Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 16 (21.4.1869)
- Date
- 1869-04-21
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenbericht. Gmmerich a/Rh.. im April. Der erschütternde Nothschrei der russischen Grenze. der durch ganz Deutschland schallte, ist auch in die Herzen der Einwohner unserer kleinen Stadt gedrungen und hat f(fid) ksier der Wohlthätigkeitsiinn der diesigen Einwohner ans das Schönste gezeigt. Die diesige iSr. Jugend hatte am Purim eine kleine tdeatralischeVorstellung unter ineiner Leitung gegeben. Ich slichte die Dilettanten zu veranlassen, für die Nothleidendenden an der nissischrn Grenze eine Vorstellung zu geben. Dieser Verschlag wurde mit dem grössten Beifall ausgenommen und haben die jungen Leute hier nicht nur sich der Mühe unterzogen, dieselben haben auch rcn Hans zu Haus Subscribenten für die Vorstellung aeiaminelt und Beiträge enrgegengcnvinmen. Am d. M. des Abends fand die Porstellung statt. Die Tdeilnahme war eine allgemeine und haben die Einwohner Emmerichs ohne Unterschied der Eonjession durch die That bewiesen, das; die Liebe und die Humanität keine Schranken kennt. Wir haben die Summe vsn!“?<> Thlr. an Herrn vr. Lehmann nach Mainz gesandt. Ich ersuch? Sie, dockverehrter Herr stiedacteur, dies zu dem Zwecke veröffentlichen zu wolle», das; das Streben der biengen israelitischen fugend gebührend gewürdigt werde und Nachahmung erwecke. N. Katz, Lehrer. Bayern. Aus unierm enqern Paterlande ist wieder ein kleiner Fortschritt zu berichten. Sr. Mas. haben geruht/ den Hofbanquier und Gutsbesitzer Hrn. äst'epst von Hirsch in München, sammt Nachkommenaft in den erblichen Freiherrnstand deS-König- .reichö zu erheben. Dies ist zugleich ein Schritt, den Juden das Thor zur 1. Kammer zu öffnen, da« die Herren Pairs zur .^eit schon dadurch zuhalten, daff sie die Zulassung eines ernannten Bischofs von der Beibringung eines Taufschein« abbängig^erklären. Die isr. Gemeinde in München'hat seit bald einem Jahr in «der Person eines Herrn vr. Bloch aus Breslau einen Direktor ihrer neu zn organiiirenden Schult. Die Organisation selbst bat aber noch nicht stattgehabt. Selbst ein geeignetes Local ist dazu noch nicht ermittelt. An der dort errichteten städtischen Handelsschule ist der wackerer Lehrer, Herr Baum, als NeligionSlehrer angestellt. Bekanntlich ist Direktor derselben Herr vr. Brentano. Was Sie bezüglich des neuesten PerhaltenS des Herrn vr. Philippfon in Bezug auf die Lehrer sagen, wird Jeder unterschreiben. Das darf uns jedoch nicht bestimmen, die unsterblichen Verdienste desselben u» Juden und Judenthum zu verkennen und in den Fehler des frommen „Israelitzu verfallen, der sich gar treulich an dem Schristwork hält dpdvL nK;m rrir~ p«. Es gilt dies besonders bezüglich der Schriften des von PH. gegründeten Literaturverein« und namentlich auch der Heuer erschienenen Erzählungen von Eduard Kulke. Das ist, wie das voriges Jahr von deui Verein gelieferte Werkchcn: Die Belagerung von Pialzburg, ein echtes LolkSbuch. Die Charaktere sind so richtig psychologisch aufgesaßt und in solchem echt vLikSthümlichcn Tone dargrstcllt, daff dem Verfasser alle Anerkennung gezollt werden muff. Ihrer Natur nach umsaiien ne nur einen kleinen Kreis und der oft absichtlich durchschlagende jüdische Volkston stöffr -war unser gern Romane lesendes Publikum zurück, aber haben denn B. Auerbachs Dorfgeschichten Anfangs unk;um Theil »och dessen Beifall gehabt? Es ist daher sicherlich ein Verdienst des L. V., unserem verwöhnten Publikum <ins gesündere, nahrhaftere Kost zu bieten, an die cs sich allmäblig auch gewöhnen wird. Diejenigen aber, welche darüber die Nase rümpfen und meinen, so etwas wäre doch nickst der Verbreitung und Honorirung werth r dir sollen es nur einmal versuchen, etwas Derartiges zu schreibe». Tie werden aussinden, daff es schwieriger ist, als sie gemein:, ja' selbst, als eine gelehrte Abhandlung zu schreiben. Möge uns der' Verein nur öfter derlei bringen, es wird mit der Zeit diese An Schriften sich Bahn brechen und Anerkennung gewinnen. Schreiber dieses erlaubt iich über diese Schrift umsomehr dies Unheil, als er in diesem Genre nicht nurschon gearbeitet unt darüber viel gelesen hat, sondern weil gerade er reu Herrn vr. Philippfon zurückgesetzt und nicht« weniger als nnpaNhcüsch behandelt worden ist. Aber *«k nDCTp: Wahrheit über Alles! (Wir möchten doch den Wvnen unseres Freundes nur in Bezug aus seine eigenen, in diesem Genre" weiGhöher stehenden und bahnbrechenden Schriften ganz, sonst aber nur tbcilweise beistimmen. Redaktion.) Lemberg, 1<> April. Die skandalösen Vorgänge in Jaroslau haben bereits Nachahmung gesunden. Aus dem Tomplay in Lemberg und in der Stad: Szeszow hat der „christliche" Pöbel den Kamps gegen die Fuden eröffnet. Diese suchen Schuy bei der Statthaftere; von Galizien und bei dem Ministerium in Wien. Rom, 9. April. Der Papst hat an die Armen, I die der israelitischen Gemeinde mitinbegriffen, Uoler- I stützungen vertheilen lasten. Die Notabeln dieser Ger meinde haben dem Papste Kleidungsstoffe angeboten,! um den Armen daraus Kleider zu, verfertigen. Literarisches. Höre Israel! Auftus an die deutschen GlaubenSi genossen von Adv. Emil Lehmann. Dresden^ > L. Wolfs Buchh. 1869. 1 V