Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 19 (12.5.1869)
- Date
- 1869-05-12
- Page
- Seite 265 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428712-5432014--2433-4898788- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
265 -i 265 — pletitionl deren Ueberweisung an die Staatsregierung zur Abhilfe. Den einzelnen Gemeinden wäre es übrigens ein Leichtes, ihre Religionslehrer-Stellen durch Errichtung ständiger Provisorate zu Volksschulen zu erheben, besonders da in neuester Zeit auch die Berlindung der Cckächtcrstelle rcgierungSseitS, wenigstens ist Mittelfranken, gestattet wird. Manche Gemeinde könnte, Wim daö Schulgesetz später zu Stande kömmt, va die desfallsigen Bestimnmngen von keine.» GesctzeSfaktor beanstandet wurden, auch, difinanzielle Hülfe der politischen Gemeinde in Anspruch nehmen. Der Rabbiher Herr Dr. Fürst in Baireuth erhält für den Religionsunterricht am dortigen Gymnasium eine Remuneration von 1:'>0 st. äuS Staatsmitteln gleich seinem Vorgänger Herrn Dr. Aub. Schreiber dieses hatte kürzlich. Gelegenheit, den freireligiösen Prediger Hrn. Scholl in zwei öffentlichen Vorträgen mit noch mehreren Glaubchsgenossen zu hören. Wir Juden nun konnten, ohne demselben in seinen Grundanschaunngesi über daS Dasein oder vielmehr Nichtdajein Gottes und .einer Offenbarung zuzustimiucn, weil wir abweichende Ansichten und Gegenrede gewohnt sind,. ich sage wir Juden, konnten mit | üüc'fyiiefaüeii dem Vortrage folgen und in gar vielem beislimmeii, besonders noch darin, daß das Wesen der 'Religion ein inneres, auf Heiligung beruhendes sein und daß weniger oder gar nicht der Glaube, der der Vernunft widerstrebende Glaube, wohl aber mehr -.Ni ahr heit, mehr Freiheit und inehr Liebe die Mcnjch- >hcil beherrschen müsse. Die Gerechtigkeit, welche er! dabei ohne Rückhalt dem Fudentbiyn widerfahren ließ, daß es die Grundsätze Allgemeiner Liebe, auch der FemdeSliebe sc. geboren im Gegensatz zu gläubigen und ungläubigen Christen, welche auf jene ein Privilegium zu haben vcrnieinen, that einem jüdischen Hrrzen wohl aus christlichem Munde. Anders die christlichen Zuhörer. Entweder sie stiminten in Allem bei und bekannten die Jrrthümer ihrer Kirche oder sie waren entrüstet ob des Frevels, das Heilige, bas Bestehende, anzngreifen nnd diese Entrüstung gab sich noch mehr bei denjenigen kund, welche nicht selbst den Vorträgen beigewohnt, sondern nur davon gehört und zwar selbst bei gebildeten Männern. Sie können nicht vertragen, daß das einmal Angenommene und Ueberkommene rauh betastet wird, weil da Alle« zu fürchten ist. Protetestansen und Katholiken gleichen sich hierin ganz. I Meiner Mittheilung in Nr. 14, daß Dr Jacobi I in Königsberg, einer der Stifter der Arbeiterafsociationrn 1 in Deutschland ein Jude sei, setzten Sie ein Fragezeichen bei*) und wollten damit die Wahrheit derselben bemängeln. Dem lst aber meines Wissens also und Durchaus nicht! Wir wissen ganz wohl, daß er rin Jude ist. i Aber er ist doch nicht eigentlich Stifter der Arbcitrraffociati»n, »hwohl der geachtetst« Denwkrat. N-d. ich erinnere mich noch, vor länger denn 40 Jahren eine Brochüre in Sachen der Juden vvn ihm gelesen zu haben. Ein Religivnswechsel ist von diesem Manne nicht zu erwarten. Es mag sein Vorname Johann — unser guter Jochanan Manchen anders glauben lassen. Derlei verdient schon constatirt zu werden» weil sie uns so gem die Mitwirkung zu guten allgemeinen Bestrebungen absprcchen. Lassalles Judcnthüm scheint freilich nicht weit her gewesen;u sein, aber er blieb doch ein Jude biS an seit. Ende. Wien, 2-'>. April. Den „ethnographischen Studien" Jcllinek'S, deren erster Band den „jüdischen Namen" behandelt, wird bald ein zweiter folgen. Di» „Presse iör." in Paris veröffentlicht bcreiSProben daraus. Am 11. April wurde hier ein Eonverkiten-Paar getraut. Die Braut, eine-geborene Zdatholikin, war natürlich ihrem Bräutigam zu L'cbe Jüdin geworden. Dr. Jellinek hob in der ^ranungSrede bedeutungsvoll hervor, daß durch diese Bekehrung die 7 ochter ihren christlichen Elterirnstcht abwendig gemacht worden sei; die Herzen der Kindes und der Eltern gehören ewig einander au. Ter Einfluß unserer Religion will nichts weniger als sie trennen. Jeder bemerkte hier deutlich genug den Unterschied zwischen den Grundsätzen der einen und der andern Religion. Wie», 27. April. Die „Abendposl" veröfsentlicht ein Telegramm aus Bukarest vom 20. Slpril, wonach die Vertreter OcsterreicbS nnd Englands beim Ministerprästdentcn von Rumänien wegen des kürzlich erlassenen Circnlärs Cagolitscheano'S, betreffend die gegen die 'Israeliten in den Dörfern verhängte Confiscation, dringende Vorstellungen gemacht härten. Frankreich würde sich diesen ^Schritten anichließen. Auch in Praq handelte cS sich jüngst um die Trauung einer Convertitin. Dr. A. Stein zMeisel-Syn.) hatte sie unterrichtet und die Vorbereitung vollend.t, als das provisorische Gemcinde-Rabbinat (Kämpf) mit Erfolg die Vollziehung des Proselylen- und TrauungS- Akts in Anspruch nahm. In Prag starb auch jungst Juda TeweleS, ein ausgezeichneter Talmud - Gelehrter und Lehrer. - Er trieb ursprünglich das Uhrmacher-Handwerk, welches ihn kümmerlich ernährte und ließ sich erst in der jüngsten Zeit bewegen, gegen eine kärgliche Besoldung die Oberlehrerstelle an der Talmud-Torah-Schule zu übernehmen. Rabbi Juda TeweleS erinnert durch diese Lebensweise vollständig an die Talmudgelehrten der alten Vorzeit, welche Schuster und Schneider und daneben ausgezeichnete Talmudpfleger waren und das Torah-Studium nicht zum Spaten machte um damit nach irdischen Schätzen zu graben. Dir hiesige Presie veröffentlicht ein Telegramm aus Pesth, wonach Dr Mandel, ein Israelit, zum Beisitzer des Königl. Gerichtshofs ernannt wordest ist. ■v