Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 22 (2.6.1869)
- Date
- 1869-06-02
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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288 mit deinem Gegner selbst verständigen und vermeide möglickst'Fedes Dazwischentreten der Oberbehörde. 0>in Frieden. den ein- Dritter vermittelt, ist gar zu oft nur ein Waffenstillstand, der den streit nur momentan unterbricht. Grundsätzlich verhandle nur mündlich mit deinein Gegner. Das gesprochene Wort, selbst in seinkr ^-erlcznng, verfliegt wie Spreu vor dem Westwinde, das Geschriebene aber vergißt er die seines Lebens nicht Also vermeide die Feder. Wolle dein Recht nie bis zum leisten Undcken verfolgen. Gin verständiger, Feldherr lässt überwundenen Feinden allemal die goldene Brücke und - : nur »er versobnte Feind . ist wabrhast überwunden.! Selten auck wirst tu ihn völlig niederwerfen können;! meistens ist er nur momentan besiegt, und nach nicht > gar langer ,ßeu iiehst du zufällig, das; Biele von; denen, die eben neck dir beigeftimmk und beim'.ich zu j dir gestanden, nun mit dem Gegner liebäugeln, wenn > nickt gar osten in Foindeslager übergeben und jetzt j Waffen wider dick schmieden. Wie leicht ist nicht s unter Leuten' gewöbnlicken Schlages der Frieden wieder Kergestellr, vereinen-und entzweien steht bei : ihnen "oft io nabe bei einander, als eins und zwei in der Zahlenreihe, Du aber bist stets beim Frie! densickluß ausgeliommen.und. hast die Kosten des Kamvfes allein zu zahlen; du der Fremde unter den! Fremden. Darum erhoffe nichts von der Zwietracht der Einzelnen unter einander und bedenke daneben, wenn du ein Gemeintemitglied bekämpfst, dast die Schläge und Schmerzen des einzelnen Gliedes fast durchweg vom ganten Körper mitempfuuken und mitgefühlt werden. Ueberbauxt "bewährt sich bei sterwürsnist'u des Lehrers mit Gemeiudemitgliedern — habe er Reck: oder Unreckt — nur gar zu leickt die ' Anstcht jenes .polnischen Rabbi, der, als er von einem seiner Icbüle.r angegangen wurde, ihm be;i Widerspruch in dem Spruche :rrr E,rv: :'::n ’T^rr l die i Gelehrtenjünaer tragen wesemlick zum Weltfrieden : bei) zu lösen, da doch über kiese — die Lebrer — . gerade die meisten Streitigkeiten entständen, erwiderte:; der Sinn liege tiefer, der Spruch enthalte eine mehr " negative Wahrheit und sei so zu verstehen: Wenn; die ganze Gemeinde st yerp.-: mit einander im Conflikt lebe, sobald eS-über den Lebrer hergehe, einige j und vereinige. ne stck nnd mache gemeinsam Front! gegen ihn, und so trügen die Lebrer dennoch zum! Frieden der Welt bei. - Ost leider nur zuwahr. — j Vermeide durchaus, dich des Unterrichts wegen mit dem Einzelnen in Disput einzulasten. Hat dich ein Schüler durch seine Trägheit oder durch sonstige grobe Unart zu einer derben Strafe geuöthigt und du wirst gleich nach beendetem Unterrichte zu dessen j Eltern gebeten, so lehne das allemal bestimmt ab. Es i könnte dir das nur "zu leickt Grobheiten aller Art! eintragen, und dein Schüler steht dir dabei wohl gar als Belastungszeuge gegenüber. Du aber bist wehrlos im Feindesland. Triffst du zufällig mit derartigen Eltern in Gcscllsckaft, im Hause Dritter zusammen, so laß dick, willst du nicht Aerger mit nach Hause tragen, mit ihm nicht in pädagogische Themata ein. Kommt er dieserbalb in deine Wohnung, so macke von deinein Hausre l l Gebrauck. Erkläre-ihm rubig aber, entschiede!,, dick mit ihm darüber nicht einlasseu zu könnest.! Bei Ungebührlickkeiten mache ihn auf die gesetzlichen Folgen aufmerksam. — Solcher «Eltern gibt es vieler Orten, die statt dem Lehrer in die Härde zu -arbeiten, jeden feiner Sckrittc mit Mißtrauen begleiten, und nack der ersten derben Bestrafung ihre-Z 'o> trefflich gearteten SöhncheuS ihn für einen Menschen halten, der seine Lust daran bat, ibr liebes Kindchen zu quälen, weshalb es ja ihre heiligste Pflicht ist, ibu stets im Auge zu behalten und zu überwachen. Können Erziehung und Unterricht aber da zu ihrer vollen Geltung kommen und so wirksame Folgen haben, wie sie sollten? Nimmermehr. Ick will hier noch einen Uebelstand kurz berühren. Duiiimheit und Faulheit, wie oft gehen.ne nicht Hand in Hand und treten in Gestalt eines verhätschelten Muttersöhnchens dir in die Klasse. Daraus erwächst jungen unerfahrenen Lehrern nur eine um so größere Plage, als sie meistens eine einseitige Cur auweukeu, auf die Trägheit des Kindes zu v-iel Gewicht legen, nnd die angeborene Dummheit, gegen die beljanntlich auch die Götter vergeblich kämpfen. zu wenig ist Rechnung ziehen Dadurch bildet 'ick jener allizngroße Eifer, der sich in den strengsten Strafen verliert, das Freundschaftsband mit den Eltern dieser Kinder lockert und es bei der geringsten Veranlassung ganz löst. 'Neulinge im Fache können auf diese .Klippe gar nicht genug aufmerksam gemacht werden: Viele schiefe Stellungen junger Collcgen und ihre baldiges Ausscheiden aus denselben lassen sich a.u» diese | O.uelle znrückführen. Man sei also aus dieie Unannehmlichkeit ssolche Hemmschuhe in der Klasse zu Habens im Voraus gefaßt, und wappne fick dagegen mit kalter Ruhe und Gelassenheit. Sieh, so viel sich mit deiner Pflicht vereinbaren läßt, von ihnen ab. Wisse überhaupt, daß es Köpfe gibt, in die ebne 'Nürnberger Trichter schlechterdings nichts hineinzubringen ist, und wo nichts ist, hat auch ein Kaiser sein Recht verloren. h?s Setze nicht gar zu viel auf Rechnung des schlechten Willens der Kinder. Schlimm ist allerdings, wenn die Dummheit mit der Trägheit stch gepaart, und uuier dem Protektorat der Eltern gewissermaßen als Tripel-Allianz dir entgegentritt. Indeß wWst dst von zwei Nebeln das Kleinste, je weniger hart du dagegen auftrittst. Eltern, die gleich bei deiner Anlrittsvinte unaufhörlich von den Fehlern ihrer Kinder i