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Der israelitische Lehrer · 1869-03-31 · 13 (31.3.1869) · p. Seite 106

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
13 (31.3.1869)
Date
1869-03-31
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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Auch -in Persien ist Die Regierung wohlwollend für die Israeliten gesinnt, aber der Fanatismus des Volkes, die Bestechlichkeit und Gewalttbätigkeiten der Beamten, barbarische Gesetze widerstehen ihrem guten Willen und die Israeliten sind schrecklich gedrückt. Sie werden von Steuern übermäßig belastet, ibr Leben ist allen möglichen Gefahren ausgesetzl, die gegen Iie begangenen Verbrechen bleiben unbestraft, oder werden mit einer Geldstrafe belegt, die'der Straflosigkeit gleickkommt. Alle Strenge der-Gesetze ist gegen sie gekehrt. Ser Israelite, der sich einer falschen Anklage durch die. Flucht entheben will, wird durch die Basronnade bestraft.oder erleidet eine Geldstrafe, die einer Beschlagnahme des ganzen Vermögens gleichkommt. Die gräuliche Gffckichte von Balforusch ist ein Zeugnis des schonungslosen Fanatismus der Volksmasie, sowie des guten Willens der Regierung. Die Bestrafung der Schuldigen ward» anhefoklen sind eine Geldentsckädigung den Israeliten zugesprocken, aher sie gelangte nickt in ibre Hände. Die Israeliten birren uns bäusig um unsere Vermitllung bei ihrer und bei den europäischen Regierungen, denen -wir auch. Allen, die Leiden unserer Glaubensgenossen mittbeilen. Ganz neulich begaben wir uns;uin persischen Gesandten in Paris, ujn ibm dieselben darzustellen; er nahm alle Einzelheiten schriftlich auf, um sie seiner Regierung zu übermitteln, und drückte daS einigste Verlangen aus, zu Gunsteu unserer (Glaubensgenossen einschreiten zu wollen. Damitz meine Herten, steben wir am Ende unserer Mittbeilungen über die Lage unserer Glaubensgenoffen in den Ländern, wo wir ihnen-zu Hülfe kamen; wir übergingen zahlreiche Einzelheiten, die Ihnen zeigen würden, daß wir. keinen Unserer Glaubensgenoffen ohne diejenige UncerstüHnng lassen, die durch unsere Statuten jedem Israeliten Dgesagt ift^öer wegen seiner Eigenschaft als Israelite zu leiden bat- - An unfern brüderlichen- Beistand gewöhnt, wenden sich unsere afrikanischen und orientalischen Glanbensgenoffen jedes Mal an uns, wenn sie von einem Unglücke betroffen werden und wir geben zuweilen über den Buchstaben unserer Statuten hinaus, um ihnen die rettende Hülfe zu gewähren. Dieses Jabr 'verheerte -eine Hungersnotd Afrika und den Orient und sogar das nördliche Europa und brachte ein Gefolge schrecklicher Krankbeiten, Eholera, Typbus, in» sich; sie wütbele heftig unter, den Israeliten jener' Länder. Ausschüffe wurden dorten erdichtet, um ihnen Unterstützung zu bringen. Wir wurden um Beistand ersuckr; der Herr Oberrabbiner des Eentral-Consistoriums, vom innigsten Mitgefühl bewegt, 'erließ einen beredten Aufruf an unsere Glaubensgenoffen und ans allen Tbeilen der Welt antwortete man durch reiche' Almosen, die in Marokko, Tunis.! Palästina vertbeLk wurden und vielen unserer Glaubensgenoffen das Leben erhielten-. in. Wir koinmen zum zweiten Tbcile dieses Berichts, der unsere Wirksamkeit auf unsere Glaubensgenossen für ihre geistige und moralische Hebung zum Gegenstand bat.. In Viesern frominen Werke begegnen wir keinen Schwierigkeiten, an denen sich die Energie unserer Anstrengungen brächen; wir haben nickt die Weckselfälle des Gelingens und Mißlingens zu erfahren; wir haben nach erlangtern Fortschritt nickt mehr den Rückschritt zu befürchten, wie dies im Kampfe gegen Unduldsamkeit und Unterdrückung öfters sich ereignet. Umere Glaubensgenoffen begreifen Alle den (Gedanken. der uns zu ihnen führt; im Wablspruch unserer Gesellschaft niedergelegt, leitet er alle unsere Handlungen: aus unserem gemeinsamen Ursprung und unserer gemeinsamen Religion, aus ihrem unglücklichen Zustand und unserem Glück leiten wir die Pflicht ab, ihnen den Segen des Unrerrickkltz^ der Arbeit zu bringen. Sie selbst streben darnach, da sie weder die Unwissenheit, noch das Elend lieben. Mitten in langen Jahrhunderten des Druckes und der' Leiden bat die geistige Ausbildung bei ihnen nie vollständig Halt gemacht; sogar die einfachste Grundlage der Religionskenniniß macht ihnen eine gewisse geistige Erziehung zur Rotbwendigkeil; aber diese Erziehung, zu früh unterbrochen^ läßt unsere Glaubensgenoffen im Kainpfe rnit den notbwendigsten Bedürfnissen des Lebens, von denen sie bedrängt werden und die sie mit ihren für eine fruchtbringende Arbeit ungenügenden Hülfsmitteln unmöglich bewältigen können. Bei dem Gefühle ihrer Schwäche haben sie jedock den Willen, sich aufzuraffen; von uns erwarten sie Schulen und Werkzeuge zur Arbeit, die ihnen fehlen. Sckon besitzen wir große Schulen in den bedeutenden Städten Airika's und des Orients. In Marokko haben wir vier Knaben- und zwei Mädchenschulen; in der Türkei drei, in Syrien eine, in Palästina zwei, in Kleinasien eine Knabenschule. Wir haben Ihnen den Stand jeder derselben initzutheilen. In Marokko sind die Sckulen zu Tetuan die ältesten und trotz der Hindernisse, welche Hungersnotd, Seuchen. Räuberwesen dieses Jahr ibrem regelmäßigen Besuche entgegcnstellten, auch die blühendsten. Die Knabenschule zählt 580, in 7 Klaffen vertheilte Icküler; der Religionsunterricht wird, wie in allen Sckulen, durch die Rabbinen errbeilt. Die übrigen Untcrrichtsgegen stände sind in den Händen des Herrn Gogman. seines Gebülten Herrn Grün bäum und einiger Helfer aus der Zahl der Schüler selbst AMonitorenP Der Unterricht der Oberklaffe uinfaßt: hebräische, französische und spanische Sprachlehre, biblische- und Weltgcsckischte, Geographie und die Elemente der Geometerie und Physik. Die Mädchenschule wird von 133, in zwei Klassen eingetbeilre Schülerinnen besucht und von Fräulein Gogman geleitet; ein Theil des Unterrichts wird von dem Direktor der Knabenschule eribeilt. Die Schülerinnen der ersten

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