Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- Seite 235 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Jerusalem eine Schule, gegründet von Hrn. Albert t'ohn unter der, jetzt aber znrückgezogenen, Mitwirkung des Baron« Franchetti. Sie wird von Hrn., Oplatka geleite« unter der geschickten und wirksamen Beaufsichtig»»^ des vr. London und zählt 25 Scküler, welche beiisraelitischen Meistern ein Handwerk erlernen; der ibnen in den arbeitsfreien Stunden erlheilte Unterricht beschrankt sich ans das Hebräische allein. In alleir diesen Anstalten empfangen die Zöglinge Kleider und die Eltern Unterstützungen an Geld, ohne welche sie ihre Kinder nicht bineinschicken würden. Dies ist, m. H.. was für den Unterricht oder für die Aneiferung zur Arbeit unter der israel. fugend Jerusalem's gethan worden ist: nichts Aebnliches ist in den übrigen Städten Palästina'» geschehen. Haben auch die Erfolge den großherzigen Anstrengungen der «Gründer dieser Anstalten nicht entsprochen wir sind ihnen darum nicht minder Dank schuldig. Sie batten gegen zahllose Schwierigkeiten zu kämpfen: Schwierigkeiten, die Zustimmung der Großen, Feinde des FoetichritlS, zu erlangen; Schwierigkeiten, die Kleinen zu erlangen, wclä>e die Wohlthal des Unterrichts nicht erkennen und für ihren Äiitheil an der Ehaluka zittern; Schwierigkeiten, einen Ortsausschuß znsammenzubringen zum Schuht« der Anstalt und zur Ueberwachung ihrer Leistungen; Schwierigkeiten,,, Lehrer zu finden, die orrhodor genug sind, um densilebelwollenden keinen Vorwand.zn geben, aufgeklärt genuc, um nicht die Vorurtbeile der Massen zu theilen, fähic genug, nm ihre Aufgabe würdig zu erfüllen. Selbst dann aber, wenn der Unterricht in diesen Schulen nicht l ausschließlich hebräisch, in Pezug auf Religion und Moral-vollständiger wäre, wenn die weltlichen Wissenschaften eine größere-Stclle daiin einnähmen, wenn solche Anstalten im Lande verbreitet mären — würde dies die Lage in materieller Hinsicht' ändern? Wäre sie dann geheilt, diese Wunde des Pauperismus. (Verarmung), unterhalten seit 2000 Jahre» durch eine Mildthätigkeit, die mehr gefühlvoll als verständig ist? Vrvd, Kleidung fordern die Hungrigen von uns nicht das ’ Brod des Almosens, sondern das der Arbeit. „Gebt uns Boden, Ackcrgeräthe, schickt uns Leute, die uns den Ackerbau lehren!" Dies sind die Worte', die in einem Briefe aus Jerusalem von« Dezember 1N66 an uns gerichtet wurden. Ich fühle mich glücklich, eS sagen zu können; während meines Aufenthalts in Jerusalem kam kein einziger arbeitsfähiger Mensch, um zu betteln, während meine Thüre von Menschen belagert war, die um Arbeit baten. Der Zudrang war je groß, daß .ich mich verpftichtet glaubte, die Natur meiner Mission öffentlich zu erklären. Ich machte bekannt, daß ich mich zu diesem Ende Montag, den l>. August, 6 Ubr Abends, auf das Plateau deS Berges Zion begeben würde. Schon von 3 Uhr an war der Platz überfüllt Mit Mühe bahnte ich mir einen Weg durch diese buntscheckige Menge von Israeliten aus allen Ländern der Welt. Auf dem flachen Dache des Pilgerhauses stehend, die gerührte Menge überschauend^ selbst gerührt beim . Anblicke so vieler Unglücklichen, kündigte ich an, daß die Alliance wünsche, sich über den .Zustand ihrer Brüder im Orient zu unterrichten. Sie wünsche zu erfahren, ob es wirklich Leut? gebe, die geneigt sind, das Brod des Almosens für das der Arbeit hiuzugeben, Sie wünsche auch zu wissen, wie ihnen diese Arbeit verschafft werden könne. Ich werde ihr Bericht erstatten von dnn, was ich gesehen, und sie werden dem zu Folge verfahren Ein' solides Werk lasse sich nicht übereilen; es bedürfe Zeit, uin zu erforschen. Geld, nm auszufübren. „Muth und Geduld, Bküder! Ich schwöre es Euch vor Gott, der uns börr: Dieser Dag wird nimmer ans meinem Gedächtnis; schwinden. Bald, sobald es menschenmöglich ist, wird eine neue Aera für Euch anbrechen." Diese Worte wurden mit einem unbeschreiblichen Entzücken ausgenommen. Als ich von dieicr impro- > visirten Nednerbnhn.c Herabstieg und mich inmitten der Menge befand, stürzten Männer jedes Alters, Greise r mit Dbränen in den Augen auf mich zu, küßten mir die Hände und riefen: Gott höre Euch, Gott helfe Euch!" Sorgfältig studirte ich Alles, was versucht worden war, um dieser Bevölkerung, deren guter Wille für mich fortan über allen Zweifel erhaben war, ' Arbeit zu verschaffen. Sir Moses Montefiore, von diesem Elend gerührt und wohl begreifend, das; nur Gewerb oder Ackerbau die Hände der Massen beschäftigen könnten, -i hatte vor ungefähr zwölf fahren nach diesen beiden Seiten bin gleich,Unglückliche Versuche gemacht. Um in Jerusalem die Industrie der Weberei einzuführen, hatte er aus England zwei Webstühle : und aus Deutschland einen Meister gesendet, der im Stande war, den Gebrauch derselben zu lehren. Nie . sind die Wcbstühle. aufgestellt worden; ich fand ihre Trümmer im Staub? liegend. Sir Moses hatte nicht begriffen, daß eine neue Industrie nur da entstehen kann, wo sie im Inland begünstigt und gegen das Ausland geschützt wird. > Nun aber sind im Orient die Abgaben auf Rohstoffe im Inland? sehr hoch, während die auf Einfuhr der Fabrikate des Auslands fast Null sind. Welche Industrie könnte einem solchen volkswirthschaftlichen Verfahren gegenüber Stand halten? Jedermann weiß, daß man heutzutage, um das Kupfer Konstantinopel'S zu kaufen, nach Birmingham,