Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 16 (21.4.1869)
- Date
- 1869-04-21
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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nicht immer dieselbe freundlichk-höfliche Miene beide- > halten Md der Umgang mindestens kühlere formen j ««nehme» wird. Darum kommt.eS gar zu viel auf j da« erste Sichgeben de« Lehrers, auf sein erste« Auf- ' treten an. Zn der Regel verliert der LiebenSmärdize,! Gestierte, Schöne,- genau in dem Verhältnis^ wie der! UnliebeuSwürdigere, Aufrichtige, der pflichtgetreuc Ehrenj hafte, der nicht allzugroßes Gewicht auf Formen legt, gewinnt. Selbstredend soll damit beileibe nicht anempfoblen sein,, beim Eintritt ins Amt. beim Antritt neuer Stellen grundsätzlich eine ernst-gelahrte Amtsmiene vorzusch.na.llen. Das! bieste ins entgegengesetzte Ertrein verfallen. Die Kmcht — der Theil derselben, der nicht gelehrt werden kann, sondern herauSgefüblt und gefunden werden muß'—.ist hier sich im Bereich der goldenen Mitte zu halten. ES ist dieses, wie D'anischmendc sagt, einer von den Punkten, die wir uns ' selbst sagen müssen-, die jeder- Fremde uns vergeblich sagen würde. . Hier müssen Andeutungen genügen. Also begreife, die Verhältnisse. Sei behut'am in deinem llrtheil-über Alle und Alles, was dein neuer Wirkungskreis dir Neues bietet; freundlich im Verkehr und Umgang mit'Jedermann, doch vorsichtig! in der Wahl derer, denen du dick näher anschließest und besinne dich siebenmal, ebe du Einen zu deinem Der trauten magst. Nicht jeden Gutniüthigen vom Wege auflesen und . in deine'Gedanken und Ansichten einweihen; denn nicht, das; du rasch Freunde erlangst und viele, sondern , daß deine Wahl jedem Dritten zeigt, , wer du bist, und du das einmal Errungene du :n erhalten weißt, muß hier dein Hauptstreben sein. Deine Freunde und Vertrauten, Alle, mit denen die Menge dich intimer verkehren siebt, müssen E bor acte re repräsentiren. Du bist Lehrer und Prediger, du sollst Ebaractere bilden und Eharacter sein, das will sagen, ein Mensch, kessen Handlung-- mit Denk weise im Einklang siebt und der so lebt, »aß man ihn nicht nur getrost seinen Kindern als Vcrchilr aus-! grellen, sondern bei dem auch der Hülsesuchenr-e sich Raths und Trost« erholen kann in der Sninde der Noth und Beküinmerniß, wenn's dräut und stürmt da draußen. So seid denti Männer, junge Ecllegen, zu dem der.Eülftofe Vertrauen fassen und der Schwache sich anrauken kann, ohne Zagen und sonder Zweifel, Männer im edelsten Sinn^des Wortes! Darum Vorsicht im Auftreten wie in Yen Aeüßerungcn. wie na mentlick in der FreundeSwabl. Glaube nicht aüzuschnell, nicht hinein, nicht Allen, nicht Allc«, D»r«che, vergleich'«, erwäg's! Fchde di« Wahrheit heraus. (Haug.. Du bist fremd im ersten Halbjahr, jung und deßhalb vertrauensselig mit allen venvandten Fehlern der Jugend habe,. Du kestnst noch Welt und Menschen nicht, so sehr du dich! dieser Wahrheit auch versOießest. So wisse dWn, daß zwischest den einzelnen Mitgliedern der Gemeinde verborgene Verkettungen und unsichtbare Verbindungsfädchen bestehen, die durch gleiche Heimath, gleiche Sitten, durch Verwandtschaft, und das „Zusainmenaufgewachsensein" geheiligt sind, die nie ihre ganze Kraft verliere», selbst wenn momentane Zwistigkeiten sie für den Augenblick gelockert oder gar gelöst zu haben scheinen. Dessen sei stet» eingedenk in allen deinen Beurtheiluugen und Auslassungen über deine neuen Verhältnisse und gehe dabei stets und immer von dem Gedanken anS: Keinem über vcn Andern etwas zu erzählen, dessen Inhalt den Nachsatz nöthig machte, „cS muß dieses aber ganz unter uns bleiben," „ich sage Ihnen dieses unter dem Siegel der Verschwiegenheit." Sei nicht gar z» leichtgläubig, und wisse, daß Schönsprecherci nickt das eben sicherste! Zeichen einer guten Denküngsart ist .Allzuschnelle j und große Leichtgläubigkeit und damit verbundene I Dsienherzigkeit bleibt für den Fremden in feinem Verj kehr mit der Welt selten ohne nachtheilige Felgen, dann bleibi die Reue nimmer aus. Der Voltsmnno warnt j davor, wenn er dir anrälh, Keinem zu trauen, ehe i du nicht einen Eemner Salz mit ihm genossen hast. Man lernt die Ebaractere der Menschen nicht im Handumdrehen kennen und deßhalb — sei vorsichtig. E i n f l ü st c r u n g e n verschließe durchaus dein D hr. Traue denen am wenigsten, die gleick mit zu großem Vertrauen dir entgegenkominen, die, ganze Ortschronik dir auskramen, dir Verhaltungsmaßregeln, Winke und Auskunft über Menschen und Verhältnisse geben, ihre Dienste dir anbicten und andere derartige Gunstbezeigungen mehr. Was dir so ohne alle Mübe, ohne eigenes Hinzuthun entgcgengetragen wird, ist meistens schlechte Waare und des Anfnehmens nicht wertb. Liebe und Vertrauen wollen erworben sein. Dazu bedarf es aber der Zeit. Darum lege Schmeichelworteu kein Gewicht bei, die man i» deu ersten Wochen dir entgegcnträgt, sie stießen aus sehr unlauteren Duellen und gelten nicht dir, dem Menschen und Erzieher ihrer Kinder, sondern dem Zuchtmeister, . dessen «Gewalt ihre Kinderchen übergeben werden, der strafen, begünstigen und vernachlässigen kann. Den Scklüssel zu dieser Wahrheit erhältst du später, viel leicht erst bei Wiederaufgabc deiner Stelle. Fassen wir nun das bisher Gesagte in den Worten zusammen: Gehorche stets dem Gebot der Klugheit. Stelle dich ' gleick Anfangs so zur Gemeinde »nd Schule, wie du! auch in der Folge bleiben kannst. Sei nicht so nach-! sichtig, Misch und „gut," daß man dich Anfang«! über Gebühr lobt, um dich bald darauf ebenso statt I und unberechtigt zu tadeln. Verlass« die goldene > Mittelmaße nickt! (Schluß folgt.)