Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- Seite 234 (sequence 8)
- Language
- German
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231 er seine Liegenschaft zu verkaufen und in seine Heimath zurückzukehren. Ich hörte auch, ohne mir Gewißheit verschaffen zu können,'daß im nördlichen Palästina einige Israeliten sich dem Ackerbau bingäben. Wohlunterrichtete »eriickern mich, daß »ickts daran wäre. Die größere Zahl der Bewobner iit im Lande geboren, wachst jedoch durch die, welche vom Auslande kommen, sei es um Verfolgungen zu entgehen, denen sie in ihrer Heimatb ausgesetzt sind,, sei es um ihre Tage im heiligen Lanke zu beschließen. I Selten befinden »ich unter diesen Einwankern sehr Reiche, allein nicht selten sind sie mit einem kleinen Kapital versehen, das, wohl angewendet. ihnen gestatten würde,-in einem verbältnißmäßigen Wohlstand zu leben. Die Einen wagen damit irgend ein Unternehmen, das sie in?kur:er Zeit ruiuirt; die Ändern, behutsam gemacht, vergraben es und leben damit in den Tag hinein, glücklich wenn fie sterben, bevor ihr Schatz erschöpft'fit. Es . gibt auch welche, die von ihren Kindetii im Auslaiwe. von ibrer Gemeinde oc-pr irgend einem Frommen eine Pension empfangen. -In einem Lan?e, wo es weder Handel nock Gewerbe gibt und wo die-Bevölkerung auf die angegebene jätjeiic sich ergänztist die große, wo nicht die einzige > Hülssgnelle: das von Außen kommende Almosen. Mit -AnSnabme einer sehr kleinen Hahl beginnen oder endigen Alle damit,'zu diesem Almosen ihre Zuflucht Iu nehmen. Der größte Tbeil desselben kommt aus Polen. Amsterdam ist der Kanal,, durck welchen beträchtliche Summen zuffießeu. Sodann senden die Gemeinden i Scheluckim durch die Welt,'deren durch die Reisekosten bedeutend geminderte Einnahmen das Budget vkri größern. Das'Almosen. das nicht eine besondere Bestimmung bat, wird vertheilt als'Eh alu ka — Dertheilung nach Köpfen — und Kadima — Vertbeilung nach dem Rang. Die Größen oder Vornehmen alliein haben Tbeil an der Letzter«. Dadurch, daß die Großen die Kadima unter sich allein vertheilen und doch ihren Antbeil an der Chaluka nehmen: dadurch, daß fie das Wenige was bleibt, selbst vertheilen;' dadurch, daß die Kleinen oder Niedrigen keine andern Eristenzmrttel haben als den sebr kleinen Antheil an den gesammelten Almosen -- daraus folgt' Daß Jeder seine Söhne sehr jung verheiratyet, weil deren Kinder durch ihren Antheil an der Chaluka die Hülfsguellen der Familie vermehren, Daß.Jeder seine Kinder dem Talmudstudium widmet, weil dessen' Kennmiß eine Zunahme der Einnahme verschafft: Daß die Kleinen von den Großen in unwürdige Abhängigkeit und Untertbänigkeit erhalten werden; Daß die Mnthlosesten unter den Erstereii an die Thüre der englischen Missionäre klopfen, die Allen geöffnet wird, die sich einfinden; Daß die Großen allem Fortschritt widerstehen, der eine Veränderung der bestehenden Sachlage mit sich fülren würde; Daß die Kleinen gerne jeden Vorschlag hören, der fie von der traurigen Wechselwabl befreien könnte: entweder das Land verlassen, oder sich taufen, oder veihungern zu müssen. Schon layge - bedauert das hiervon unterrichtete Europa schmerzlich diese Lage der. Dinge: Prüfen wir, was zur Abbülie des Uebels bis jetzt geschehen ist. Iu Bezug aus den Unterricht besitzt Jerusalem: Eine Knabenschule, gestiftet durch Vermittlung des De. Frankl auf Kosten der Frau Wittwe Lämel. Sie siebt unter der Aufsicht eines Lokal - Ausschusses und zählt etwa 50 Schüler, die von zwei eingebornen- Lebrern im Hebräische:, und Elementar Rechnen unterrichtet werden.?ie Vorgerücktesten unter den Schülern können nur die vier Speeies hGrundrechnungen) und diese ganz unvollständig. Die Schule enthält nur Sephardfin. Eine unter Mitwirkung europäischer Subseribentcn von Hru. BluI» cnlhal gegründete Sä ule, von Hrn. Oplatka geleitet, von Ör. Lond on überwacht. Vier eingeborne Lehrer unterrichten etwa 4" Schüler im Hebräischen und in den vier Species, worin sie eben so schwach sind als in der Schule Lämel. Auf den Bänken dieser Schule fand ich einen verheiratheten Schüler, der kaum 15 Iabre alt schien. Auch hier gehören die Kinder ausschließlich dem Sephardischen Rillt? an. Seither erfuhr ich, daß der Versuch, den Unterricht im Arabischen einzuführen, eine Empörung bervorgerufen hat, der man nachzugeben die Schwäche hatte. Eine Mädchenschule, gegründet von Hrn. Albert Cohn unter Mitwirkung der Damen Rothschild » und unter Aufsicht des Or. London. Zwei eingeborne Lehrerinnen unterrichten K) Schülerinnen im Lesen, Schreiben, Rechnen und Nähen. Es wäre zu wünschen, daß diese Schule von einer europäischen Lehrerin geleitet würde. t Endlich bat die Alliance zur Gründung einer Lchule für den Unterricht im Arabischen, Türkischen, Französischen, in den Elementen de? Rechnens, der Geographie, der Geschichte und des Zeichnens dem Hrn. Krieger einen Zuschuß bewilligt. Dieser neuen Anstalt hätte ich die Einführung eines Lehrplans gewünscht, der dem der bestehenden Schulen angepaßt wäre. In Bezug auf Anl.itung zur Arbeit besitzt