Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 20 (19.5.1869)
- Date
- 1869-05-19
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
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272 Gotbeuburg.. Frau Euphrosvne Abrahamson geb. Lehmann ist gestorben und feierlich beerdigt worden. In der musikalischen Akademie erwähnte Ihrer öffentlich auch Prinz Oskar. Wien. Der Enkel deS berühmten Generals Radezkv ist zum Iudenthum übergetreten. Die Bekehrungen zum Iudenthum mehren sich überbaupt gar sehr, auch ohne missionärische'Anstrengungen und trotz dieser sind in Amerika, wo die englischen Missionäre jetzt mit ihren Tracrätlein und GelduiUcrstützungen daS Feld ihrer Thäligkeit aufgescblagen haben, die Zahl derer, welche sich oom Cbriftenthum;um Iudenthum bekehren, :'>0mal größer, alS die Zahl der getauften Juden. Hier verläugnete sogar jüngst eine Jüdin ihre Taufe und ließ sich mit einem Juden trauen. Als ihre Taufe später bekannt wurde, annullirte man die Trauung und zwang den Täufling, -erst formell zum Iudenrhum zurückzukehren. Nachdem dies geschehen, wurde die Trauung zum zweitenmale vollzogen. Aus Ungar». Hier, wie in Rumänien und der Türkei, mackr sich in jüngster Zeit die christliche Sekte der Sabbatianer gellend. In - ihren messianischen Dogmen unterscheiden sie, sich nicbt von den anderen Christen. Jnveß beschiteiden sie ihre Knaben wie die Juden am achten Tage und taufen sic wiederum, wie die Ehristeit, am zwölften Tage ihrer Geburt. Sie geben ibrcn Kindern nur biblische Namen. Ihre Gebete sind monotbeistisck. Paris, 30. April. Die sranzösiscbe Presse bat bis jetzt erfolglosfür den-Anschluß der französischen Gemeinden und Rabbiner an die deutsche Synode geeifert. GZ ist dies um so auffallender, als Prof. Fra»ck sich rühmt-, den ersten Anstoß zur Berufung' einer Srnode gegeben zu haben. Man sckiebt nun alle ^ckuld auf die Schulten! des Ober- Rabbiners oom Cemral-Consistvrium, des Herrn Isidor. An ihm liege es, den Anstoß zu geben, auf sein Wort und seind Tbat warten Alle: er müsse sich ansckließen und zum Anschluß anregen. Der Großrabbiner spricht nicht — und somit schweigt ganz Frankreick. Dies ist der Nacktbeil des Centralisationswesens. Der ganze Körper ist todt, wenn im Centrum, wohin man, alles Lehen verlegt hat, kein Leben ist. Wie man aber Alles * von diesem Centrum erwartet, geht ans zwei anderen Ereignissen bervor. Cs werden jetzt die jüdischen Zöglinge der Militärichule in die Kirche geführt, um mit ihren christlichen Kameraden der.Messe und Consirmation beizuwohnen. Man klagt da? Central-Consistorinm an. daß es ruhig zuschaue und keine Abhü.lfe schaffe. Ferner ist der Fortban der beiten isr. Tempel in Paris aus Mangel an Fonds unterbrochen. Man klagt wiederum das Eentralconsistorium an, daß cs ruhig zuschaue und nicht Gelder' sckaffe.. Hieraus erkennt man deutlich den Portheil, welchen die Autonomie der deutschen Gemeinden bietet. Es liegen hierin zwar zwei Extreme und die rechte Wahrheit dürfte, wie überall, auch hier in der Mitte liegen. Jndeß geben wir doch dem Systeme der Decentralisation wie in der politischen, so auch in der religiösen Verwaltung den Vorzug. Paris, 11. Mai. Sie haben von der gelungenen Anregung der Frl. Emma Sobernheim in Bingen für die Alliance berichtet: Erlauben Sie mir. Ihnen Abschrift des schönen Briefes zu geben, den diese an den Präsidenten der Alliance sandte; er lautet: „Bingen, den 21. Mär; 1869. Geehrter Herr C r e m i e u r! Vor Allem muß ich Sie um Entschuldigung bitten, daß ich es wage, diese 'Zeilen an Sie zu richten. Dieselben haben jedoch nur den Zweck, Ihnen mitzutheilen, daß sich hier in Bingen ein Comitö für Ihren so schönen Verein bildete. Mein lieber Vater sendete Ihnen im Jahre 1867, 80 Frcs. aus unserer Stadt und hofte er, Ihnen in jedem Jahre einen bedeutenderen Beitrag schicken zu können. Allein mein Vater ist fortdauernd an das Krankenlager gefesselt und sah sich deshalb genöthigt, dem Vorstande dsr hiesigen Gemeinde Ihre Aufrufe und mit diesen die Gründung eines Cvmite's in die Hand zu geben. Da aber auch von dieser Seite nichts geschehen kann, da die betreff. Herren anderweitig zu sehr beschäftigt sind, so war ich so frei, ein Comite von Frauen zu bilden, weil ich als Mädchen die Herren nicht anreden konnte noch wollte. Ich ging von Haus zu Haus, theilte den verschiedenen Frauen Ihre Rede in dem letzten Berichte mit, gab einer jeden einen Aufruf und herzlich gerne traten sie mit einem jährlichen Beitrage der Alliance israelite bei.. So bin ich denn im Stande, Ihnen 146 FrcS. zu senden,, hoffend, daß ich im folgenden Jahre noch mehr Mitglieder haben werde und wünschend, daß Ihr Verein fortfabren möge, durch sein unermüdliches Walten und Wirken überallhin Segen zu verbreiten. [ Schließlich erlauben Sie mir noch, Ihnen persönlich meinen innigen Dank abzustatten für die Liebe, die Sie im Allgemeinen den Frauen zollen, sowie insbesondere für den so regen Eifer, mit dem Sie die bessere Behandlung der Frauen im Orient mst so vielem Erfolge anstrebten." Ebenso erfreulich ist ein anderes Schreiben der Iöglinge des Israelitischen Instituts des Herrn und der Madame Schneider in Paris. Diese hatten im Februar eine Wohlthätigkeitsgesellschaft für ihre Anstalt errichtet (8ooiete de bien faiagance de l’Ecole israelite du gros-caillou), um den bedürftigen Zöglingen der Anstalt zu Hülfe zu kommen. Diese Vereinigung von Schülern war nun die erste, welche i