Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 16 (21.4.1869)
- Date
- 1869-04-21
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Buch ift als Dcrbereittrng iür sie vrojectirte Svnodc geschrieben und, als von" einem Laien ausgehend. rcn Interesse und Bedlutuug. Es liefert den Beweis, dass -das Projekt Anki ang findet und der gefürchtete JndifferenticmuS kleiner ist, als, es den Anschein bat. Trotz der Jrrtbümer in Anschauungen und Anträgen sprechen wir dem Pcrfasser viel Sachkenntnis? zu, mehr als wir in der Laienwelt unserer Zeit vermuthet baben, Fachgelebrw natürlich ausgenommen. Der Verfasser gebärt der raditalc» Reform an. zeigt aber, doch religiösen Einst in der Conserviruug dessen, was ihm bedeutungsvoll erscheint. Abgesehen davon, daß an die Genehmigung seiner extremen Anträge nicht zn denken > isik,' niöchten wir auch deren. Besprechung zurückgestellt wissen, bis die Eultnöfraa/ ihre Erledigung gefustden bat. Nicht weik sie die allein -wichtige ist; adelt zu den wichtigen lind wichtigsten gehört sie doch, Hie ist einmal in den Vordergrund und auf die Tagdsordnnng gestellt und wird »uck Zeit und Arbeit genug, vielleicht die ganze in Anspruch nehmen. .Mag die Erledigung der anderen fragen dann späteren Svnvden Vorbehalten bleibcit. Nichts desto'wcniger wollen wir die Ansichten deS Verfassers etwas genauer delaillircn. Er bespricht die „Ehe" und beantragt die Freigebung der Mischehen von Juden und Ebristen. ES ist dies freilich kein novum, aber der bezügliche Ausspruch des Pariser- Sanbedrin hatte politische Bedeutung und derjenige der Braunschwe'ger Rabbiner-Versammlung hatte eine Eorrcklur des erstern zur Absicht durch daö Eorrclat in Vetren der jüdischen Kindererziebung. Vom Prin zipc abgesehen, praktisch sind Mischehen nie zu begünstigen; wir halten ein religiöse? Familienleben in Mischehen sogar für unmöglich. Eine Revision des jüdischen Eberechts ist bereits vorbereitet, aber mit der beantragten Aufbebnug ^er Leviratsehe. Ehaliza rc. ist es nicht gethan. Die formen der jüdischen Ebc, Trauung und Scheidung, entsprechen rbeits dem Principe, iheils eenveränderten Verhältnissen nickt. Die „Beschneidung." . Es wird viel Wahres in theologischer und ästhetischer Beziebung beigebrackr. aber die Entstehung und Bedeutung der Beschneidung im Dunkel gelassen. Ter Vers, ift principiell für Aushebung, sein Vorschlag gebt auf sacultaiive Freigebung. - Ob gleich die Eeremcnie' nicht überall von Staatswegen obligatorisch gefordert wird, ist ne dennoch nirgends allgemein abrogirtz — ein Beweis, wie tief sic sich eingelebt bat. Die Sache bedarf noch einer weiteren Erklärung durch Wissenschaft und Leben. DH der Vorschlag, die Operation den Aerzten zu übertragen, praktisch rathsam sein wird, ist fraglich. Der Wirkungskreis der Aerzte wird überall ein engerer sein, als für di« Mobelim, die praktische Gewandtheit und Fertigkeit daber auch bei jenen keine so große. Aus oemselben Grunde unterließen die Aerzte ja auch Zahn- und andere Operationen speciellen Fachmännern; überhaupt kommt das Prinrip der .Specialitäten auch än! der Medicin mit Recht immer mehr zur Geltuug. Der Vers, erklärt sich gegen die „Mesusa." Er will keine Religion der Aeußerlichkeit. Das Prinzip ist gewiß richtig, die Anwendung aber durchaus falsch. Der „Sabbatb" soll natürlich auf den „Sonntag" verlegt, (!) die Feier des Purim und die Trauer des neunten Ab aufgehoben werden. Dennoch will der Versnicht alles spcciffsch jüdische beseitigt lvissen; er erkennt den Vorzug der jüdischen Reujahrsfeicr vor der christlichen, den Vorzug des jüdischen Weibe- (Chanuka)-Feste» vor dem christlichen. Er warnt entschieden vor der Rachahmiuig der- Weibnachts-Beschecrung, auch aus ökonomischen Gründen. Die „Trauergebränckc" bedürscn einer-Reform; daß aber der jüdische Kalender von den Grabsteinen verschwinden müsse, ist nicht einzuseben. Der Vers, spnchl den „confesnonölosen" Schulen das Wort, aber zur Zeit sei cs für die Juden eine Nothwendigkeit, eigene Schulen zu nnterhalten, jedoch sollen diese Nicht confesjioncll gehalten . sein, sondern auch Christen den Zutritt ermöglichen. Die Juden haben die Pflicht, überall den Fortschritt j zu fördern. Ein fruchtbarer Gedanke —! Die „Synagoge." Hier werden viele Mißbräuche gerügt, welche! in vielen Gemeinden bereits beseitigt sind. Dennoch bleibt noch viel zn tbun übrig. Die Vorschläge des Vers, sink indeß lhcils nicht ausreichend, thcils nicht zutreffend. Wir unterlaffcn daher, auf die Einzelheiten \ cinzligehen. Für das „Gemeinde-Leben" bietet da» ' Buch manche praktische Vorschläge in Bezug aus Wohk- : thäiigkcitsanstalken und andere Institutionen, Stellung der Rabbiner .>c. Um hierin einerseits bereits gemachte Erfahrungen zu benutzen, andererseits eine Einheit in Israel zu erzielen, loben wir den Vorschlag , zur Gründung eines Geineindeblatko. Da das vorliegende Blatt aufgebört hat^ ein ausschließliche« Fachblatt zn sein und die Tendenz desselben erweitert und verallgemeinert worden ist, sc dürste die verehrt. Redaction vielleicht geneigt sein, dem angeregten Zwecke ' zu dienen. Robert von Mo hl und die Jndcn-Emandipation. Eine Erörterung von vr. Isidor Kaftan. Berlin 1869, I. M. Späth. Die vorliegende Brochüre bespricht de» bezüglichen j Gegenstand in dein jüngst erschienenen dritten Bande von Mohl'ö „Staaksrecht re " Das Werk hat nämlich eine Rubrik: .Uebereiltes,-Unbedachtes uud Unfertiges! in der Tagespolitik" und in dieser behandelt der bej rühmte Verfasser auch die Juden - Emancipation. Er j weiß, daß sie nicht mehr rückgängig zu machen ist, I er zählt sie aber zu den übereilten Beschlüssen. Nene«