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Der israelitische Lehrer · 1869-04-07 · 14 (7.4.1869) · p. Seite 221

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
14 (7.4.1869)
Date
1869-04-07
Page
Seite 221 (sequence 13)
Language
German
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ri \ — 221 — Götter und euer lächerlicher Aberglauben, so wie euere reizenden Götter und euere lieblichen Mythologien — Alles ist verschwunden, ihr selbst sammt euerer einst so stolzen Religion, die man heutzutage zu den fabeln wirft. Und diese« Völkchen, das ihr niederschlugt, mitleidslos, das, euere Götzen verschmähend, unter Anrufung seines einzigen Gottes, seine Selten in der Verbannung auspflanzte — da steht eS noch, unter derselben Fahne, unerschüttert im Sturme, vermehrt sich iu der Verfolgung, steigt verjüngt aus seiner Asche empor und schöpft Unsterblichkeit in seinem Glauben. (Beifall). Hören Sie, meine Herren, eines der Wunder unserer Tage. Gestern predigte .einer jener großen Redner, die der christlichen Kanzel so hohen Glanz verleihen, in der großen Basilica. *) Das jüdische Volk, die jüdische Religion — das war der Gegenstand seiner beredten Erörterungen. Sprach er höhnisch von ihnen? Fielen aus seinem Munde Worte der Verachtung und des gehässigen Angriffs auf jene« gewählte Auditorium herab, das seine Kanzel umgab? O nein! Niemals vielleicht ist die jüdische Nation in Jerusalem, daS jüdische Geschlecht in der Verbannung durch mildere, lobendere Ausdrücke erhoben worbe^lDer katholische Priester nennt das jüdische Volk daS Volk Gottes, die auserwählte Nation, deren Mission es ist: in allen Völkern den Monotheismus z» verbreiten, den Monotheismus, dessen Fahne wir stets hochtragen, glänzend und rein. (Beifall). Ja, so spricht der christliche Priester und wie sollten vor solchen Worten' nicht jene blutigen Vorurtheile schwinden, welche die Religion entehren, vorab die christliche Religion, deren Stifter die Gleichheit und die Brüderlichkeit so laut verkündet hat, und deren ans drei Tugenden beruhendes Dogma dieLiebe vor. Allem doch erhebt! (Neuer Beifall). Und wie sollte es auch nicht endlich Licht werden? Der Katholik — vergeblich ist sein Aberglaube — das sind wir; unser Buch, ist sein Buw; er hat wohl das Evangelium mit den weisen Lehren einer erhabe- 'nen Moral, aber das Evangelium ist die Weihe der Bibel. Ich sagte, daß mit uns die Welt begonnen hat, das Evangelium bestreitet unsere Herkunft nichts; aber hören Sie: Abraham, unser Abraham, ist der Erzvater der Christen; unser 'Isaak steht ihnen auch an mit seiner lieblichen Rebekka (Man lacht), und Jakob, der Vater jener Männer, deren Namen die zwölf Stämme Israel'« annabmen, Jakob kouvenirt ihnen auch. Was den König David betrifft, so hat es dem' Gott der Christen beliebt, von ihm abzuftammen, und aus seinen Liedern schöpfen sic ihre schönsten Gebete. Wir sind überall, mitten unter ihnen. (Beifall). Wie könnte die jüdische Religion fallen? Die *) Pater Hyacinth in der Kirche Notre-Dame zu Paris. Christen stützen sich darauf; mit ibneu könnte eS zu Ende gehen, ohne daß wir erschüttert würden, aber wenn wir fallen, so'fehlt ihnen die Stütze und — ich bitte sie, Freunde, die Sie mich hören, vollenden Sie meinen Satz; ich, ich weiß ihn nicht zu schließen. ^Lachen und Beifall). Und dann, hören Sie, wie Gott unserem Volke die Ewigkeit verspricht ans Erden. Abraham empfängt von Gott das Versprechen : „Durch deine RachkomMenslbaft. sollen gesegnet werden all« Geschlechter der Erde." In der Nachkommenschaft Abraham'« wird Gott segnen alle Völker, alle: Dir Völker, die in ihrer Wuth uns verflucht, verfolgt, hingeopfert haben, sie sollen unsertwegen gesegnet werden. Welch' göttliches «beschick! Den heidnische» Völkern bringen wir den Glauben an Emen Gott; a,l l e n Völkern bringen wir den -göttlichen Segen - höret Ihr eS, Verfolger der Juden? Gott und seinen Segen — da« ist die Mission der Juden unter den Völkern der Erde! Und Ihr, werdet sie noch immer verfolgen? (Langer, lebhafter Beifall). Aber es wird Licht allerwärts: im katholischen Oesterreich erhebt ' sich glänzend ein schönes Denkmal, G l aub ensfreich eit strahlt und der Jude nimmt seinen Platz ein. In dem noch katholischeren Spanien erscheint eine wunderbare Revolution, man hört das Zauberwort erschallen^ Religionsfreiheit und die ungerechten Gesetze Ferdinand'« und Jiabella's sind abgeschafft! Freunde der verschiedenen Religionen, die Sie mich hören, dieser Ruf: Glaubensfreiheit, es ist der erste, der ertönt beim ersten Strahl der -Freiheit. Wie erschallte er eiiistin unserem schönen, theueren Frankreich! Gewiß, noch ist einiger Widerstand geblieben, selbst in unseren Tagen, aber welch' ein Widerstand! Ich will Ihnen eine Thatsache mittbeilen, die nicht ganz ohne Wichtigkeit ist und die, . ich bin überzeugt, Ihnen gefallen wird. E« war im FZahre 1846; ich war Deputirter, der einzige jüdische Depurirte. Eines Tages, nach einer Sitzung' de« AppellationSgerichls, trat ich in die Kammer. Meine Ankunft wurde durch allgemeines lautes Gelächter begrüßt und ich, als es immer nicht endigen wollte, erinnerte niich an (Molwre's) Menschenfeind und rief: I; „Zum Kukuk, Ihr Herrew, ich glaubte keine so lustige Person zu sein, als ick je« bin . . . ." Und das Lacken tönte lustig weiter. Da fiel mir ein, mich nach der Rednerbühne zu wenden, dort stand einer meiner 'trefflichen Freunde: I s a m b e r t, eben so ehrlich al« gelehrt,'-und sehr gelehrt. Nun dachte ich mir, daß er einen Augenblick vor meinem Eintritte mich genannt, und daß dieses plötzliche und! unerwartete Erscheinen die allgemeine Heiterkeit her- I vorgerufen habe. Jsambcrt, mich erschauend, sprach:

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