erreichbar anzustrebende Ziel noch weit hinansgehenden Seite, die in dem Sprecher der auf pantheistischer Basis stehenden freireligiösen Gemeinde Schäfer ihren Wortführer fand, besten Ausführungen sich um den Satz gruppirten: Nicht von „Gott" ist die Bestimmung der Menschen gesetzt, sondern von der „"Natur." Die vom Sprecher aus diesem Satz gezogenen Consequenzen kann der denkende Lehrer sich wohl selber vorführen. Von der andern, der eben angeführten polarisch entgegengesetzten Seite, nämlich von der hypeporthodoren, christlichgläubig - conversativen, trat ein Repräsentant in dem Missionslehrer Hildebrand auf, dessen vorgefühne Ansichten wohl kaum hier vorgebracht zu werden brauchen. Kennt doch Jeder die widerwärtige Tractätchen-Lileratur der Missionäre und die süßliche, der menschlichen Vernunft und Natur in» Gesicht schlagende, Salbadrei der evangelischen Pietisten der ehrlichen oder — heuchlerischen sogenannten „Frommen" im Lande. Die von diesem Scelenjäger in dieser Versammlung , in die Leute seines Gleichen eigentlich als in eine Versammlung von Sündern sich gar nicht hin-