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Der israelitische Lehrer · 1869-05-12 · 19 (12.5.1869) · p. Seite 264

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
19 (12.5.1869)
Date
1869-05-12
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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— 264 — tciftct, als ein Monitor. Brachtet man einzelne Lehrfächer, so findet mancherlei Zeitverlust statt. Beim Abfragen geben Kinder zu leise Antworten, manche Fragen werden unbestimmt oder unverständlich gegeben. und zur Erlangung der Antwort muß doppelte und mehrfache Feit verwendet werden., Beim Memo riren geht dadurch; daß man die fleißigeren Scküler den ganzen ausgegcbenen Stoff ber>agen läßt, nianche Lei: verloren. Im Rechnen' haben oft fähigere Kinder chre Aufgaben viel bälder gelöst, als ihre Mitschüler, nnd bleiben dann unbeschäftigt, bis die anderen Nachkommen. Auch das Diktiren der Reckenausgaben kostet yiele Feit. .Das Korrigiren der schriftlichen Arbeiten kiann niinölbigcr Weise verlängert und zeitraubend werden.! Außer dem Lehrer sind es auch die Kinder, die zum Zeitverlust Veranlassung geben. Da sind «S zuerst die Nichtskönner, des LehrfrS Kreuz und Wehe, dio überall störend wirken. Jedes schnellere Fcrtschreiren sckeikert an ihrer Bornirlbeit und Fahlheit, und sie zeigen sich beständig als Hemmschuh sstr ihre Mitschüler. Läßt man sie jedes Jahr mit ihiier Altersklasse fortrückcn, so halten sie auf und haben selber, keinen Gewinn von ihrer Schulzeit. Die Flüchtigkeit, Flatterhaftigkeit nnd Schwatzhaftigkeit chancker Kinder.bewirkt, mancherlei Störungen, überhaupt Mange! an Äufnierksäinkeit bei allen Schülern. U n a r r e n überhaupt wirken stets störend für hie Schule. Schwächliche und unartige Kinder fordern cf: hinaus und'-halten dadurch den Lehrer und die Schüler auf. Auch .durch S ch uckv e r s ä u in nisse geht ein großer Theil der Lernzeit verloren. Durch diese verliert nickt nur das Kind die betreffende Schulzeit, srndcrn wenn ne in Masse .cinlreten, muß der Lehrer, will er nicht ein ganzes Heer von Nachzüglern entstehen lassen,,, das. noch eiimral vornehmen, was ein gtcßer Tbeil nicht gehört hat. I Auch die Familie bewirkt vielfach Zeitverlust für die Schule. Mancke Mutter glaubt der Swule rvrarbeitcn zu müssen und arbeitet ihr entgegen. Wie mancke Sckulversäümnisse, wie manches Zuspätkommen des Kindes wird durch Gleichgiltigkeit und Unordnung dsr Eltern veranlaßt! „Diele Eltern sehen ihre Kinder nur als Mittel zum Broderwcrb an und nicht als unsterbliche Wesen» die ihnen von dem Eigenthümer aller Seelen zur Erziehung für Leit und Ewigkeit anvertraut find. In ihren Augen ist ein Kind weiter nichts als ein Wesen, das — zwei Hände hat. Ans Eigennutz bilden daher solche Eltern bloß die Hände ihrer Kinder zur Handarbeit und lassen Kopf und Herz derselben brach liegen. Aus Eigennutz entziehen sie ihre Kinder.der Schule und laffcn sie dieselbe zu oft versäumen (Zeller, Lehren und Erfahrung, 1 S. 71)." Schon das wenige Interesse, das manches Haus für den andern Factor .der Erziehung hat, wirkt - für die Thätigkeit des Kindes für die Schule abschwäckend: das Kind wird nicht angehalten, sich auf die Schule vorzubereiten, manches Lehrmittel wird aus Geiz, Gleichgültigkeit und Oppositionssncht nicht angeschafft und die Unarten, denen anfsicktslose Kinder anbeimfallen. müssen, hemmen einen schnelleren Fortschritt in Erziehung und Unterricht. Wird das Kind an Ausarbeitung seiner häuslichen Aufgaben gebindert, so geht der Schule durch Nachlieferung derselben manche Feit dahin. Auch Ortö - und Schulverhältnisse bewirken oft Feilverlust für die Schule. Wo für Anstellung der der Fahl der Kinder entsprechenden Lehrerzabl nicht gesorgt ist, so daß ein Lehrer mehr Kinder und Klassen erhält, als seiner Kraft und Zeit angemessen sind, findet nicht nur einmaliger, sondern regelmässiger und fortlaufender Feitverluft statt. Wenn man eine zu große Schülerzahl in mehrere Klaffen theilt und diese zu verschiedener Zeit in die Schule kommen läßt, so geht für jede Klasse von der schon so kurzen Schulzeit verloren: AbtheilungSunterricht ist nur ein Nothbehelf. Wo die Sckullokale zu eng und unpraktisck sind, entstehen manche Hemmnisse, wo besonders Anschauungsmittel fehlen, kostet cö viele Zeit, um sie durch Erklären, Feichen u. s. w. zu ersetzen. In manchen Orten werden Schulversämiiuisse nicht gehörig gerügt, so daß sie sich zu oft wiederholen. In vielen Orten müssen zu gewissen Zeiten die Mehrzahl der Gemeindeangehörigen von den Arbeitskräften der noch schulpflichtigen Kinder Gebrauck machen, und dann werden die Schulen den materiellen Interessen nachgesctzt, wodurch die gesetzlichen Vakanzen verlängert werden müssen. (Schluß f.) Wochenbericht. Odernheim. Die Synode wird nach der Veröffentlichung der „Allg. Ztg. des FudenthumS" am 29.^Juni in Leipzig stattfinden. Wir hoffen über diese die G es a m m t be i t betreffende Angelegenheit Näheres in unserer nächsten Nummer bringen zu können. Bayern. Das neue Schulgesetz, welches uns das gleiche Recht mit den christlichen Schulen erhalten hätte, ist an dein Widerstand der Aristokratie und der Geistlichkeit gescheitert, wird jedoch in der nächsten Saison wiedertehren, ob. mit Erfolg oder nicht, da« wird unseres BedünkenS nur davon abhängen, ob man sich bei uns auch wie in Oesterreich;u einem PairSschub wird entschließen können. Für die armen ReligionSlehrer ist jedoch unter allen Umstände» nicht« zu hoffen, es sei denn, sie bewirken durch eine Massen-

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