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Der israelitische Lehrer · 1869-03-31 · 13 (31.3.1869) · p. Seite 103

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
13 (31.3.1869)
Date
1869-03-31
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 — und die Reformsucht gebatint wird, ist schon darum eine Täuschung, weil det Indifferentismus u»d die Reformen wirklich und Ihatsächlich zumeist von Männern der alten Schule der> jüngeren Generation impu- - tirt worden sind, während jtne doch gewiß genügen^ hebräisch verstanden haben.. (tzind'S die Rabbinen, yie die „weitgehendste" Reform aststreben, nun: so kann doch auch nicht die Ignoranz im Hebräischen Schuld sein, denn der schlechteste Rabbiner yennt dock sicher imme^r noch mehr Hebräisch, als der beste Religionsschüler in Magdeburg! Wenn Hr. vr.Mahmer als Beweis das Griechische und Lateinische aufführt, nun, so bekennen wir uns auch hierin zur unerhörten Ketzerei, zum BarbariSmus und zu der vielest vielleicht unerhörten Be» hauptung: eS ist nichts weiter als hohler stielehrtendünkel, als sophistische Anmaßung, behaupten .zu wollen: nur allein, oder auch nuir ausschließlich und vorwiegend die s. g. humanistische IGymnasialbildung, die Kenntniß deS Latein- und Griechischen ist die wahre Bildung. Wir versteigen nnS zu der kühnen Behauptung, daß Tausende und stber Tausende, die nicht diesen Weg der Bildung eingeschlagen, in wahrer Seelen- und Geistesgröße, in gediegener weltmännischer Bildung, in praktischer Brauchbarkeit, überhaupt wahrhafter Bildung den s. g. Gelehrten oft weitaus überlegen, sich und der Menschheit nützlicher, selbst für die „lebendige" Wissenschaft fruchtbarer sind. Wir vermessen uns zu der kühnen, vielleicht parstdoren, aber doch von vielen — selbst von einer Menäe solcher, die selbst Gymnasialstudien absolvirt haben — getheilten Bebauptnng: Die Zeit ist nicht mebr sejrne, wo die rodten Sprachen den lebenden Platz machen, wo nur für wenige Berufsklassen noch die s. g.i humanistischen Studien beibehalten und das reale, ^eist- und geinüthbelebende Studium der Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte und sofort die Grundlage aller Bildung sein werden. i Doch, um auf unseren Gegenstand zurückzukommen: wir wiederholen: Wir sind für Beibehaltung des hebräischen Gebets,!für tüchtigen Unterricht der heiligen Schrift in der Ursprache. Ob aber wirklich die Uebersetzungen der Psalmen durchweg „matr" sind? Und dann: ein Tbeil des Gebetes, — wir möchten sagen, der fluctuirende, bewegliche, mich in der Muttersprache gebalten werden; denn abgesehen vom allem Anderen, von jeder Sentimentalität: Psychologisch läßt sich nicht leugnen, daß alle Wirkung fremdsprachlicher Worte doch nur durch Übertragung, durch Reslerion möglich wird, denn nur n der Muttersprache können wir denken und fühlen; die geistige Assimilation vollendet sich nur in der Muttersprache. Wir haben uns diese ausfübrliche Besprechung dieses durchaus nicht bedeutenden und jedenfalls nu: geg-en die Svnode geschriebenen Artikelckrns erlaubt, um die Aufmerksamkeit auf die neue Taktik des neuen jüdischwissenschaftlichen Vereins hinzulenken und die Seichtheit der Bebauptungen zu enveisen. Wir wollen als Beleg dafür, wie man hier die Polemik mit den Haaren herbeizieht, nur auf die Worte vor dem Schlüsse aufmerksam machen: „Durch die gewissenhafte Pflege des Hebräischen wirken sie mebr, als — durch Beschickung der Svnoden". „Ueber religiöse Dogmen, ja auch nur über religiöse Sitten und Gebräuche' läßt sich nicht > durch Majoritäten abstimmen, das religiöse Gefühl, j läßt sich nicht majorisiren, am allerwenigsten von Solchen, deren religiöser Ernst und frommer i Sinn beim Volke stark im Mißkredit gelkommen. Das ist von „Halben" stark! Wir fürchten, wir fürchten! Die Nemesis reitet schnell! Baden. Durch den §. 8 der neuen Schnlgeseye sind fast die Hälfte der öffentlichen Schulen in Religionsschulen verwandelt worden, die Lehrer an solchen pensionirt resp. als ReligionSlebrer ge- I stempelt und so den oft hierarchischen RabbiS in die l Hände gegeben, die sich ins Fäustchen lachen, in dem i Bewußtsein, auch wieder Untergebene zu haben, j Die ReligionSlebrer' schreien Ieter in der Badischen i Landeszeitung um Verbesserung ihrer Stelle und Stel- . lung. Die Gemeinden schreiben ohne den Oberrath l ihre Stellen aus und besetzen sie, das frühere Epsicin'sche Prrncip nicht beachtend. Eine Willkürher-rschaft,' wie si« nie geführt und geduldet wurde! Und zu allem Unheil schweigt unser sromnier gottergebener alter-Mann, sitzt hinter seinem'Mischnajis oder Sohar oder legt täglich noch einen schweren Stein aus die Mündung des Brunnens, aus dem das erguickende Wasser der schon, längst verheißenen Kirchenverfassung geschöpft werden könnte. Unsere Iustände werden bald wieder jenen gleichen, die sehr wohlfeile ' Lehrer (Backurim) geliefert und die EbcderS beherbergen j in der Bälde Individuen, die man um billigen Preis von der Straße gonommen. j Sie lacken? Wollens vielleicht ins Unglaubliche , ziehen? Nun, wenn Gemeinden vom" Oberratb mit ' Rabbiner beschenkt werden, die nicht einmal eine ordent- ■ licke Mittelschule absolvirt, viel weniger eine Hoch-; schule gesehen haben — aber dennoch den schmeichel- , haften Titel „Großh. Bez.- Rabbiner" führen — so i läßt obige Befürchtung sich keinen« Zweifel unter-; werfen. So sehr in unserem gesegneten Baden auf ' allen Gebieten der Kirche und Schule riesenmäßig! - gearbeitet wurde, so sinsier und öde sieht cs auf jüdischem Boden in dieser Beziebung aus. W2S7 arbeitet unser frommer Oberratb Herr A. mit seinen treuen Waffenträgern? — ^ck schließe mit meiner Jeremiade und möchte nur noch die Frage aufstellen: * Wann, Ihr ReligionSlebrer Badens werdet Ihr

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