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Der israelitische Lehrer · 1869-04-07 · 14 (7.4.1869) · p. Seite 222

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
14 (7.4.1869)
Date
1869-04-07
Page
Seite 222 (sequence 14)
Language
German
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„An 0ifr theurer und ehrenwerther College, wendete ich mich io eben, Ihnen stellte ich die Sorge anheim, die beklageKöwerthe Phrase eine? bischöflichen Hirtenbriefes zu beantworten." Stille war eingetreten, ich hatte Platz genommen und hörte: „Man verlangt von uns, daß wir die Constitution respektiren, diese Constitution, welche alle Culte salarirt,' selbst den , welcher alle Tage Jesum Christum kreuziget." Sofort nahm ich Jfambert's Stelle auf der Rednerbühne -ein. -„Meine Herren," sprach ich zur Versammlung, „es gibt, wenn.ich nicht irre, 91 Bischöfe in Frankreich. 9l!.Und ein einziger von allen diesen so gelebrten und.-frommen Oberhäuptern des Katholizismus in Frankreich, ein, einziger bat in einer augenscheinlich unüberlegten Phrase die jüdische Religion angegriffen! Ein Einziger! Und ich sollte mich darüber betrüben, erzürnen! C, lassen Sie mich lieber aus tiefstem Herzensgründe den neunzig anderen meinen Tank abstatten! t Beifall). Welch' ungeheuerer Schritt auf dem Wege, der Religionsfreiheit! O, meine Voreltern, wie müssen euere Seelen frohlocken! Was mich betrifft, so ist-meine Freude eine außerordentliche und eine ungetbeilte, weil der Angriff des vereinzelten Bischofs mir beweist, daß er den jüdischen Cultus nicht' kennt. Er verdammt einen Unschuldigen. Vor Allem muß ich-ihm sagen, daß in keinem einzigen unserer Gebete auch nur eine Anspielung auf Jesus Christus verkommt; nichts, in allen beim Gottesdienst gebrauchten Worten, kann auf ihn bezogen werden, nichts, durchaus nichts; also kreuziget die jüdische Religion Jesus. Christus nicht alle Tage. Ter Anklage fehlt jeden Grund. Was den gekreuffgten -Jesus Christus betrifft, so bin ich nickt der Richter jener unglückseligen Verurtheilung; aber was ick dem Ankläger aus tiefem. Herzensgründe und mit vollster Ueberzeugung sagen kann, ist, daß wenn es Jesus Christus gestele, heute zur Erde niederzusteigen, nicht ein Jude seine Kreuzigung verlangen, jeder aber der schönen Moral der Bergpredigt seine Huldigung darbringeu würde," Dies war meine Antwort und sie wurde wohl' aufgenommeni (Lang anhaltender Beifall). Wir verhandelten damals gerade über das Büdget des Cultus. Wir votirten den katholischen Pfarrverwesern eine Gebaltsvermehrung; in einem Amendement verlangte ich einen Zuschuß von 17000 Franken für solche unter unfern Porsängem, die eine Besoldung von 600 bis 800 Franken bezogen. Ich sagte zur Kammer: „Meine Herren, ich habe mich beeifert, eine'Gehaltsvermehrung für Ihre Geistlichen zu votiren, die dieselben so nöthig haben, sei es auch nur, um ein kleines Almosen zu vertheilen. Ich verlange) von Ihnen eine kleine Erhöhung des Zuschusses zur Besoldung unserer armen Vorbeter. Für sie, meint Herren, habe ich zwei ernste Beweggründe anzuführen. Sie (die Vorbeter) sind, das muß ich Ihnen zuvörderst sagen, eifrige Verehrer der Bibel,, worin sie gelesen haben: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei" und sie verheirathen sich alle. (Die Kammer lacht). Das ist nicht Alles; sie haben weiter. gelesen: „Seid fruchtbar und mehret euch!" und sie befolgen den Befehl des Himmels mit großer Andacht (allgemeines Gelächter), so daß sie Alle Familienväter sind." Die Kammer votirte die 17000 Franken. Das war ein guter Tag. (Langer Beifall unterbricht den Redner). Auch wir haben in den verflossenen 12 Monaten gute Tage gehabt. Unsere Schulen im Orient sind in den bedeutenderen Städten fest gegründet; von Alerandrien bis Bagdad, von Bukarest bis Damaskus bevölkeru^sich Europa und Asien mit unseren Anstalten. Es setzt in Erstaunen, diesen Entwicklungen zu folgen: wir dachten lange daran, aber es war ein Traum, wir haben sie, das ist Wirklichkeit. Ja, wie Sie aus dem trefflichen Berichte unseres wackeren Schriftführers vernommen, Alles geht nach Wunsch. Muselmänner und Christen wünschen, daß ihre Kinder den ersten Unterricht in den jüdischen Schulen genießen und wir hüten uns wohl, sie abzuweisen. Unsere Knabenschulen mehren sich und es ist unser Wunsch^ daß auch Mädchenschulen in großer Anzahl errichtet werden — junge Mädchen! kostbarer Schatz, liebliche Blumen, der driftende Hauch in unseren Familien. Ich habe cs stets bekannt, daß ich die Frauen sehr liebe (man lacht), und diese süße Neigung wird durch das Alter nicht abgeschwächt. Die Frau I unsere Mutter, unsere Tochter, Schwester, unsere reizende Lebensgefährtin, unsere Vertraute, unsere beste.Freundin (Beifall). Ihr Frauen, die Ihr mich höret, die Ihr die Kinder, welche Ihr unter Eurem Herzen-getragen, so sehr liebt, Euch kommt es zu, uns bei Errichtung der für junge Mädchen bestimmten Schulen Eueren Beistand zu leisten. Hier, bei Euch und unter Euerer Mitwirkung werden sie die besteri Lehren empfangen. Unsere jüdischen Frauen, das ist die Tugend in der Familie, die Arbeit) ainkeit in der Haushaltung, die mütterliche Zärtlichkeit in all' ihrem liebreizenden Feuer. Wie überwacht sie ihr Töckkerchcn, prägt ihm' die ersten Begriffe einer sanften Moral ein, und wenn dann das Kind zur Jungfrau berangereist, in ihrer geistigen Entwicklung eine höhere Bildung erheischt, mit welch' lebhaftem Eifer führt die Mutter sie jenen eben so gelehrten als klar verständlichen Unterrichtsstunden zu, welche die von ni.serer Universität gewürdigten Lehrer, die selbst Familienväter sind, und deren Worte stets so fromm als

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