Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 22 (2.6.1869)
- Date
- 1869-06-02
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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287 — Y<», wenn er wähnt, dast den «einigen selbst ein solcher Buncnicht Notk thue? Wad könnte der israelitische Lehrcrstand wirken, wenn er in dieser und ü jeder ankeren Bestehung einig zusamnienwirken wollte; wen» die egoistischen und particularistischen Neigungen unterdrückt würden! Was wir immer behauptet Kaden, bat fick tbeilweise bereits bewahrheitet und wirb später immer nicbr zu unbestreitbarer Gewistheit werden: Zn der Einheit liegt die Macht! Nie und nimmer ist ein provinstcller oder partikularistischer Verein für die Dauer lebensfähig! Unk wenn er auch alle möglichen Anitrengnugeu machte, er kan» doch nie leiste», was unser Verein bereits geleistet hat in rem kurzen Zeiträume seines Bestehens, was er mit Gottes Hülse und unter unserer dauernden Bcgeislernng nnd Hingebung leiste» wird. Der Gedanke, der der „Ackawa" zu (»irlinde liegt, war der fruchtbarste lmseres Lebens. Dein Gelingen beglückt u»S. Er wird uns stets als die heiligste Aufgabe, als die Missten unseres Lebens erscheinen, von der wir uns nickt trennen können noch wollen, 'auch wenn Gottlob mit uns jetzt Männer an der Spitze der Verwaltung stehe», die das Beste dessejben mit eben so feuriger Begeisterung als trefflicher '»injicbt anstreben und fördern. Do möge denn das Wert unserer Hände, daS wir mir Gott begonnen haben, fori und fort gereiben und'fick ausbeeitcn! Gott wird es schützen! Ddernbeini, den 24. Mai 1dst!>. I. Kkingenstrin. Rüftzenq und schiffszwieback für des Lclircrs (<rftlinqs fahrt auf das erste Iabr »einer Berufe!tbätigk?lt berechnet. Po» M. ttkeinkcrg, Lehdcr zu >7»ya. iPlcttc: Qcm ju glauben ist? rcdlichrr Areund, dck« tann ich dir sag,n: Klauhe dem »feben, cp lehrt bifKr al- Stehncr und Buch > » Töthe. ui. „Ich bin überzeugt." sagt her geistreiche Lickten- .terg, „wenn der liebe Herrgott einmal einen solchen Menschen schaffen wollte, wie ihn sick die Magister und Professoren der Pbilosophie verstellen, er müstte den ersten Tag ins Tollhaus gebracht werden." Do verschieden sind oft Theorie und Praxis. Buch und Leben, Gedanke nnd Wirklichkeit. Leben aber zündet nur am Leben und willst du wissen, wie e» hinterm Ofen aussieht, so mustt du Menschen fragen, die . dahinter gesessen haben. - Nicht das Buck frage, sondern das Leben, nicht das * Gesetz, daS kalt ist und unb-egfamsonder» den Nickter, d r den todten Buchstaben belebt Dagt das Neckt de» Gesetzbuches strenge Gerechtigkeit, so sagt daS Gesetz des Lebens reckte Strenge, Billigkeit, und die isl's zunächst, die ich Dir beute ans Herz legen will, junger ,freund. Nickt das Buck, .sondern das Leben. Nennt daS N c ck t z w e i ein P a a r. so lässt das Lebe n drei gerade sein und unter guten freunden ist eibf anck ein Dutzend. Nicht das Buch, sondern das Leben! ^tt das Gesetz feit undststlbiegsam wie die deutsche Treue, so ist das Leben schmieg- . . sam wie (in gallischer Hosmann, sagt ego Puck biegen oder brechen, so tälh das Leben, besser geboge» als gebrochen. Versöhiili"chkeit nnd Nachgiebigkeit, Vorsicht und Nachsicht, Billigkeit nnd Gelassenheit-, Schonung nnd Duldung, das »ind die ersten Paragraphen int Gesetzbncke des Lebens, Grabe üe rief ein in die j Kammern deines Herzens nnd last >ic stets die Haupttriebicdern deines Denkens nnd Handelns fein — diese Hauptgedanken aus dein Bucke des Lebens. Sie. bringen dick weiter als der starre Buchstabe es Gesetzes, renn der Geist belebt, wo der Buchstabe lcdtei. Glaube auch nickt, das; das uolhncudig mit Eharaklcrschwäcke verbunden sein müstte. Schau nur hinein ins Getriebe der Mensche», beobachte ste, die ihre Weisheit geschöpft aus dem frischen Born des Lebens und du wirst mir beisiimmen. 'Nur der Theoretiker, weil er das L.ben nickt kennt, klaininert »ich fest ans todie Wort amt büstl daiür ein Leben lang. Und wie jagt man von ibm? Gr ist ein Sonderling, der nicht > ' für die Welt passt. Destbalb vermeidet jede Sonder- ' stellnng und entfernt euch nicht zit sehr von den Ge- > . brauchen der Welt, damit cs euch nicht ergehe wie 1 icueni Adonis im Laude der Hinkende», der mit seinen geraden Füstcu brillircn wollte, aber statt angestaunt und bewundert bemitleidet nnd belächelt wurde. Gnt- - sernt clich ilickt zu sehr von den Gebräuchen der Welt? | Der allgemeine Gebrauch ist ein £t)ron»j mit h-rku-; tischen .wxäften ausgerüstet, dem jeder gewöhnliche i Sterbliche sich mehr oder weniger unterwerfen must; nur Tilanrn durchbrechen den Kreis tingestiafr. — , Blättere niemals gedankenlos im Bucke des Lebens, 1 sondern lese mit Bedacht und sucke zu erfahren, wo > eist Jeder seine Achillesferse hat.' Der Thor zürnt, wo-der Weltweise läckelt, nnd das Lachen hält dich gesünder als der Zctzn. Handle nie gleich nach Ausj brych des Zornes, selbst wenn dein Unwille gerecht ist.. Suche dir stets eine kalte ruhige Haltung zu bewahren, sie allein macht dich deinem Gegner überlegen. Handle nur nach reiflicher Ueberlegung und eignen freien Entschlüssen. Gib . dick niemals zinst! Werkzeug 'Anderer her. Last dich nicht aufreizcn, , deinen Zorn nickt schüren. Bei entstandenen Jwisligj keilen wolle nicht zuredenden Freunden zu Lieb Erempel! itatnireu. Wer dich aufreizt meint es entweder schlecht ■ mst dir oder verkennt deine Verhältnisse. Suche dich :