Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1869-04-28 · 17 (28.4.1869) · p. Seite 246

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
17 (28.4.1869)
Date
1869-04-28
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4896751-5428712-5432010--2412-4898769
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

246 Höben der Gegenwart hineinragt; — wie diese die! Berechtigung einer Synode auch'in unserer Zeit bezweifeln können, ist wobl zu oerwundern. 'l Man fragt: Welchen Zweck soll die Sonode > haben? Den Kultus ändern, verbessern, beben. Das j ist nutzlos, sagt -mau, ja icbädlich. . Die Reform deö ■ Kultus, fährt inan fort, treibt die Indifferenten nicht in die Svnagog:, sondern die „Frommen" aus derselben. Es ist wabr, die Erfahrung spricbt cafür, und doch ist es nicht möglich, die Cultusfrage unberührt zu lassen. Genügt, und nützt denn der iradirte Kultus? Die Meisten seiner Anhänger üben denselben i nur in bewusttloser Gewohnheit, nicht mit selbstbewußter! Begeisterung. Aber vermag inan ohne Refcrmirung! deö CultuS, welche, abgesehen von diesem praktische»! Zwecke auch eine ^rincipielle Bedeutung bat, die Zn-; differenten für die Synagoge zu gewinnen? Und darf ] es der Orlbodorie selbst jo gleichgültig sein, ob diese j gewonnen werden oder nicht, — daß sie gar nicht darüber nachdenkt 'und weder die Hand dazu bietet, noch sucht? Gilt ihr denn nicht die Mahnung deS Propheten und des täglichen Gebets, ganz Israel zu samiueln? Also auch dib Orthodoxie bat Grund und Veranlassung, sich an her Synode zu bethciligcn. Und wenn sie nickt gleich« Wege mit der :Jtcjcriri gehen will und kann, so Haff sic die Pflicht zu kommen, um den Geisteskampf zu kämpfen und andere Wege Vorzuschlag'n. Es ist Allen um Belehrung und Verständigung zu thun; Eimzung der zerstreuten Gemeinden Israels ist unser tägliches Beten, Hoffen und Streben, wenn auch'nicht auf dem örtlichen, so doch aus dem. geistigen Dotbn- Jerusalems. Die Synode, gebt,-wie behauptet wird, von der Reforir.partei als solcher aus. Dies ist eine irrige Anschauung. Selbst die- Rabbiner-Versammlung in Cassel hat nickt dieser Partei als solcher angehörh, und diese hat die Svncoe nur äußerlich vorbereitet!, aber weder an eine- Geschäftsordnung, noch Ainrägei, noch Beschlüsse gebunden und die Einladung auch nicht an eine Partei, sondern an die Gesauimvheil Israels gerichtet. Es ist ausdrücklich erklärst worden, daß die Synode sich frei, ans sich constitlijiren solle, ebenso' wie die Freiheit in Bezug aus dir praktische Annahme und Ausführung der etwaigen Beschlüsse gewabr! worden - ist. Eine Majorinrung der Versammelten findet nicht Statt., die Minorität soll nickt gedrängt werden. Dies gehört zum Wesen der Religion überhaupt und des Judenthums insbesondere. Auch die Theiknahine der Laien ist beanstandet worden: man will -wenigstens, wie man sagt, die Ignoranz, d. b. doch wohl'die nicht theologisch Gelehrten, ausgeschlossen haben. Man bedenkt aber nicht, daß gar viele Kultus- und Schulsragen auch von der praktischen Seite der Ausführbarkeit beurtheilt werden müssen, und um wieviel leichter es auch ist, das Polk für die Ausführung von Beschlüssen zu gewinnen, wenn diese nicht octroyirt, sondern von Männern deS Volks mitberathen worden sind. Die allgemeine constitutionelle Grundregel ist ja: Nicht blos für, sondern auch durch daS Volt; nickt bloS mittbaten, sondern auch mitralhen. Sogar rein praktische Fragen werden vielleicht zur Sprache gebracht werden, bei deren Beant-. wortung durchaus nicht theologische Gelehrsamkeit den Ausschlag gibt. So wird man fragen: was nützt es Beschlüsse zu fassen für Kultus und Schule, wenn Kantoren und Lebrer fehlen, sie auszusübren? Faktisch aber ist es so, daß ein großer Theil der Gemeinden eines Kantors und Lehrers zur Zeit entbehrt, ein anderer nur mit unzureichenden und unfähigen Kräften versehen ist. Da. ist cs von Bedeutung, woher Seminarien, wober Zöglinge dafür schaffen und welche Anforderungen an deren Ausbildung gestellt werden sollen; da ist^eS von Bedeutung, woher die kleinen Ge-! meinfccu die Mittel zur Anstellung der Lehrer und Kantoren bc'chaffen sollen, ob eine Vereinigung mehrerer Gemeinden und bis zu welchen Entfernungen stattffnden soll, llnd zolcher Fragen gibt es mehrere noch auf dem Gebiete des Kultus und der Schule. Hieraus ersehen Sie, daß Momente genug vorhanden sind, welche auch die kleinsten Gemeinden und - vielfach gerade diese, deren Lehrer und Vorsteher, veranlassen sollen, sich für die Sonode zu interessiren. Große Gemeinden'haben Selbstständigkeit und LcbenS- | kraft in fick, trotz ihrer verschiedenartigen Zu- : saniincnsetzi'lng, fortzubestehen und zu gedeihen. Jedoch ' hat auch für diese die- Einigung mit dem gesammten! Israel Werth genug, um sie zu erstreben. Aber kleine Gemeinden stehen für sich ratb- und hülfloS da; darum sollen diese die Hand, welche Ihnen die Synode bietet, mit um so größerer Bereitwilligkeit ergreifen. Wochenbericht. 4* - L>dernheim, im April. Die EinlakungSschrift zu der öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. enthält eine Abhandlung: „Zur Geschichte der Schule. Erster Theil. DaS Philanthropin 1604 — 1813; vom Direktor der Anstalt vr. Herrmann Bärwald." Es ist eine eigenthümliche Erscheinung der neuesten Zeit, daß Judenhaß nicht nur von solchen Männern" gepredigt und gepflegt wird, die angeblich auf. der Höhe! der Ge genwart stehen, von sich Demokraten und Libe-! rale nennenden Staatsmännern, Humanisten und Kosmo- I Politiker,i, sondern selbst gar von „Z u k u n ft smusikern."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.