Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 13 (31.3.1869)
- Date
- 1869-03-31
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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cismuS habe, und sprich! deck von „Entwicklung." Verstehe daS, wer mag. Entweder geschichtlich gewordenes Christenthum oder waS sonst? Erkennt > Herr Herold'die- „zebn Worte vom Sinai" nicht als die ewige sittliche Grundlage aller monotheistischen Religionen? Wenn im Christenthume die jeyige Naturaustastnng mit der Anschauung der Bibel kollidirt, so wollen wir könstatiren, daß dies innerhalb des Judenthums durchaus nick: der Fall ist, daß eS auch unter den altgläubigsten'Juden nicht „knackt," wie neulich die orthodoxeste jüdische Zeitschrift bewiesen; daß man-z. B-das Wort der Bibel nur als die gebräuchliche Redensart jener Zeit darstellte, wie inan ja auch deutsch oon Sonnenaufgang und Sonncnniedergnng, nickt vom Erdaufgang spricht. Wenn die religiösen Parteien im.Judentbume in der Formübung noch so, weit aüscinandergeben, in der vernunftgemäßen Lebraunasfung sind ne eins. Wie ckann man also das Judentbum für das. was die christliche, d. h. kirchliche Auffassung verschuldet, verantwortlich machen? Und. nun Nur iiock -ein Won zum Schluffe. Uns erscheint die Religion als Aeußerung des religiösen Bedürfnisses im Menschen, und dieses ist bei dem Einen fo, bei dem Andern anders. Nur auf diese. - von Gott gewollte Weise, konnte und kann die Wahrheit gefördert werden. Tic Verfchicdenbeit der Religionen lag im Plane des 'Schöpfers. Tie verschiedenen Bekenntnisse sind verschiedene Phasen der menschlichen. der religiösen Entwicklung, der Aeußerung des ' ewigen Gotrhcitsgedankens im Menschen. Wenn sich auS der einen Wurzel verschiedene Stämme und Zweige entwickelten und in eigenrhümlicker Weise, sich gestalteten und fortbildeten, so können sie dock und sollen nach dem Willen des ScköpferS gleich herrliche Früchte tragen.. „An den Früchten aber sollt ihr sic erkennen." Vergönnen wir unS einander nur nicht, den gemeinsamen Boden, das gemeinsame Sonnenlicht. Uebcn wir gleichmäßig Liebe, Tuldung, die der gütige Vater der Menschen Allen ins Herz geschrieben. Das ist die Uroffenbaruug Gottes. Tie Früchte können, wenn sic -auch verschieden-sind, dock alle erquickend sein, die einen äuf diese, die anderen auf andere Weise. Fortschritt, Wahrheit, Tugend und Sittlichkeit, Licht und Aufklärung sind nickt an das Bckenntniß geknüpft. Es eif,e feder seiner unbestochenen Von Vorurthcilen freien Liebe nach ..... Und wenn sich dann der Steine Kräne , Bei Eueren Aindes-Kindesiindern äusiern: So lad' ich über lausend tausend Jahre, Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird Ein weis'rer Mann auf diesem Stuhle sitzen, >ls ich; und sprechen: Geht! — So sagte der bescheidne Richter. Ldernheinr in Rheinhesien. I. si lingenstein. Wochenbericht. Odernhcrm, 23. März. Wir beginnen mit der Besppechungcker Schulprogranime. 1) Der Jahresbericht fiter die Religionsunterrichts-Anstalt der Synagogengemeinde zu Magdeburg bringt einen Artikel als Eingang: Ueber die Pflege des Unterrichts im Hebräischen und eine „Uebersicht der im abgelausenen Schuljahr durchgenommenen Pensa." Tie Schule zäblt in 3 Knaben- und 3 Mädchenklassen 147 Schüler und Schülerinnen. Die Pensa sind angemessen. Die Scküler werden bis zur Kenntnis; deS PentateuckS in der Ursprache, den bedeutendste» Gebeistücken und einigen ausgewählten Tbeileu der Bibel geführt;'— der Unterricht in der Geschickte Israels führt nur bis zum Abschluß d e S Talmuds. Die jüngere Epoche unserer Religions-Geschichte fehlt. Uebt-igcnö sind die Pensa sachgemäß vertheilt und pädagogisch geordnet. , Wir waren aus die Beigabe, den einleitenden obenerwäbnten Artikel gespannt; wir erwarteten darin eine pädagogische Abhandlung über den hebr. Unterricht oder dock eine belehrende Ansprache für die Eltern zu finden. Wir wurden unangenehm enttäuscht. Da» Ganze ist eigentlich eine Polemik gegen die Bestrebungen der Reform, für die hier dock wahrlich nicht die geeignete Stätte war. Die Sckulc und insbesondere die Religionsschule spricht im Jahre nur einmal öffentlich zu den Eltern. Hat der Rabbiner als Leiter derselben nickt aus der Kanzel Raum genug für die Acußeiung seiner religiösen Anschauungen? Daß diese gedruckt werden sollen, und hierfür das Schulprogramm verwendet wird, ,läßt ahnen, daß es dem Hrn. Rabbincx. Entweder an Zuhörern fehlt oder daß der Artikel an seine bestimmte Adressen gerichtet ist, die das in der Svnagoge gesprochene Wort nicht erreicht. Ist jedoch dieser Jahresbericht,die geeignete Stätte? Vor neck nickt einem Jahre sagte man uns, daß der greise Direktor des Breslauer Seminars seinen Zöglingen anempsoblen, keiner Partei anzugehören. Jetzt scheint die Parole anders zu sein und der Kampf wird auf der ganzen Linie zugleich eröffnet: ein Leitartikel der früher Fränkel'schenjetzt Grätz'sckcn Monatsschrift machte den nicht bcneidenSwerthen und noch weniger rühmenswerthen Anlauf, in hämischen 'Angriffen gegen die Vertreter der fortschreitenden Richtung selbst Lehmann den Rang abzulaufen. Und dock waren und sind in cultucller Beziehung die Breslauer den „Alten" ebensowohl. Verächter des Gesetzes als selbst Philippson und Geiger! Wir sind in der Sache selbst — daß der Unterricht, im Hebräischen notbwendig ist und zur Kräftigung der Religiosität beitragen „kann," mit dem Herrn Verfasser einverstanden; daß aber dadurch wirklich der JndifierentiSmuS