Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 14 (7.4.1869)
- Date
- 1869-04-07
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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113 und ebne gegenseitige Verbindung schwachen Kräfte nicht zu einer'mehr gemeinschaftlichen Tätigkeit und gegenseitigen Verständigung vereinigen, da wir von dem neuen Schulgesetze nichts zu erwarten haben. Nirgends mehvwie hier ist man auf Selbsthilfe angewiesen, und dazu bietet der zahlreiche Beitritt zu dem aufblühenden Ackawa-Verein die günstigste und empfehlendste (Gelegenheit. l'22d 'T. Aus Württemberg, 24. März. In Württemberg ist noch immer Lehrermangel; manche Schulstellen haben bloß Verweser, einige sind ganz verwaist. Im Seminar l esindet sich gegenwärtig nur ein einziger jüdischer Semiiarist, der erst in zwei Jahren dasselbe verläßt; jüdische Präparanden, die im Frühjahr 1"70 in's Seminar kommen, und es dagegen acht. - Die durch einen Erlaß deö Eultusministcriums facultativ gewordenen Consinnatien macht unter Rabbinen und Lehrern viel zu reden,. da dieselbe bisher Accidenzien, wenn auch nicht sehr erhebliche, abwarf, die sich nun, da wahrscheinlich manche orthodore Eltern ihre Kinder, wenn auch nicht ans religiösen, doch aus finanziellen Gründen nicht werden consirmiren lasten, verringern. In der evang. Svnode wurde von Seiten unserer Strengkirchlickeni die Befürchtung ausgesprochen, unsere Volksschulen könnten ihres confessionellen Charakters entkleidet und zu Communalschulen werden. EultuSminister v. (stolther gab der Versammlung die Versicherung,'daß zu einer solchen Befürchtung kein Grund vorhanden sei und er den religiösen Charakter unseren Volksschulen wahren werde. Stadtberge, in Westphalen. An hiesigem Platze befindet sich die Prcv. Irrenanstalt. Bis vor einigen Jahren fanden Geisteskranke aller Consessionen hier Ausnahiize. Jetzt befindet sich eine zweite Anstalt in Lengekick, woselbst nur evangelische, hier aber nur katholische Kranken aufgencmmen werden. Die Geisteskranken jüdischer Confession können nach Verfügn/ig des Oberpräsidenten in beiden Anstalten Aufnahme finden. Schreiber dieses hat oft Gelegenheit, zu bemerken, welche liebevolle Behandlung die Kranken in hiesiger Anstalt haben und daß man hierin den jüdischen Kranken gegenüber durchaus keinen Unterschied macht. So werden bei vorkommenden Sterbefällen alle jüdische Ceremcnien beobachtet, und empfangen arme Leute, welche sich mit der m~ü beschäftigen, dies lehr anständig aus der Anstaltskasse bezahlt. Wenn ein Geisteskranker körperlich schwer erkrankt, so daß Gefahr vorhanden ist, wird Unterzeichneter immer gerufen, um dem Kranken, falls er lichte Augenblicke hat, die üblichen Gebete vorzusagen, oder andernfalls diese selbst für ihn zu bete». Jüdische Leichen werden auch nicht, wie andere secirt, weil dies der rpn;j hinderlich wäre. , Nachstehendes ist specicll für jüdische Lehrer von 'Interesse. In dem jAnstellungs-Patent des Unterzeichneten verfügt die! Königl. Regierung zu Arnsberg, daß in den wöchentlichen 26 Schulstunden gar kein Hebräisch unterrichtet! werden darf. Ob von anderen Negierungen ähnliche Verfügungen erlassen sind, ist' mir-nicht bekannt. Es wäre mir sebr lieb, wenn mehrere verehrte College« darüber in diesem Blatte Etwas Höre» ließen,! um gemeinsame Sckritte wegen Aushebung solcher Verfügungen thnn zu können. Nachträglich muß ick aber bemerken, daß die hiesige jüdische Schule eine öffentliche ist und vielleicht erwähnte Verfügung auf nicht öffentliche Schulen kein Bezug hat. Braun. ' Paris, 19. März. In der jüngsten ssreitagssttzung dev „Akademie der Inschriften und Ichönen Künste" hjelt Graf Vogue einen Vortrag über phönezifche und palmvrenijche Inschriften. Hieran knüpfte sich eine wissenschaftliche Disputation Renan'S und Rouge'S über Sinn: und Bedeutung von „semitisch.". Darin war man einig, daß die Religionen der semi^ tischen Völker „spiritualistisch" seien, während Cultus der Indo-Europäer „materiell" ist. DerPra^ stdent will diese Disputation am nächsten Freitag wieder aufnehmen und fortsetzen IMeii. Wir kommen | auf diesen interessanten Gegenstand zurück! ~ (Presse visr.) 7 Warschau, 12. März, ^ür die Iriden in Congreß-Polen soll wieder einmal die Ieit der Barterecntionen beginnen. Man erzählt sich nämlich, daß die Bärte der Jude», welche dem seligen Nikolaus so sehr mißfielen, baldigst mittelst Ukases außer Mode gesetzt werden sollen. Da aber die, russische Negierung sletS human und liberal ist, wird sie allen jenen Israeliten, die befondeps darum bitten, das Bartlragen wohl gestatten, nur müßten die Bittsteller eine kleine Steuer für die gnädige Bewilligung entrichten. Sintemalen jedoch nicht alle „Menschen und Juden" gleich reich sind, so wird der Aermere bloß 2k> Rubel, der Reichere Ü0 Rubel und der ganz Reiche lsift Rubel jährlich für den Part zu,bezahlen haben. Beim Barte — der Juden, äußerst human, biete Bartsteuer! ■ ■ z. . lieber die Abstammung des Wortes Ghetto^ Der Ghetto,! wie bekannt die (italienische) Bezeichnung für Iudengassi, hat sich in vielen Sprachen eingebürgert, aber die Deutung dieses Wortes scheint kein Heimathsrccht in den Lerika gesunden zu haben. Das ist die Nemesis der Weltgeschichte, die sich bis in die Converjationslexika erstreckt. Der Ghetto, einst die Herberge der Verstoßenen, ihm ist jetzt auch da kein Plätzchen angewiesen, wo doch