Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 17 (28.4.1869)
- Date
- 1869-04-28
- Page
- Seite 247 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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247 i freien Leben der das Höchste mit Das Motiv für dieses Rischus der Gegenwart ist das alte, egyptische, nun mehr in geistiger Beziehung angewendel: uc's disj/i m banz' dj, run. Dies Volk Israel wird unS zu groß und zu mächtig, zu einflußreich und übermüthig. Betrachten wir die Motive der Herren Mohl, Wagner und Consorten, so ist der langen Worte kurzer Sinn: der jüdische Gei't überflügelt uns! ES wäre das freilich ein schlechtes Zeichen für die Vivacstät. der europäischen Völker, wenn sie sich von den paar Juden, die erst seit wenigen Jahren in die Bewegung der Gegenwart eingetrcten sind, beherrschen ließen; der vernünftige Mensch erkennt diese Phrasen als daS, was sic sind: Unsinn, Einbildung, phantastische, persönliche Rancnne, auf die eine ernste Erwiderung unmöglich ist.' Eine Wahrheit liegt jedoch dem bösen Worte zu Grunde: die ISraeliten dürfen mit gerechtem Stolze zurückblicken auf die großen bewundernöwertheii Fortschritte, die sie im Laufe der letzten fünfzig Jahre gemacht. Kaum sind die Thorder Iudengasse geöffnet, so sehen wir die der Freiheit Ungewohnten sich mit aller Macht und Hingebung betheiligen an dem ganzen Gegenwart und auf allen Gebieten Begeisterung-an streben. Ein solches Ruhmes-Zeichen einer bewundernswcrtben und rührenden Aufopferung und Hingebung für die Zwecke der>Erz i eh un g und Bildung ist auch die Geschichte der Entstehung der jüdischen Schule zu Frankfurt a. M. Aus der Sammlung für die Heranbildung eines einzigen heimathlosen jüdischen Knaben sehen, wir eine Anstalt erwachsen-, aus welcher eine groß« Anzahl bedeutender Mäimer und die intelligente Bevölkerung eines ganzen Gemeinde hervvrgegange», in welcher jetzt nach 64 Jahren des Bestehens und Wachsens 431 Schüler lind 244 Schülerinnen von 26 ordentlichen und 4 provisorisch Ihätigen - Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet werden in einem prachtvollen Gebäude und in einer Anstglt, die den trefflichsten Bildungsanstalten der Stadl, ja ganz Deutschlands an die Seite gestellt werden kann. Die Geschichte des Anfangs dieser Anstalt, ihr erstes Entstehen und Werden erfahren wir aus dem vorliegenden Programm, daö zu gleicher Zeit einen Einblick bietet in den Geist jener Zeit des Werdens überhaupt und in den Geist, in welcher in unserer Zeit diese Anstals geleitet wird. Wir freuen unS, einen großen und bedeutsamen Fortschritt gefunden zu haben beim Vergleichen dieses Programms mit früheren derselben Anstalt. ES ist die aus dem Ganzen sprechende Anhänglichkeit an daS Judenthum, das jüdische Bewußtsein, das uns wohl thut in dieser Prüfungsschrift, die in dieser Beziehung einen erfreulichen Gegensatz zu vielen früheren bildet. Ja, hie Zeit ist vorüber,^ wo man sich feines Judenthums j schämte, wo man im Ausgehen in die „Kirche," in > gesinnungslosem Aufgeben alles specisisch Jüdischen | das Heil erblickte. Wir wissen jetzt, daß „jüdische" Anstalten, ohne ihre Herkunft zu verlängne», den höchsten Zwecken der Menschheit und des Judenthums zugleich dienen können. Das ist ein bedeutungsvolles! Moment in der Entwicklung dieser Anstalt selbst, und! wir freuen uns, daß sich dies so deutlich in dieser j Abhandlung ausspricht. Bingen, 2l. März. Als nachabmungswürdiges i Beispiel berichten wir, daß durch die Bemühungen; der Frl. Emma Sobernheim, Tochter unseres wür-! digen, leider über schon seit Jahren erkrankten Rabi biners, sich hier ein Lokal-Eomite für die Alliance , isr. universelle in Paris, aus Damen bestehend, ge-; bildet und sich bereits eine große Anzahl Damen als Mitglieder eingezeichnet bat. Die erste Geldsammlung! ist abgesandt worden. j Ein zweites nachahmungSw.lediges Beispiel wird uns von Paris gemeldet. In dem dortigen Institut des Herrn Schneider sammeln die Schüler monatliche Beitrage für die Alliance. Die Begeisterung für die heilige Sache der Alliance wird auf diese Weise schon in den Herzen der Jugend groß gezogen und wächst mit ihnen auf. Kowno, im Aprils Noch hat die Noth unter den Israeliten im westlichen Rußland ihren Gipfelpunkt nicht erweicht. Der Hungertyphus wüthet in herzerschütternder Weise, überall fehlt eS an Nahrungsmitteln, Wäsche und Kleidungsstücken. Am hiesigen Orte allein, wo mit unentgeltlicher Lierpflegung von tausend Armen begonnen wurde, hat sich die Zahl der der Unterstützung Bedürftigen aus 4000 gesteigert. Dem Auslände gegenüber dürften folgende Bemerkungen nicht überstüssig sein. Der Hauptgrund der Verarmung und des Elends unter den hiesigen Juden und gerade nur unter ihnen besteht darin, das, die hiesige Gegend von ihnen überfüllt ist, sie so. gedrängt zusammenmohnen, daß reinere Lust schwer eindringt. Den größten Theil der hiesigen Armen machen die Handwerker auS. Während die Juden bisher keinen Ackerbau betreiben durften, widmete sich die ärmere Classe fast ausschließlich dem Handwerk, und da durch die Neberfülluitg desselben es den Arbeitern an lohnender Beschäftigung fehlt, so ist die Armuth Mit Riesenschritten vyrangerückt und hat bei eintretender Theuerung alle: Gränzen überschritten. Was gegen die gegenwärtige Hungerönoth geschieht, sind bloß palliative Mittel, die allerdings nothwendig sind; was zur dauernden Abhülfe geschehen muß, das ist^ daßmarn die Uebersihdelung eines Theils der Handwerker nach anderen Gegenden hes Reiches bewirke. Bis vor Kurzem war dies den Juden nicht gestattet, und daher die unheilbare Verarmung; jetzt aber, wo ihnen, I