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Der israelitische Lehrer · 1869-04-14 · 15 (14.4.1869) · p. Seite 236

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
15 (14.4.1869)
Date
1869-04-14
Page
Seite 236 (sequence 10)
Language
German
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236 für die Balzmwoll» Adrianopel'S nack der Schwei;, für die Seidenwaaren von Brt ssa nach Wien, für die Teppiche aus. Aleppo und Dancascuo nach Halifax, für die fchönften Gewebe Jndien's nach Glasgow und Zürich gehen mui . . Von 20,tX» Webstühlru, welche Hr. Bourve, französischer Gesandte'zu Konstantinopel, noch vor einigen Zähren zwischen Aleppo und DamascuS gefunden zu hohen niich versicherte, fand ick nur noch 1200, und diese feiern 6 Monate des Jahres. An dis Industrie war also nicht zu denken. Um' den Feldbau in Palästina einzusühren, gründete Eir Moses zu Jaffa eine ackerbauende Kolonie. Gr batte einen Garten angekauft, der jährlich 300 Pfund Sterling ertrug. Arnie heute, die niemals in ihrem Leben eine Hacke inder Hand gebabt halten, wurden dort biugefent. Gin Israeli» aus Jaffa war beauftragt, ihnen für d,n Anfang eine monatliche Unt.rftünung auszurahlen. Nack Perlaus eckeS JahrcS hatte Sir Moses so viel Geld zugeschossen, als der vorherige Ertrag gewesen war. Gr hörte auf nu zahlen und die aus dem Stegreif hervorgerufencn Kolonisten verschwanden. Tiefer Eanen mit seinem Dornen bedeckten' Boden, dieses Wohnhaus in Trümmern, beweisen traurig genug, daß Mildthätigkeit allein nicht hinreicht für das 0 elingen eines Unternehmens dieser Art. Ter Zweck war dies Mal ein vortrefflicher, Sir Moses hatte fick nur in den Mitteln geirrt. Er batte eingesehen, daß vor allein Ackerbau, die Gärtnerei am geeignetsten ist, um eine Bevölkerung rur Arbeit im Felde vcrzubreiten, der sie seit Jahrbunderten entwöhnt war. Er hatte ferner eingesehen, daß Jaffa für diesen Anbau der passendste Crt sei. Wirklick pflegen, einige Schritte von dem durch ihn erkausten Boden entfernt, Eingeborne mit Erfolg Bäume, deren Jrüchle in Alexandria gesucht sind, während die aus Oberägypten nicht mehr dahin gelangen, in Konstantinopel, da die von Smyrna noch nickt hinkommen,-und der englische Konsul, der mich auf meinen Ausflügen tn der Umgegend der Stadt zu begleiten die Güte chatte, zeigte mir manchen Garten, der in einem Jahr^ den ganzen Betrag feines Ankaufspreises einbringt. Aber' was Sir MoseS nicht einsah, ist, daß der Mensch, der Hunger hat, sich bereit erklärt, Alles ■ zu thun, um Brod zu bekommen, daß aber feine Natur wieder dir Oberhand erlangt, sobald er gesättigt ist, und daß es mit seinen Kolonisten so kommen mußte; Daß der, welcher nie die Grde bebaute, nicht weiß, daß jede Furche mir seinem Schweiße befeuchtet : werden müsse, nicht weiß, gegen welche harte Arbeit die Erde erst ihre Schätze auStauscht. Daß man dev Fcldarbeiter nicht aus dem Boden stampft, daß man ihn als Kind an fick nehmen, ihm > folgen, ihn leiten, und selbst wenn er zum Manne geworden, noch über ibn wacken, ihm in seinem An- | fang bei stehen, in seiner Schwäche unterstützen muß. Darum, weil er diese Wahrheiten nicht erkannte, ist sein Wunsch gescheitert. Seitdem ist Anderes nicht versucht worden. Nun kennen Sie die Lage unserer Brüder in Palästina, Sie kennen d> s Uebel, seine» Ursprung, seine Folgen, die theilweisen Versuche zu seiner Heilung und ihren Mißerfolge es bleibt mir übrig, von der Lage der Israeliten im Orient im Allgemeinen zu sprechen; ihr Sckicksal liegt Ibnen eben so sebr am Herzen. In Beyrutb, sowie in den andern Seehäfen, widnien sich die Israeliten dem Handel, der ihnen zu eintm verhältnißmäßigen Wohlstand verhilst. Dennoch ist die Zahl der Armen außer allem gewöhnlichen Berbältniß. Es gibt keine Schule. Sind sie fanatisch, so ziehe» sie vor, daß ihre Kinder ausschließlich hebräisch lern«,;- sind sie ausgeklärt, so verfallen sie in das entgegengesetzte Extrem. Diejenigen, welche von der Regel eine Ausnahme machen, schicken, wenn sie reich sind, ihre Kinder nach Europa, und wenn sie arm sind, zu den Lazqristen oder Diacoinsnnnen, wo der Unterricht unentgeltlich ist. Auf die Aufforderung einiger wohlmeinender Männer richtete ich 'an die Gemeinde einen Aufruf, der in der Synagoge vorgelesen wurde, doch meines Wissens ohne Erfolg blieb. Zu DamascuS: kein Handel, eine hinsterbende Industrie, bedeutendes Elend. Gegen einige Reiche, die im Ueberflupe schwimmen, Tausende von Armen, die aus Mangel an Arbeit Hungers sterben. Jene bewcbnen Marmorpaläste, diese sind in erschreckliche Löcher eingepfercht. Die Frau des Reichen, mit hoch gesckminkten Wangen, gemalten Augenbrauen, den Kopf mit Diamanten geschmückt, die des Armen hat nichts, »m ihr Kind zu bedecken. Vollständige Abwesenheit des Gefühls einer Gemeinsckaftlichkeit bei den Großen: bei Allen aber völlige Unkenntniß deS Geistes unserer Religio». Wer sollte sie diesen Geist kennen lebren? Ihre Rabbiner? Die haben das Rätbsel gelöst, ihr Leben mit Siudire» zuzubringen und zu sterben, ohne etwas gelernt zu haben. < Fortsetzung folgt.) Verantwortlich« Redaktion und Berlag von Joseph Alingenstein, Lehrer zu Odrrnheim in Rheinhefsen. Für den Buchhandel in Eo»misfi«n bei Oskar Seiner in Lerpzig. -- I. G ottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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