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Der israelitische Lehrer · 1869-05-19 · 20 (19.5.1869) · p. Seite 273

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
20 (19.5.1869)
Date
1869-05-19
Page
Seite 273 (sequence 5)
Language
German
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273 dem Aufrufe ier Alliance entsprochen und den vierten Theil ihrer Kasse dem Präsidium zu Gunsten der Schulen im Orient zur Verfügung stellte. Ein Antwortschreiben des Herrn Zules Lion, Präsident des Eomite's der Propaganda für die Alliance beglückwünscht die braven Zöglinge jener Anstalt für diesen Entschluß. (Möge er bald und überall Nachahmung finden. Mögen sich insbesondere die deutschen Lehrer und Schulen von mißgünstigen und von der krassesten Selbstsucht eingegebenen lügenhaften Berichten nicht abhalten lassen, für Unternehmungen zu wirken, die in ihrer Bedeutung und Großartigkeit fast überall begriffen werden, und unstreitig den glücklichsten Erfolg haben von allen jüdischen Unternehmuugen der Neuzeit. Redaktion.) London. Der ^lsraelite' veröffentlicht eine Eorrefponden; zwischen einem Herrn Jones aus Lautan und dem hiesigen Bischöfe über einen in den englischen, auch von jüdischen Kindern besuchten Schulen eingesührten Katechismus, welcher unter anderen auch die Frage enthält: „Wer hat Christus gekreuzigt?'' und die Antwort erlheilt:• „Die mörderischen Juden" (The Bloody Jews). Der Katechismus führt den Titel: „Der Eltern beste Gabe" (The parents best Gift) find ist zu dem Preise von „Einem Pennv" in Jedermanns Hand. Herr JoneS, dessen Sohn die christliche Schule besuchte, an welcher aus diesem Buche unterrichtet wurde und welcher über die berührte Frage und Antwort vom Vater Antwort verlangte, machte dem Bischöfe geeignete Vorstellungen über das Unschickliche und Nachteilige eines solchen Buchs und bat ihn, feine Aufmerksamkeit dem Gegenstände zu widmen und die Entfernung eines solchen Buchs anzuordnen. Der Bischof antwortete, daß das bezügliche Buck nicht von der Englischen Kirche autorisirt sei und man unter dem Ausdruck ^mörderische Juden" nur die wirklichen Mörder des Herrn und Heilands zu versteben, nicht aber denselben -auf die jüdische Nation überhaupt zu beziehen habe. lEs ist selbstredend, daß diese Antwort res Bischofs nicht genügt, um Entstellungen der Wahrheit zu rechtfertigen und unhistorische Ueberlieferungen als wirtliche Thatfachen auszugeben. Ebensowenig wird uns eine Erklärung dafür gegeben, wie bei solcher Anregung von Haß und Streit unter den verschiedenen Confessionen Seitens der Lehrer und durch die Lehrbücher der Religion das Christenthum sich noch eine Rclsgion der „Liebe und Duldung" nennen kann und wie die für die cheilige Mission besonders so thätiae Englische Kirche bei solchem Gebühren ihre Aufgabe versteht: alle Menschen unter Einen Hirten und in Eine Heerde, zu vereinigen, um in Friede und Eintracht mit einander zu leben und den Bruderbund der -ganzen Menschheit zu schließen!? Literarische-. Vergangenheit und Gegenwart. 1. Margarethe, 2. Der Donnerschild. Lebensbilder von I. A. Pflanz,Tübingen, Osiander'schen Buchhandlung. Wir können hier auf die Beurtheilung früherer ..Arbeiten des Herrn Verfassers hinweifen. Die Erzählungen sind immer noch nur für katholische Kinder geeignet, wenn wir auch nicht leugnen wollen, daß der Styl etwas kräftiger geworden ist. Ferdinand Schmidt. 1. Richards Fahrt nach dem Heilgen Lande. Ein historisches Gemälde aus der Zeit des ersten Kreuzzugs. 2. Die Nibelungen. Eine Heldendichtung.!!. Benjamin Franklin. Berlin, Verlag von Hugo Kästner. „Ferdinand Schmidt ist da!" Mit diesen Worten begrüßte Diesterweg die Schriften dieses gediegendften, dieses wahrhaft genialen Jugendschriftstellers. Und wir können nicht umhin, in diesen freudigen Zuruf miteinzustimmen. Hier finden wir gesunde Nahning für Geist und Herz. In Benjamin Franklin tritt uns das Bild eine« edlen DolkSmannes fast leibhaftig vor Augen; wir sehen sein kräftiges Thun, die Entwicklung seiner markigen Beredsamkeit. In Richard haben wir wohl daS Bild eines RitkerS aus jenen Kreuzzügen, deren Begründung und Erfolg stets eine ungelöste Frage für den denkenden Geschichtsschreiber bilden wird, aber wir müssen zugestehen, daß auch Ferdinand Schmidt die fürchterlichen Verirrungen des Fanatismus in ihrer.grausigen Verworfenheit wahrheitsgetreu schildert; bie Nibelungen sind eine wohlgelungene Nachbildung dieser alten deutschen Heldendichtung. Alle drei Schriften sind zur Anschaffung für Schulbibliothcken bestens zu empfehlen. Robinson der Jüngere, von Joachim Heinrich Campe, für daS Volk und die Jugend neu bearbeitet von ~ W. O. von Horn (W. Oertel» dem Spinnstubenschreiber. Wiesbaden, Julius Niederer. Der geschätzte Bearbeiter gebört zu den besten und beliebtesten deutschen Volksschriftstellern. Seine Sprache zeichnet sich durch ihre markige Kraft au« und seine Darstellung erfreut und erwärmt Jung und Alt. Nur eins, ist zu bedauern, daß die Darstellung zuweilen zu sehr dem Pietismus zuneigt, obwohl hier in diesem Buche daü nicht so sehr beroortritt, wie in dessen anderen Schriften. Das alte, vielbeliebte und vielgerühmte Jugend- und' Volksbuch, das uns in unserer Jugendzeit so wundersam anzog und viele Wochen beschäftigte, hat in der neuen Gewandung nur gewonnen und ist darum auch beute noch, als klastisch zu empfehlen.

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