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Der israelitische Lehrer · 1869-05-05 · 18 (5.5.1869) · p. Seite 257

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
18 (5.5.1869)
Date
1869-05-05
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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257 ter der neuen Anstalten zwar ein christlicher* **)), aber nicht ein einseitig konfessioneller sein solle und insbesondere die Forderungen anfstellt: 1) daß — abge-- sehen von dem gesetzlich gebotenen Einfluß auf den Religionsunterricht — keiner Kirche oder ReligionSgenoffenschaft ein Anrecht an den neuen Anstalten zustehen solle; 2) daß die Angehörigen keiner — christlichen oder nicht christlich-,! — ReligionSgenossenschast von dem Eintritte in da« Lehrer-Collegium um ihre« religiösen Bekenntnisses willen ausgeschlossen werden dürfen." Man/leht daraus, daß die Forderungen der Commune «ln Bezug auf diese Frage bescheiden genug sind! (F. I.) Wien, 20. April. Der Borstand der iSraeli, tischen Gemeinde in Wien hat gestern beschlossen, einen Dvputirten zu der projectirten Synode der deutschen Israeliten abzuordnen. Ein Conflict zwischen dem Wiener Rabbinat und dem Wiener Magistrat wird wohl keine bedenklichen Folgen haben. Auf die Beschwerde des israelitischen Chemikers Eckstein, welcher sich entschieden weigerte, sein Söhnchen beschneiden zu lassen, weßhalb die Eintragung in die Register der israelitischen Gemeinde versagt wurde, verfügte der Magistrat von Wien, daß hie Eintragung auch ohne Beschneidung erfolgen müsse. Wie verlautet, bat der Borstand derisraelitischen Gemeinde den Majoritätsbeschluß gefaßt, gegen die Verfügung des Magistrats keine» Recurö an daö Ministerium zu ergreifen. —) Weniger nachgiebig sind die orthodoxen *) Also doch Redaction **) Dir muffen, um auch uns -rerseit« unseren Standpunkt dieser neuerdings wieder ausgetauchtm Frage gegenüber einzunehmen, unsere Ansicht duhm aussprechen, daß das Rabbinat der isr. , Religionsgemeiudc ganz im Rechtist, wenn es die Eintragung als ReligionSbehörde versagt und den Vorstand dahin beveulet. Die Religionsgemeinde ,st autonom — und so wm g man dein christlich.» Geistlichen zumuthen wird, rin Riad in da« Kirchenbuch oder Taufregister einzutragen, wenn das Kind nicht gi-tausi ist, so wenig kan.« man die israel. Religionsbehörde zwingen, ein Rind als Glied seinr Gemeinde zu betrachten, dessen Vater die nach dem bisher gültigen, uralten Gesetze erste Bedingung zu des Rindes Aufnahme in den Bund eigenmächtig nicht erfüllt. Man o-rschone uns mit den Überästhetischen und sentimentalen Phroscn. die man gegen die V.schneidung aufdringt. Aerzte und Sachverständige der Gegenwart haben eben soviel« und güte Gründe für viessibe beigebracht. Unzweifelhaft ist, daß da« ästhetisch« und Sittlichkesttgesühl bei dc:i JSraelüen durch diesen Akt durchaus bis heute nichts eingebüßt hat und daß er mindestens nicht gesährlicher ist. als die Taufe der Rleinen in den großen »nd kalten Rirchen.. Ist von einer anerkannten ReligionSbrhörd« — derSynode! — ein Ausweg gesundru, nun, dann mag der Renitente sich darauf berufm. Vorerst kann wohl die weltliche Cioilstanosbehördr. die sich um Religion und Eonfeffion nichts zu kümmern hat, nicht aber drr Vorstand einer Synagogengemeinve zur Eintragung' des unbetch uttenen Rindes gezwungen werden. Ist in Oesterreich die Führung der Geburtimalrikel Sach« der Rrligionsgemeinde, so muß diese chr Recht über Ausnahme und Richtausnahme wahren dü.fen — oder man übergeb« di« Civilstandsregister den «eltlichew Behörden, welchen sie gehören. Redaktion. Juden in Ungarn. Der Rabbiner von Munkacs, der fanatische Wortführer der reactionären Partei im israelitischen Kongreß' zu Pest, hat zwei zur Fortschrittspartei gehörende Aerzte in den Bann gethan und in der Synagoge verkündet, daß Jeder, der diese Abtrünnigen steinige, ein Gott gefälliges Werk thue. Bald darauf wurden die feierlich Verfluchten von einer großen Schaar jüdischer Fanatiker auf der Straße beschimpft und mit Steinen beworfen und nur der raschen Intervention der Sicherheitswoche hatten sie ihre Rettung zu verdanken. Die beim Comitatsgericht eingeceitete Untersuchung wollten die Excedenten durch Grloofferten rückgängig machen, was jedoch nicht*gelang. - (F. I.) Wien» 25. April. Der Einfluß der conjessionellen Geseye hat sich dahier im vorigen Jahre insbesondere auch in einer bemerkenSwerthen Richtung gellend gemacht: eS sind 76 Katholiken zum Jndenthum übcrgekreten. ES waren dies zumeist Rücktritte von solchen, die früher zum Christcnlhum üdergetreten waren. Memel» 20. April. Ueber den Roth stand unter der. jüdischen Bevölkerung jenseits der Glanze geht unS nachstehender Klageruf zu: „ES ist vielfach daran Anitog genominen worden, daß die Wirksamkeit unserer HülfSvereine einen zu auSg schließlich confessioszellen Charakter trage. Dem aber ist nicht also. Wir unterstützen eine von Hunger und Krankheit bis zur Ve> ni inung heimgesucht^Mdnschenmasse; daß diese >n->k oüerigcrweise nur aus Juven besteht, beruht eineS:h>.ils auf der eigenthüul ichen Beschaffenbrit bet Gränzbevölterung, anderntheilS auf der eigeiithümlich-n Beschaffenheit des Nothstandes Von Kurland bis Galizien wobnt nämlich längs der preuß. Grenze in Rußland und Polen-eine so zahlreiche, dichtgedrängte israelitische Bevö'kerung.daß man — die großen, auch kaum zur Hälfte aus Christen best-hendenGouverneineutspläye ausgenommen in fast allen Städten nur Juden antriffr, und dort oft weiter Niemand als die manuichsaltigen und zahlreiche» Beamien und Geistlichen Christen sins Bis vor kurzem vom Ackerbaubelrieb ausgeschlossen, haben sie »sich fast allesammt in den Slädten concentriri, hoben Handel und Handwerk, währenv die Christen sich auf dem flachen Lande verbreitet n und die Bodencnlkur in Besitz genommen. Wohlhabend war diese jüdische Bevölkerung, nach unseren Begriffen, eigentlich niemarS, wohl aber nach ihren; denn sie bedurfte zum L benöunt rhalte stets so äußerst wenig, daß sie daö Wenige'mit größter Leichtigkeit sich beschaffen konnte. Seit einem Jahrzehnt aber haben eine Menge mißlicher Umstände, wie wir sie näher in unserem R'chrnsch ffiobericht angegeben, ihnen alle Nahrungs- und Ernäh ungSgnellen versiegen lassen. Sie sind immer mehr herabgekoinmen, auch die Vermögenden sind nach und nach verarmt, oder

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