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Der israelitische Lehrer · 1869-04-21 · 16 (21.4.1869) · p. Seite 241

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
16 (21.4.1869)
Date
1869-04-21
Page
Seite 241 (sequence 5)
Language
German
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241 w«y »(ich er nicht mehr dagegen einzuwenden; nur daß Mio hl es sagt, ist r>on Bedeutung. Die Feinde der Juoen-Emaneipation werden sich gern auf. ihn berufen, nur aus den Namen, nicht ans seine Gründe. Und sojcker Feinde gibt es überall noch, unter den Gebildeten heutzutage mehr, als unter dem Pöbel. Der Pöbel war überhaupt früher von den sogenannten Gebildeten »nr irregeleitet worden. WaS aber ehemals den Krämer, den Haudwerter, den Bauer zur Au«schließung der Juden veranlagte, das thut heute der Beanileii-, der Gelehrten-, der Künstler-Neid., Denn auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft zeichnet sich der Jude ans und läuft de» christlichen Bewerbern den Rang ab. Man fühlt sich also von den Juden überholt mir kan» ihnen nicht Nachkomme». Daher der Aerger und der neu-alte Judenhass und die Gegnerschaft der Jukenemaueipalion. Spricht doch Richard Wagner offen von dem Judenthum in der Musik, welches ibm den Rang streitig macht und. die Anerkennung seiner Zukunftsmusik verhindett. Alle Belehrungen ans diesem Gebiete nützen nicht. Der angeborene Widenville gegen die Juden und das durch iie scheinbar geschädigte oder gefährdete persönliche Interesse einzelner Christen erneuert stets die Feindfchast gegen die Jndeuemaneipation. Wie auf religiösem, so aus politischem Gebiete lesen die Christen in der Regel die zu Gunsten des Judenthums und der Juden veröffentlichten Schriften nicht. Denn eo tauchen stets die hundertmal widerlegten Gegnergründe wieder auf, man holt Zimmer wieder die verrosteten und stumpf gemachte» Wauen aus der Rüstkammer des Mittelalters hervor. So hielt mir der Direetor einer öffentlichen höhere» Lehranstalt jüngst entgegen: „die Judenemaneipation ist noch nicht reif, und darum tonnen Inden trotz Verfassung keine Staalsämler bekleiden, bis der Sabbat auf den Sonntag verlegt wird, denn meine jüdischen Schüler schreiben am Sabbat nicht, — bis die Juden an Unsterblichkeit glauben, die ihre Religion nicht kennt und — bis die Huden die Immanenz Gottes im Menschen, d. b. die Göttlichkeit Jesu anerkennen, während das Judenthum einen auzzerweltlichen Gott lehn, Gott Mensch getrennt hält." beiten schon widerlegt worden, — und doch kehren sie immer wieder. Mohl ist Gegner der Judenemaneipation 1) wegen ihrer natürlichen Ungleichheit mit den Christen (soll wohl heißen wegen ihrer krummen 'Rasen und ihres schwarzen Haars den geradnasigen und blondgelockten Christen gegenüber); 2) wegen ihrer Doppelnatur, denn sie seien zuerst, oft auch nur Juden und höchstens in zweiter Linie Deutsche, da« einige Deutschland könne aber keine verschiedene Nationalitäten in fick dulden; 3) wegen ihrer mit den Christen nickt gleichen Mensckennatur, da sie eine Scheu vor schwerer Arbeit haben. Wir empfehlen die vorliegende Erwiderung, nicht nur «eil da« Werk Mohl'« nicht Jedem zugänglich ist, sondern auch weil diese Schrift die Ideen Mohl'« ebenso vollständig extrahirt al« widerlegt und vernichtet. Es werden aus diese Weise Jedem die Gründe an die Hand gegeben, mit denen er vortomnrenden Falls seine Gegner schlägt und ihre Angriffe abwehrt. Schade, daß die Schrift ettvaS leidenschaftlich gehalten ist, wir hätten eine ruhigere Haltung vorgeschlagen und gewünscht. Die Wahrheit ist ja doch unser und der Sieg gewiß. Aber was nützt Vorschlägen und wünschen, wenn un« in gerechtem Zorne da« Blut zu Kopfe steigt? Die Aufregung über eine, solche Perfidie und Infamie ist nur zu erklärlich. Einzelheiten geben zwar zu Gegenbemerkungen Veranlassung, sowohl in der Auffassung von Mohl'« Aeußerungen wie in den selbstständigen Aussprüchen. So die Verwerfung des Hausirbandel« und der Börsenspeeulation, Einrichtungen doch von national - ökonomischer und eommereieller Bedeutung. Jedoch sind die« eben nur Einzelheiten, welcke dem Ganzen keinen Eintrug thun. _j Bericht (Bulletin) der Allrance Israelite Universelle. Generalversammlung vom 11. Dez. 1868. (Fortsetzung, i Dank Ser Alliance gibt es jetzt eine Knabenschule, deren Gedeihen ein Werk des Herrn WeiSkop f ist. Aus Mangel an einer iSrael. Mädckenschule besuchen einige die Schule der Diakonissineu. Und doch müßte man die Erziehung eines Volke« mit der Frau beginnen, fie ist eS, die dem Kinde die ersten Lehren ertheilt. DaS Gemälde ist traurig, aber ich beeile mich , . . und ihinznzufügen, daß hier wie anderwärts unsere Brüder Wie oft sind solche Dumm-/ visier sind als ihre Umgebung. Inmitten des allgemeinen Verderbnisses sind doch wenigstens ihre Sitten rein geblieben: so lange ne diese bewahren, wird nichts verloren sein. Sie sehen, das Uebel ist überall unermeßlick groß; für Palästina liegt es in eincm demoralisirenden Almosen, für das übrige Morgenland im Zerfall einer ehemals blühenden Industrie; in Persien macht die GlaubenSwuth der Muselmänner die Lage noch unerträglicher. Mit einer Einstimmigkeit, die selten genug ist, wo es sich uni Anwendung eines Heilmittels handelt.

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