Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 17 (28.4.1869)
- Date
- 1869-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er IsrseliüseKe Kekircr. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. .Organ für den Verein „Achawa." M n. De» 28. April 1869._ 9. Jahrgang. WSchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher «bsnnnncntsprcis 40 Ir. 11V* Egr. Anzeigeirkzu 1 Sgr. di« Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter unv Buchhandlungen' an. Die Synode. Briet an einen Lehrert Sie hören verschiedene Stiimnen und enlgegenstchende Aeußerurgen über die projektirte israelitische Synode und wissen nicht, o5 Sie, und viele mit Ihnen, als Lehrer sich dafür interess'ren sollen. Denn die Lehrer als solche sind nicht->nur zur persönlichen Theflnahme berechtigt, die Theilnahme der Gemeinden hängt auch oft von dem Interesse ab, welckeS die Lehyer dafür anregen. Gewiß ist daher die Begeisterung und-Agitation der Lehrer für das vorliegende Projekt von Bedeutung^ wie Sie bereits hervorzehdben haben. Man hat daher sicherlich die' Lehrer nicht grundsätzlich von der Beteiligung auSjchließen wollen, aber vielleicht war es ein Fehler, sie nicht ausdrücklich unter den Gingeladenen zu nennen. Die Lehrer können ja in doppelter Eigenschaft in die Synode treten: als „Gelehrte," denn ste sind als Lehrer und Kantoren Sachverständige und Männer des Fachs für Schule und Synagoge und als „Abgeordnete." Und wenn ihre theologische Bildung auch von anderer Seite ausgewogen würde, das Cantvrat ist ein wichtiges Moment im Cultus und wird meistentheils von den Lehrern vertreten. In Schulfragen würde der Beirath .der Lehrer nicht minder vermißt werden. Ja, in manchen CultuS- und Unterrichtsfragen würden Rabbiner in für sich abgeschloffener Berathung vielleicht nur zu sehr auf theoretischem Boden fick bewegen; der Beirath von Lehrern, Cantoren und Gemeindevertretern wird die Vorschläge meistentheils nach ihrer praktischen Ausführbarkeit beurtheilen. Durch die Hinzuziehung dieses Elements wird auch wohl in gar vielen Fällen für die Vorschläge erst der Boden der praktischen Ausführung gewonnen. Ihre Frage also, ob die Lehrer sich für die projektirte Synode interessiren sollen, kann und darf nicht anders als mit „,3a" beantwortet werden. Zu bedauern ist, daß bis jetzt noch so viele große und bedeutungsvolle Gemeinden mit ihrer Erklärung für Beschickung der Synode zurückgeblieben sind. Aber die Anmeldungen sind überhaupt, „och nicht zahlrcick genug. Wenn die Lehrer ' auch nicht überall auf die Beitrittserklärungen der großen Gemeinden von Einfluß sind, in den kleineren ist indes; oft ihre Stimme und Meinung von entscheidender Bedeutung. Durch Mitwirkung und Beeinflussung der Lehrerwürden daher wohl die Erklärungen dieser Gemeinden zahlreicher erfolgen. Jedoch das Projekt der Synode Jtößt nicht bloö auf Gleichgültige und Unentschiedene, sondern auch ' auf Gegner. Ich meine nicht seitens der sogenannten Orthodoxen. Von dieser Seite mußte man auf Opposition vorbereitet sein. Aber Männer und Schulen, welche dieser Richtung nickt angehören und den Fortschritt predigen gleich Anderen - wie diese die Reform verhöhnen und die Snnode verdächtigen können, ist nnbegreiflick. Jene jungen Männer, welche noch keine selbstständige Ansicht und Richtung haben, überall „auf das Wort des Meisters schwören" und mit dein Winde segeln, welcher von Oben weht, daß diese am lautesten schreien, um gehört, und am auffälligsten reden, um beachtet zu werden, ist nickt zu verwundern. Aber Männer der Wissenschaft, welche durck ihre Gesckichtsstudien von der fortschreitenden Entwickelung tvisieu, der das Judenthum von jeher unterlegen hat, denen auch die Synodalversaminlungcn und -beschlösse früherer Jahrhunderte sR. Gerschom rc.) nicht unbekannt sind, welche wissen, daß das Judenthum der Wüste nicht das des heiligen Landes, das von MoseS nicht das der Propheten und das der Propheten nicht daS der Sopherim geblieben ist, daß der Talmud selbst von halachischen Diskussionen und Abänderungen Zeugniß gibt und daS rabbinisch - traditionelle Judenthum unserer Tage durchaus nicht das Judenthum der früheren und frühesten Vergangenheit ist und die Geschichte somit den Beweis liefert von dem historischen Fortbau des Judenthums, welcher aus dem Fundamente des Mosaismus sich erhebend in die lichten