Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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226 gegenständen, in deisktt dü zufällig nicht eben besonders > bescklagen bist, Ziemliches, geleistet ist. Mancher junge College ist nun nnbedachtsam und rücksi btslos genug, st! in öffentlichem Tadel darübxr zu ergeben, seinen Vorgänger der Lästigkeit zu feiben und zu den höchsten Persprechen und Renovations-Plänen 'ich zu versteigen. junger Frennd! Das ist wenig klug von dir. Man wird dich belächeln odek für sehr selbstsüchtig halten; darum versprich nichts, leiste das Möglichste und strebe nach dem Höchsten. .Versprich nichts! Uebersckätze dich nicht,' du kennst weder die Hindernisse. mit denen'dein Vorgänger zu kämpfen'batte, noch die, die deiner eigenen Tbätigkeit entgegensteben. Desthalb mästige deine Ausdrücke und prunke nicht mit deinem Wissen tind Können. Cs ist leichter zehn Fehler aufzunnden als einen wegzuschaffen und — ' „das Ende trägt die Last " Wolle auf Befragen ziemlich schreiben, rechnen, Elaviersvielen können. | ein ziemlicher Vorbeter sein: habe nicht so und so- - viel Jahre Clavieruuterricht gebäht „ wolle nicht hier- > und dar-n drr tüchtigste deiner Mitschüler gewesen sein. Spanne die Erwartungen nickt zu hoch. Schlechtes Entröe das! Man lerist daraus nicht dein 'Wissen, wohl aber deiiren Charakter kennen, und das ist schlimm für dich. Dem Wissen auSzukramen, dazu brauchst du keine Veranlassung zu suchen, die bietet . von selbst lick dir dar j. Doch du gehörst fa nicht zu. dieser Torte rücki stcktsloser, uncollegialiscbcr Stürmer, du verunglimpfst , deinen Vorgänger nicht, trotzdem du' mit seinen Leii stungen nickt zufrieden, trotzdem er sogar unbeliebt gewesen zu sein scheint und das Feld für derartige Bemerkungen gewiffermgren selbst geebnet hat. Doch, ob du dick auch weder stuit seinen Leistungen zufrieden erklären, noch die von «bin gebandhabten Bücher und Apparate beibehalten kannst, du bist rücksichtsvoll genug, deine Gedanken i» eigner Brust verschlieszen und willst den Neubau so geräuschlos als möglich vornehmen. Aber anders soll es werden, flüsterst du vor dich bin und stütz st den Kops auf die Hand und lästt deinen Gedanken freien Lauf. C, wie sie die Zügel schieszen! Die Kinder müssen bei dir in einem Jahr weiterkommen als bei deinem Vorgänger in dreien, die vorhandenen Bücher, besseren Platz macken, die Classeneintheilung der Tcküler verändert werden. In deinen Gedanken fühlst du dich schon ein kleiner Reformator. Und so gehst du aus Werk. - Dei n Wille ist der beste, -keine Tbat abkr - thörichs, deine Veränderungen nicht Verbesserungen, deine Eingriffe Mistgriffe, du verlässt damit die dir vom Vorgänge'' hinterlaffene feste Basis und stehst, ohne zu wollen, auf dem so gefahrvollen Boden de? ErperimentS. Reformiren setzt notbiyendig neben genauer Keuntniß mit dem alten Apparate, seinen Mängeln und seinen Vorzügen, Duldung und Liebe zu demselben voraus wenn man das Vertrauen und die Zustimmung der dabei Betbeiligten erlangen will. „Nur wer mich kennt soll mich tadeln,! sagt Göthe." Es kan» dieses folglich auch nur von innen heraus geschehen, nicht wenn man auf einem ganz fremden Boden steht. Dazu bedarf cS aber der Jeit. Beherzige das, es leidet sonst Alles unter deinen Neugestaltungen, du, deine Schule, deine G.meinde, die Collegialität. Darum-prüfe und wähle, nicht umgekehrt, gib das Alte nicht auf, lediglich weil du dir von dem Neuen mebr versprichst Frage dich ehrlich, ob nicht etwa eine versteckte Trägbeit, die du dir selbst kaum zu gestehen magst, dabintersteckt, und der ganze Tadel gegen daS Vorgefundene nicht in deiner Unkenntnis; mit demselben und deiner Vorliebe für daS Althergebrachte, Gewohnte zu stlchcn ist. Darum aber den Eltern Koste», dem Vorgänger Bla.me, und den Kinder» nutzlose Mübe - die nur zu oft der Begriffsverwirrung au' ein Haar gleicht — verursachen? NicktS kann tadeluswertber, nichts verkehrter, nichts aber auch gefährlicher sein. Nur gar zu leickt kann er mit seiner Gemeinde darüber in Eonflicl gxratben. Denn, wo der Geldpunkt in Frage kommt, ist die Gesammtheit immer conservativer als der Einzelne, die Gemeinde als solche empfindlicher als ein cinzeln.es Mitglied, tzweSbalb sich denn auch durchfchnilstich ein tüchtiger Eomnns leichter eine Gehaltszulage von seinem Prinzipal erwirkt, als ein geeigenschafteter Lehrer von seiner Gemeinde«. Sobald es «ich ui» neue Ausgaben handelt, da scheint die ganze Gemeinde ein Körper zu sein, der in convulsiviscke Zuckungen gerätst, sobald ein solches Ansinnen an sie gestellt wird, ' und sind die Nerven des einen Gliedes stark und biegsam und plastisch genug, so erweist sich dafür das andere sniid oft eben darum) um so viel schwächer, t^be man daher reformirt und umgestaltet, gebe man seiner Gemeinde Jeit und Veranlassung, um sich einen Einblick in unsere Tbätigkeit, Tüchtigkeit und Derbesserungstalent zu verschaffen; selbst aber benutze man diese Zeit um sich zu orien tiren. Die weiteren Folgen ergeben sich von selbst. Uud wenn fick die alten Werkzeuge auch nach einem mebrmonatlichcn Gebrauch als zu schwerfällig -und unpraktisch zum Fortmarschiren erweisen, so besteht der ganze Schaden in einer-kleinen Differenz, wenn man erst dann seine Aenderungen vornimmt. In jedem Falle nebme man aber auf die wissenschaftliche und pädagogische Tüchtigkeit seines Vorgängers wie auf den gemeinsamen Seckel die gebührende Rücksicht und gebe nur mit heiliger Sckeu und möglichster Schonung vor, sonst werden Mistbelligkeiten und Reue nicht ausbleiben. Bedenkt, beherzigt daS, junge Freunde, und der erste Paragraph eures VerfassnngS-